Rammelsbach
Xaver Jung: Schon früh mit der Niederlage abgefunden
Entsprechend gelassen ging der CDU-Bewerber aus Rammelsbach den Wahlsonntag auch an, nachdem er am Tag zuvor nochmals in sechs Städten im Wahlkreis Wahlkampf betrieben hatte. Einen letzten Termin am Abend bei der Weilerbacher Kerwe schenkten er und seine Frau Elena sich, „weil es vorher schon ein guter Ausklang war und wir ein wenig müde waren.“
Den Sonntag hatte er gegen 8 Uhr für sich begonnen – und mit einem gemütlichen Familienfrühstück. Danach loggte er sich bei den sozialen Netzwerken ein, ließ mit einem Wortspiel all seine Kontakte wissen, dass er mit der Erststimme „ein Jung-Wähler“ sei. Und er teilte bei Kritikern nochmals aus. „Ob sie denn nichts Wichtigeres zu tun habe, als Laute zu nerven“ raunzte er eine Kommentatorin – mit hoher Wahrscheinlichkeit allerdings ein Fakeprofil – an, weil diese ihm und der CDU Versagen unter anderem beim Thema Klimaschutz, in der Flüchtlingskrise und bei Corona („viiiiel zu spät gehandelt“) vorwarf.
Wahlzettel richtig gefaltet
Gegen 11 Uhr ging er wählen. Sein Heimatort Rammelsbach blieb denn auch eine von nur zehn der 98 Ortsgemeinden in „seinem“ Landkreis Kusel, in denen er mehr Erststimmen erhielt als sein SPD-Mitbewerber Matthias Mieves. Beide schnitten in Pfeffelbach und Albessen sogar schlechter ab als AfD-Kandidat Marco Staudt.
Immerhin: Jung war am Nachmittag noch zu Scherzen aufgelegt: Er habe, anders als der von ihm ungeliebte Kanzlerkandidat Laschet, seinen Wahlzettel so gefaltet, dass niemand habe sehen können, wen er gewählt hat. Allerdings fällt hier auch das Raten nicht allzu schwer.
„Das war nicht aufzuholen“
Laschet, immer wieder Laschet. Jung lässt keinen Zweifel daran, dass ihm der bayerische CSU-Ministerpräsident Markus Söder um Vieles lieber gewesen wäre als Kanzlerkandidat der Union. „Aber ich habe mich nach außen hin in die Parteidisziplin gestellt.“ Doch dass es nichts werden würde mit dem Direktmandat, auch ohne den Dauersieger Gustav Herzog, sei ihm früh klar gewesen. „Ich hatte 2017 zwei Prozentpunkte Rückstand auf Herzog. Und nach dem letzten Trend für Rheinland-Pfalz hatte die SPD sieben Punkte mehr als damals und die CDU 13 Prozentpunkte weniger. Wie hätte ich diese 20 Prozentpunkte aufholen sollen?“
Sonntags in der Schule
Statt groß zu fiebern, ging der Musik- und Sozialkundelehrer am Kuseler Siebenpfeiffer-Gymnasium nach dem Essen lieber in die Schule, um sich für den Montags-Unterricht seiner 13ern im Sozialkunde-Grundkurs zu präparieren. „Die schreiben kommende Woche Klausur, da müssen sie gut vorbereitet sein.“ Thema: Energieprojekte in Europa. Dass er „in den Tagen zuvor wegen des Wahlkampfs nicht so viel Zeit für Unterrichtsvorbereitungen hatte“, räumt er ein. Also nutzt er knapp zwei Stunden am Wahltag, „an dem die Zeit bis zum Ergebnis sowieso kaum vorbeigeht“.
Den Abend verbrachte er mit privaten Freunden in einem Restaurant in Otterbach, wo er während des Essens die ersten Hochrechnungen verfolgte. Anschließend wechselte er ins Kaiserslauterer Rathaus. Zu diesem Zeitpunkt, gegen 20 Uhr, stand seine Niederlage schon fest. „Ich hatte gehofft, dort Matthias Mieves zu treffen, um ihm zu gratulieren. Aber er war leider nicht da. Dort war ohnehin nicht sehr viel los, da liefen nur die Ergebnisse zusammen.“ Er bat Mieves Parteikollegin Beate Kimmel, ihm die Glückwünsche zu überbringen.
Den Abschluss machten er und ein paar seiner Getreuen schließlich in Kusel. „Ein Absacker im Westernsaloon – das war alles“, sagte er nach dem für ihn gleichermaßen frustrierenden wie vorhersehbaren Wahltag: „Dieses Ergebnis war zu erwarten. Man musste nur die Beliebtheitskurve unseres Kandidaten speziell nach der Hochwasserkatastrophe anschauen; dann wusste man alles.“
Ab Montag ist Jung wieder nur Lehrer und kann seine Schüler in aller Ruhe auf Klausuren vorbereiten.