Südpfalz
Ärger wegen Dauer-Maskenpflicht in Schulen: Darf mein Kind im Unterricht etwas trinken?
Am Freitag trudelte diese Nachricht des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums bei den weiterführenden Schulen ein: „Für den Bereich der Schulen gilt, dass ab Montag, 2. November 2020, landesweit die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Schutzbedeckung an allen weiterführenden Schulen auch im Unterricht gilt.“ Anfang der Woche werde es ein ausführliches Schreiben geben, so das Ministerium. Darin werde es nähere Informationen zur Wirksamkeit und über Möglichkeiten für Entlastungszeiten geben, also beispielsweise fürs Absetzen der Maske und das Durchatmen. Und wie wirkt sich die neue Regelung auf den Schulalltag aus?
Es herrscht offenbar Verunsicherung, wie Katrin Lafaix berichtet. Sie ist stellvertretende Schulleiterin am Pamina-Gymnasium in Herxheim. „Die Schüler haben jetzt viele Fragen. Unter anderem wollen sie wissen, ob sie nun noch während des Unterrichts etwas trinken dürfen?“ Als Lehrkraft empfinde sie die neue Regelung körperlich ziemlich anstrengend. „In großen Klassen muss ich sehr laut reden, damit mich die Schüler durch die Maske verstehen. Ich unterrichte Englisch und Französisch, gerade in solchen Fächern ist das schwierig.“
Psychische Belastung für Schüler
Auch Schüler klagten, dass ihnen das Sprechen vor der Klasse einiges abverlange, sie hätten einen trockenen Hals und Durst. Deshalb mache sie regelmäßig Pausen auf dem Hof, damit Schüler etwas trinken und frische Luft atmen könnten. Das dauerhafte Tragen einer Maske sei auch eine psychische Belastung für viele Schüler. „Die Kommunikation leidet, die Schüler können keine Mimik entziffern“, sagt Lafaix.
Auch Eltern hätten derzeit viele Fragen. Und äußerten auch Kritik. Manche stellten die Maßnahmen in Gänze infrage, andere wollten wissen, ob ihr Kind im Schulgebäude etwas essen darf – ober ob das nur draußen erlaubt ist. Andere könnten nach wie vor nicht verstehen, berichtet Lafaix der RHEINPFALZ, warum Kinder im Unterricht Abstand halten müssen, anschließend aber dicht gedrängt im Schulbus säßen. „Dennoch sind die Schüler nach wie vor sehr diszipliniert“, sagt Lafaix.
„Wir werden Schulen nicht alleine lassen“
Sie habe schon mit Schülern einer neunten Klasse intensiv über die neuen Regeln diskutiert. Tenor: Die Jugendlichen wünschen sich wieder getrennte Klassen wie im Frühjahr, wie Lafaix berichtet. „Die haben bereits intern Gruppen gebildet für einen solchen Fall.“
Warum hat das Bildungsministerium nicht direkt einen Leitfaden für die neuen Verhaltensregeln den Schulen an die Hand gegeben? Wie ein Sprecher am Montag auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte, seien die Entscheidungen in einem kurzen Zeitraum gefallen. Es sei wichtig, dass das Ministerium die Vorgaben fachlich gut ausarbeite, bevor die Schulen damit versorgt werden. Er könne natürlich die Unsicherheit bei Schülern, Eltern und Lehrern nachvollziehen, sagte der Sprecher. Und mit Sicherheit sei es kein Problem, wenn Schüler während des Unterrichts die Maske abnehmen, um etwas zu trinken. „An vielen Schulen wird das schon jetzt ganz pragmatisch gehandhabt. Und wir werden sie nicht alleine lassen.“
NRW: Schon länger generelle Maskenpflicht
Wie in Nordrhein-Westfalen war in Rheinland-Pfalz die Schule am Montag vergangener Woche wieder nach den Herbstferien gestartet. Im größten Bundesland gilt seitdem eine Dauermaskenpflicht. In Rheinland-Pfalz war eine solche seit Schulstart von regionalen Infektionszahlen abhängig gewesen.