Kreis Kusel
Wohin mit meinem Geld: Tipps von Experten zum Weltspartag
„Frauen können nicht mit Geld umgehen“: Dieses Vorurteil ist immer noch weit verbreitet. Und auch wenn statistisch gesehen weniger Menschen weiblichen als männlichen Geschlechts ihr Geld investieren, müsse man diese Tatsache dennoch differenzierter betrachten. Das sagen Thomas Hintermeier, Vorsitzender der Kreissparkasse (KSK) Kusel, und Pressesprecher Bernd Karrenbauer. „Grundsätzlich muss man sagen, dass sich das Sparverhalten nicht unbedingt nur von Mann zu Frau unterscheidet, sondern ganz individuell in Angriff genommen werden sollte“, erklärt Hintermeier. So investierten die weiblichen Kunden der KSK Kusel ebenso in alle Sparformen wie die Männer. Nach wie vor stelle man aber fest, dass Frauen sicherheitsorientierter als Männer denken. Letztere legten ihr Geld risikofreudiger an, dagegen würden Frauen Aktien und Wertpapiere stärker meiden.
Dabei spiele die Lebenssituation von Frauen eine wichtige Rolle: Nach wie vor seien sie durch die sogenannte Gender-Pay-Gap – also die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen – benachteiligt. Schaut man sich den bereinigten Wert an, verdienen Frauen etwa sechs Prozent weniger als Männer. Auch die Erwerbsbiografie hat Auswirkungen auf die Vermögensbildung: Häufig steigen Frauen, nachdem sie ein Kind bekommen haben, zunächst wieder in Teilzeit in ihren Job ein.
Finanzielle Bildung kommt zu kurz
Eins ergibt das andere: Wo weniger Gehalt vorhanden ist, kann auch weniger zurückgelegt werden. Doch selbst wenn es nur ein paar Euro im Monat sind – jeder sollte sich um eine private Altersvorsorge kümmern, erklärt Hintermeier. „Fängt man in jungen Jahren beispielsweise damit an, 50 Euro zu investieren, hat man durch den Zinseszinseffekt gute Chancen auf hohe Renditen“, so der KSK-Vorsitzende. Es sei ferner wichtig, sich schon frühzeitig mit Finanzthemen zu beschäftigen und sich finanzielle Bildung anzueignen. Hintermeier und Karrenbauer sind sich einig, dass dieses Thema bereits zu Schulzeiten zu kurz kommt.
Beispielsweise mit dem „Planspiel Börse“ wird versucht, dem entgegenzuwirken. Schüler sollen in einem geschützten Raum den Umgang mit Aktien lernen. Oft ist es aber nicht allein die fehlende Finanzbildung, sondern das mangelnde Selbstvertrauen, dass Personen – insbesondere Frauen – von Investitionen in diesem Bereich abschreckt, wie eine Erhebung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim zeigt. Tatsächlich schätzen Frauen ihre finanzielle Bildung wesentlich schlechter ein, als sie letztendlich ist.
Nicht alle Eier in einen Korb legen
Was bedeutet das für die Zukunft? „Wir gehen davon aus, dass sich das Sparverhalten von Frauen und Männern angleichen wird“, prognostiziert Karrenbauer. Das begründet er unter anderem mit einem Wandel in der Familienplanung: Wo Frauen vor gut 50 Jahren mit Anfang 20 ihr erstes Kind bekommen haben, waren Erstgebärende 2024 in Deutschland knapp 30 Jahre alt. Frauen hätten also heutzutage länger Zeit, finanzielle Rücklagen bei vollem Gehalt zu erwirtschaften. Ohnehin sei das Rollenbild vom Mann als Finanzverwalter veraltet und nicht mehr aktuell. Tatsächlich ergänzten sich Frauen, die sicherheitsorientierter denken, und Männer, die risikofreudiger anlegen, im Sparverhalten entgegen den Erwartungen sehr gut.
Zugenommen hat allerdings auch die Angst vor der Altersarmut. Das Ziel vieler Sparer sei es, neben größeren Anschaffungen wie Haus oder Auto fürs Alter vorzusorgen. Wie gelingt es, sein Geld so anzulegen, dass man in der Rentenzeit unbeschwert leben kann? „Wichtig ist es, frühzeitig anzufangen, auch wenn manche Themen – wie Pflege im Alter – unbequem sind. Außerdem sollte man auf eine hohe Diversifikation achten. Das heißt, dass man nicht alle Eier in einen Korb legt. Dann muss man auch mal einen langen Atem haben und Schwankungen verkraften“, rät der Chef der Kuseler KSK. Um an junge Menschen zu appellieren, schon jetzt an ihre Altersvorsorge denken, nutze das Geldinstitut seine digitalen Angebote. So könne jeder bequem von zu Hause aus mit wenigen Schritten investieren.
Mischung aus traditionellen Anlagen und Aktienfonds
Doch ist es bei all den ETFs (Exchange Traded Fund, zu Deutsch: börsengehandelter Fonds) und Aktien noch sinnvoll, auf die klassischen Sparangebote zurückzugreifen? Das hänge von der Intention ab. „Egal ob jung oder alt und Mann oder Frau, es kommt auf das Sparziel an. Bei kurzfristigen Ansparungen oder Notfällen lohnt sich das klassische Sparbuch weiterhin“, sagt Hintermeier. „Es ist die Mischung aus traditionellen Anlagen und dem Investieren, die angestrebt werden sollte“, ergänzt Karrenbauer. Und Hintermeier gibt zu bedenken: „Wichtig ist, dass sich ausnahmslos jeder mit dem Thema auseinandersetzen sollte.“ Beratungsangebote bei der Bank oder auch das Hören von Wirtschaftspodcasts könnten ein erster wichtiger Schritt sein, die Initiative zu ergreifen.
Info
Die Kreissparkasse Kusel und die Volksbank Glan-Münchweiler bieten zum Weltspartag am Donnerstag, 30. Oktober, verschiedene Aktionen in ihren Geschäftsstellen an. In der Volksbankfiliale in Lauterecken können kleine Sparer am Kinderschalter den Einzahlungsvorgang kennenlernen – im Austausch erhalten sie ein kleines Präsent.