Westpfalz
Zugausfälle: Aktuell im Lautertal – Strecke Kusel - Landstuhl auch immer wieder betroffen
Gerade in der nun endenden Woche sind im Lautertal immer wieder Zugverbindungen ausgefallen. „Seit einigen Tagen kann DB InfraGo die Bedienplätze im für das Lautertal zuständigen Stellwerk in Neustadt nicht ausreichend besetzen“, nennt Fritz Engbarth als Grund. Er ist der Sprecher des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd). Zwar kein Trost, aber längst nicht nur das Lautertal sei betroffen, sondern „mittlerweile mit der gleichen Regelmäßigkeit der Verkehr rund um Grünstadt, der dort halbiert werden muss, auf den Strecken in Richtung Eisenberg oder Monsheim fällt er dann ebenfalls oft gleichzeitig komplett mit aus“. Engbarth macht kein Hehl mehr daraus, dass ihn das nervt: „Die Situation ist in der Tat mindestens unschön.“ Und das sei noch nett ausgedrückt.
Zweckverband beschwert sich immer wieder
Die Information, dass Züge ausfallen, erreiche den Verband meist sehr kurzfristig, moniert Engbarth: „Man kann von Glück reden, dass es DB Regio in der Regel gelingt, einen Ersatzverkehr aufzuziehen.“ Weiter erschwert wird die Sache laut dem ZÖPNV-Süd-Sprecher noch durch kurzfristigere Änderungen: „Heute um 12.57 Uhr informiert uns DB Regio, heute und morgen ab 13.30 Uhr kein Zugverkehr. Gegen 15.30 Uhr dann die Änderung für morgen: Anstatt morgen am Nachmittag fallen morgen früh die Züge aus.“ Engbarth räumt ein: „Das ist unzumutbar für die Kunden, aber wir können keine zweite Strecke nebendran legen und sagen: ,So, uns reicht es jetzt, wir lassen die Züge eben woanders fahren’.“
Der ZÖPNV habe mit der Bahn „schon jede Menge Gespräche geführt und dabei Forderungen nach verlässlicher Personalplanung gestellt“. Bislang offensichtlich ohne Erfolg.
Dennoch werde man nicht nachlassen, kündigt Engbarth an: „Und wenn wir mit unseren dauernden Beschwerden und der Kritik an den nicht hinnehmbaren Zuständen die Lästigkeitsschwelle bei DB InfraGo überschreiten: Das darf nicht einfach zur Normalität werden.“
Auch die Strecke Kusel - Landstuhl ist betroffen
Doch nicht nur Bahnfahrer im Lautertal ärgern sich über kurzfristige Planänderungen und Ersatzbusverkehre, die eine Fahrt zum Abenteuer werden lassen können. Zugausfälle sind auch auf der Strecke Kusel - Landstuhl ein leidiges Thema. Der CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Klein aus dem Landkreis Kaiserslautern hat dazu jüngst eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, deren Antwort diese Woche eingegangen ist.
Das Mobilitätsministerium unter Ministerin Katrin Eder (Grüne) stützt sich dabei „weitestgehend auf Informationen, die der ZÖPNV Süd zur Verfügung gestellt hat“. Demnach sind vom 1. Januar bis 31. Oktober 2024 bei der Linie RB 67 Landstuhl - Kusel 14,3 Prozent der Zugfahrten ausgefallen. 6,7 Prozent sind auf baustellenbedingte Sperrungen und infrastrukturelle Einschränkungen zurückzuführen, also durch DB InfraGo herbeigeführt worden. 2,3 Prozent entfielen wegen bundesweiter Streikmaßnahmen der Gewerkschaft GdL, und 5,3 Prozent entfielen wegen kurzfristiger Krankmeldungen sowie wegen fehlender Fahrzeuge und sonstiger Einschränkungen.
Ausfälle meist am Nachmittag und Abend
Klein hat nachgefragt, zu welcher Tageszeit es die meisten Ausfälle gibt: „Etwa 60 Prozent der Ausfälle verteilen sich auf den Nachmittag und Abend beziehungsweise Spätverkehr“, heißt es aus dem Ministerium. Die beiden Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Mittag, also der Schülerverkehr, seien mit jeweils knapp über einem Zehntel am geringsten betroffen.
Auf der Strecke zwischen Kusel und Landstuhl kommen fast ausschließlich die in Kombination mit den 55 Zentimeter hohen Bahnsteigen barrierefreien Dieseltriebwagen der Baureihe 643 „Talent“ zum Einsatz. Montags bis freitags sind zudem planmäßig bei zwei Zugfahrten die nicht barrierefreien Fahrzeuge der Baureihe 628 eingesetzt. Wegen „der schwierigen Fahrzeugverfügbarkeit beim Typ ,Talent’“ fahren für die DB Regio allerdings verstärkt die 628-Fahrzeuge, so das Ministerium, außerdem Fahrzeuge vom Typ 642. Die hätten zwar weniger Sitzplätze, aber seien dafür ebenfalls barrierefrei.
Vertragsstrafen wegen Schlecht- oder Minderleistungen
Klein hatte außerdem wissen wollen, ob sich Ausfälle wie auch der Einsatz nicht-behindertengerechte Fahrzeuge finanziell auswirken. „Im Falle von Schlecht- oder Minderleistungen sehen alle Verkehrsverträge Minderungen und Vertragsstrafen vor“, erläutert das Ministerium. Zugausfälle, die auf fehlendes Personal oder defekte Fahrzeuge zurückzuführen seien, würden sanktioniert: „Das betreffende Eisenbahnverkehrsunternehmen erhält zunächst keinen Zuschuss, weil die Leistung nicht erbracht wurde. Im zweiten Schritt wird eine je nach Verkehrsvertrag festgelegte Vertragsstrafe erhoben.“ Parallel dazu müsse das Unternehmen die Stornokosten für die nicht genutzten Trassen und Stationshalte tragen.
Auch für Verletzungen der vertraglich festgelegten Fahrzeugstandards (beispielsweise Barrierefreiheit) werden Vertragsstrafen verhängt. Die Minderungen und Vertragsstrafen würden nicht speziell geltend gemacht, sondern routinemäßig im Rahmen der Jahresschlussrechnungen mit dem ZÖPNV Süd „von den zu zahlenden Zuschüssen in Abzug gebracht“. Um welche Summen es sich dabei handelt, wurde in der Antwort zur Kleinen Anfrage nicht aufgelistet.
Info
Anlässlich des Fußballspiels 1. FC Kaiserslautern – Karlsruher SC am 07. Dezember 2024, werden durch den Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd wieder zusätzliche Züge sowie eine Erhöhung der Platzkapazitäten finanziert. So wird am Samstag die Zugverbindung ab Kusel um 9.20 Uhr (RB 12863) bis Kaiserslautern Hauptbahnhof verlängert. Dieser Zug fährt mit allen Zwischenhalten bis Landstuhl und dann ohne Zwischenhalt nach Kaiserslautern (Ankunft 10.33 Uhr). In Richtung Kusel gibt es einen Zusatzzug für die Rückfahrt um 16.40 Uhr.
Für die Verbindungen aus Lauterecken sind zusätzliche Kapazitäten bei den regulär verkehrenden Zügen vorgesehen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass diese Züge, sowie am Freitag, aufgrund der akuten Personalknappheit sowohl bei DB Regio als auch DB InfraGo, kurzfristig ausfallen, teilt der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd mit.