Kreis Kusel Ziehen, Drücken, Liegenlassen

Die Griffe für die Stangen muss jeder Spieler selbst mitbringen: Ilinda Nagel (links) und Daniela Gerhardt vom TTC Limbach gegen
Die Griffe für die Stangen muss jeder Spieler selbst mitbringen: Ilinda Nagel (links) und Daniela Gerhardt vom TTC Limbach gegen Adrian und Erik (mit Mütze) Burstein aus Frankenthal.

«OTTWEILER.» Rund 200 Spieler gaben sich am Wochenende ein Stelldichein bei den neunten deutsch-französischen Tischfußballtagen in der Mehrzweckhalle in Ottweiler-Steinbach. Zu Gast waren Spieler der Weltelite, aber auch anderer Klassen. Sie maßen sich im Doppel und Einzel.

Die Beine kleben am gelben Ball. Sie zittern leicht. Die Spannung steigt. Wann schießt der Spieler – und vor allem wohin? Der ganze Kerl beugt sich nach vorn, die Beine fliegen nach hinten, ziehen nach vorn durch und schmettern den Ball ins gegnerische Tor. Verteidiger und Tormann haben keine Chance. Es steht 4:3 für die Roten. Vier Tischfußballspieleraugen strahlen. Der Ball wird wieder in die Mitte gelegt. Weiter geht’s. Die Hände der vier Akteure halten die Griffe fest umschlungen. Die Gesichter sind auf das Geschehen gerichtet. Die meisten Figuren schwingen an ihren Stangen kräftig vor und zurück. Sie müssen angreifen, Tore erzielen oder verteidigen. Scharf schießt der gelbe Ball über die Platte und wird jäh gestoppt. Beim nächsten Mal saust er ins Ziel. 16 Tische haben die Mitglieder des saarländischen OTC Ottweiler in der Mehrzweckhalle aufgestellt. Es handelt sich mehrheitlich um französische Bonzini-Kickertische. An einem lehnt Daniela Gerhardt. Sie hat gerade eine Partie beendet. „Leider verloren“, meldet sie dem Leitungsteam. Richtig traurig ist sie darüber nicht. Schließlich haben sie und ihre Partnerin Ilinda Nagel noch weitere Chancen in dieser Vorrunde. Die Paarungen – am Samstag werden die Doppel-, am Sonntag die Einzelwettbewerbe ausgetragen – lost der Computer aus. Da spielen Jugendliche gegen Erwachsene, Männer gegen Frauen. Die jeweiligen Paare werden ausgerufen und einem Tisch zugewiesen. Zwischen den Matches ist Zeit, um etwas zu essen und zu trinken und zu plaudern. Daniela Gerhardt tritt für den TFC Limbach an. Sie spielt in der Kreisliga. Daneben gibt es hier noch die Bezirks- und die Landesliga. Mit mehr als 90 Mannschaften nehme das Saarland eine Spitzenposition ein, weiß Gerhardt. Sie selbst ist „seit 2008 oder 2009 Vereinsmitglied“. Wie kam sie zu dem Sport? „Ich habe in einer Kneipe gearbeitet, in der Tischfußball gespielt wurde. Da war ich zunächst das Maskottchen“, sagt sie lachend. Mit den Leuten kam sie „prima klar“. Und als der eine oder andere wegblieb, sprang sie ein. Das Spiel mit dem Ball und den elf Figuren ließ sie nicht mehr los. „Ich trainierte anfangs jeden Tag“, blickt sie zurück. „Mittlerweile seltener. Dafür habe ich einen Tisch zu Hause. Ich kann also immer üben.“ Schüsse und Pässe trainiert sie ebenso wie verschiedenen Griffe: Ziehen, Drücken, Liegenlassen. Die Griffe für die Stangen muss jeder Spieler selbst mitbringen. Gerhardt hat eine ganze Reihe dabei. Sie sind mit farbigen Bändern in unterschiedlicher Stärke umwickelt. Ihre Partnerin, die erst vor wenigen Monaten zum Tischfußball gekommen ist, hat nur wenige. „Das reicht für den Anfang“, meint Ilinda Nagel schmunzelnd. Bälle besitzt sie ebenfalls nicht. Auch diese kann ihre Vereinskollegin in großer Auswahl vorweisen. Die zwei Frauen werden ausgerufen. Ihre Gegner sind zwei Jungs, Adrian und Erik Burstein aus Frankenthal. Die Spieler schrauben die Griffe mit einem Inbus fest und nehmen ihre Positionen ein. Eine Münze entscheidet, wer beginnt. Stille. „Fertig“ markiert den Anstoß. Lange dauern die drei auszutragenden Partien nicht. Die Jungs sind einfach besser. Auch an den anderen Tischen wird eifrig gekickt. Geräusche erzeugen nur diejenigen, die gerade pausieren. Denn Anfeuerungen sind ebenso wenig erlaubt wie laute Absprachen mit dem Partner. Diese sind beim Time-out möglich, das jedes Paar zweimal einläuten darf. Am Ende darf das Abklatschen nicht fehlen. Der OTC Ottweiler trägt zum neunten Mal das deutsch-französische Weltranglisten-Tischfußballturnier aus, wie Josef Cornelius, der ehemalige Vorsitzende des saarländischen Tischfußballverbands und Mitglied des OTC, erklärt. Unter den rund 200 Spielern sind vornehmlich Deutsche, Franzosen und Luxemburger, aber auch andere. „Vertreten sind die Topspieler der Welt“, sagt Cornelius, selbst Nationalspieler in der Seniorenklasse. Ottweiler sei eine Tischfußball-Hochburg, betont er stolz. „Gern richten wir dieses Turnier aus – trotz des hohen Aufwands.“ Den Siegern winken Pokale und Preisgeld. Und am Ende blicken alle auf spannende Matches zurück, nehmen neue Kontakte und Erfahrungen mit.

x