Kreis Südliche Weinstraße 100 Jahre alte Pendeluhr pendelt wieder

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„Bei einer guten Reparatur bleibt mindestens eine Schraube übrig“, findet Eugen Krug. Er ist einer der fünf „Reparateure“, die zum Auftakt des Repair-Cafés im Haus der Familie in Bad Bergzabern nicht mehr funktionierende Raritäten oder Gebrauchsgegenstände fachmännisch unter die Lupe genommen haben und zum Teil reparieren konnten. Ein Projekt, das erfolgreich anlief.

Es ist eines von drei bundesweiten Modellprojekten der Arbeiterwohlfahrt und der Naturfreunde in Kooperation mit der Seniorenarbeit des Hauses der Familie, das vom Umweltministerium gefördert wird. Die beiden anderen Projektregionen, in denen die Verbände „Teilhabe an Nachhaltigkeit“ ermöglichen wollen, sind Berlin und Bielefeld. „Die Kooperation hat sich ergeben, weil Awo, Naturfreunde und wir zur fast gleichen Zeit dasselbe geplant haben“, erklärt der Seniorenreferent des protestantischen Dekanats, Rainer Brunck. Vorsitzender der Awo in Bad Bergzabern ist Uwe Herbener-Roos, der Vorsitzende der Naturfreunde Dieter Zäpfel. Die Atmosphäre an diesem ersten Nachmittag ist gesellig, bei Kaffee und Kuchen werden an den Tischen Uhren, Lampen, Toaster oder Rührstäbe repariert, man kommt schnell ins Gespräch. Gleichzeitig mit dem Repair-Café bietet die Arbeiterwohlfahrt Bad Bergzabern im Nebenraum unter künstlerischer Leitung eine Malstunde für Kinder an, sodass sich auch Eltern bei einer Tasse Kaffee in aller Ruhe der Reparatur ihres Lieblingsstücks widmen können. „Ich konnte die LED-Birne mit dem Glas davor nicht wechseln“, ist das Anliegen einer älteren Dame, die eine Stehlampe dabei hat. Für Udo ein Leichtes. „Seit meiner Kindheit ist es mein Hobby, kaputte Sachen zu reparieren“, sagt er und widmet sich dann der Pendeluhr, die mindestens 100 Jahre alt ist und die Gerhard Rapp mitgebracht hat. Ein schönes Stück, das aber nicht mehr pendeln will. Udo sieht sich das Uhrwerk an, säubert und ölt es. Es läuft. Nizar Barahbou und Eugen Krug bemühen sich um einen Kassettenrekorder aus dem Jahr 1965. „Es ist ein kostbares Stück, das auf drei Spuren speichert, aber nicht mehr aufnimmt“, sagt sein Besitzer. Das tut der Rekorder auch nach eingehender Untersuchung nicht, obwohl Nizar Barahbou als Elektroniker Fachmann ist. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern ist er vor eineinhalb Jahren aus Damaskus nach Deutschland gekommen und spricht ausgezeichnet Deutsch. Es macht ihm Spaß zu helfen und etwas zu tun, sagt er. „Jetzt kann ich sie guten Gewissens wegtun, man kann sie nicht mehr reparieren“, ist das Fazit der Besitzerin einer Kaffeemaschine. Ob der Toaster von Franziska Anderie-Stumm das ihm anvertraute Brot noch einmal freiwillig hergeben wird, steht noch in den Sternen. Ebenso ob der Fön, der an der falschen Stelle heiß wird, oder der Pürierstab, der sich weigert zu pürieren, noch zu reparieren sind. Anja Wichitill ist Referentin für Teilhabe und nachhaltige Lebensstile der Awo und zum Start des Repair-Cafés aus Berlin gekommen. Es gelte, gesamtgesellschaftliche Konsumleitbilder zu verändern, sagt sie. Will heißen, Dinge nicht gleich wegzuwerfen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Info Kaffee, Kuchen und Reparaturen gibt es jeden ersten Dienstag im Monat im Haus der Familie von 14.30 Uhr bis 18 Uhr in der Luitpoldstraße 22, die Malstunde der Awo für Kinder beginnt zur gleichen Zeit. Nächster Termin ist der 5. Januar. (pfn)

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