Kreis Südliche Weinstraße 20 Hausbesuche am Vormittag

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Bad Bergzabern. Treffpunkt ist an einem Montag um 6.30 Uhr in Bad Bergzabern, das bedeutet Aufstehen um fünf Uhr. Umsteigen in das Auto der Sozialstation, dann kann es losgehen, erste Station ist Schweigen. Sie möchte kein großes Aufheben um ihre Person machen, deshalb einigen wir uns auf ihren Vornamen, Schwester Beate. Die Mutter von vier Kindern hat 2006 ihre Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht und wollte in der ambulanten Pflege arbeiten. Dass es ihr Spaß macht, ist im Laufe des Vormittags zu spüren, sie ist freundlich, geduldig und wirkt trotz der ungewohnten Begleitung und ständigen Fragerei der RHEINPFALZ-Mitarbeiterin keine Minute gestresst. Mit 48 Autos fahren die Mitarbeiter rund 700.000 Kilometer pro Jahr. Das sind die nüchternen Zahlen des Pflegedienstes, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert und im September 2016 in das ehemalige Kreisaltenpflegeheim nach Bad Bergzabern umgezogen ist. „Henn se gut geschloofe?“, ist die Frage an eine alte Dame, die alleine wohnt, im Bett liegt und der sie die Stützstrümpfe anzieht. „Nä, nit so“, ist die Antwort. Fast 80 Jahre ist die nächste Patientin, die gewaschen werden muss. „Des sieht nit so gut aus, do muss mer druff achte“, sagt Schwester Beate zu einigen Rötungen, die sie versorgt. Wenn die Stützstrümpfe sitzen und der Schuh mit der Schiene angezogen ist, kommt die alte Dame im Badezimmer alleine zurecht. „Wenn die elektrischen Betten nicht wären, würde ich mir sehr schwer tun“, stellt Schwester Beate fest. Sie dokumentiert ihren Besuch in der entsprechenden Mappe. Zu ihrem Mann, der gespritzt werden muss, werden wir später noch einmal fahren, er schläft gerne länger. „179 Zucker, des geht noch“, beruhigt sie die nächste Patientin, die von einer Frau aus Polen versorgt wird und auf ihr Frühstück wartet. Das gibt es nämlich erst nach der Spritze. Man muss die Straßen und Gässchen schon gut kennen, um die jeweiligen Häuser zu finden. Oberotterbach, Dörrenbach und Schweigen-Rechtenbach sind die drei Dörfer, die an diesem Morgen angefahren werden. Ich weiß schon nach dem fünften Patienten nicht mehr, in welcher Straße wir gerade sind – und es ist immer noch dunkel. Bei der nächsten Dame, die ebenfalls eine Insulinspritze bekommt, brennt schon ein gemütliches Feuer im Ofen. Sie zeigt einen Korb Kastanien, den sie heute verarbeiten will. Es kommt auf die Technik des Schälens an, demonstriert sie. Vor vier Jahren ist ihr Mann gestorben, sie lebt alleine, aber die sieben Urenkel kommen zu Besuch, deshalb die Spielecke im Wohnzimmer. „Ich lass selde de Kopp hänge“, ist ihr Motto. „Die Menschen sind alle sehr nett, mit der Zeit lernt man auch die Familien und die Geschichten kennen“, erzählt Schwester Beate bei der Weiterfahrt nach Oberotterbach. Bei jedem Patienten Handschuhe anziehen, ausziehen und danach Hände desinfizieren ist Routine. „Das ,Pfälzer Tageblatt’ lese ich zuerst“, erzählt die nächste Patientin, die RHEINPFALZ liegt zum Frühstück bereits auf dem Tisch, Schwester Beate überwacht die Tabletteneinnahme. Wie bei einigen anderen auch, die täglich viele Tabletten nehmen müssen und mit der Einnahme überfordert sind. „Was mich hier erwartet, weiß ich nicht“, kündigt die Mitarbeiterin der Sozialstation den nächsten Besuch an. Die Patientin werde zunehmend verwirrter und es sei unklar, wie lange sie noch alleine leben könne, fasst sie ihre Besorgnis in Worte. Die Menschen, egal, wie sie sich benehmen oder in welcher Verfassung sie sind, mit Anstand und Würde zu behandeln, ist ihr Grundsatz. Und trotz straffen Programms bleibt immer Zeit für ein paar persönliche Worte. Jeder Besuch wird dokumentiert, Auffälligkeiten werden festgehalten, ein besprochener Besuch beim Arzt oder auch, dass eine Stolperfalle im Haus beseitigt werden muss. „Die Dokumentation ist ganz wichtig, wir schauen zum Beispiel, wie sich die Patienten ernähren oder ob sie es zu Hause alleine schaffen“, erklärt Schwester Beate. Beim nächsten Besuch brutzelt um 11 Uhr schon das Mittagessen auf dem Herd: Schnitzel, Kartoffeln und Wirsing. Die alte Dame wird ebenfalls von einer Hilfe aus Polen im Alltag begleitet. Konzentration ist gefragt, um die Tabletten für eine Woche vorzurichten, denn es kommen einige zusammen. Dann noch ein Anruf beim Hausarzt und bei der Apotheke, damit der Nachschub nicht ausgeht. Am längsten dauert der Verbandswechsel bei einem schlimm aussehenden Bein. „Das sieht jetzt schon richtig gut aus“, sagt Schwester Beate, die die offenen Wunden mit größter Sorgfalt behandelt, Schmerzen beim Verbandswechsel kann sie der Patientin trotzdem nicht ersparen. Um 12 Uhr sind noch mal die vier Patienten vom frühen Morgen dran, die wieder ihre Insulinspritze brauchen – vor dem Mittagessen. 20 Besuche waren es an diesem Vormittag. Mit vielen Eindrücken und großem Respekt für alte Menschen, die mit Krankheiten und vielen Einschränkungen ihr Leben meistern, ohne de „Kopp hänge zu lasse“. Und Achtung vor der Arbeit der Pflegenden und der osteuropäischen Alltagsbegleiter, die es möglich machen, dass Menschen zu Hause alt werden können. Info Am Samstag, 29. Oktober, feiert die Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern ihr 40-jähriges Bestehen. Los geht es um 13.30 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Marktkirche in Bad Bergzabern, anschließend ist Tag der offenen Tür in der Sozialstation in der Herzog-Wolfgang-Straße 5 (ehemaliges Kreisaltenheim). Um 17 Uhr lädt die Kreismusikschule Landau/Südliche Weinstraße zu einem Benefizkonzert in die Marktkirche ein.

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