Kreis Kusel
Wochenendkolumne: Wieder Kanusportler auf dem Glan, kein Bauernmarkt am Glan
Lockerungen landesweit
Lockerungen scheinen ja das Gebot der Stunde zu sein. Und nicht alles muss man verstehen. Wirtschaftliche ebenso wie psychologische Argumente gilt es abzuwägen gegen das Risiko, den in den vergangenen Wochen hart erarbeiteten Status quo mit geringen Ansteckungsraten zu verspielen. Das ist schwierig, und in den meisten Fällen müssen da – selbst bei größter Expertise – Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.
Ganz klar: Wer kein Epidemiologe oder wenigstens Virologe ist, kann sich nur auf sein Bauchgefühl verlassen, wenn es darum geht, das Risiko und das mögliche Ausmaß einer weiteren Infektionswelle abzuschätzen. Und selbst die Fachleute sind sich uneinig. Da dürfte sich die Politik eigentlich nicht treiben lassen von den potenziellen Wählern, die – verständlicherweise – gefrustet sind von der Gesamtsituation. Genau danach aber sieht sie aus, die derzeitige Hau-Ruck-Rückkehr zur Ausgangssituation. Gehe zurück auf Los. Ziehe keine 4000 Euro ein, aber dafür eine Maske auf. Wird schon reichen.
Oder – um mal in die Welt der Verschwörungstheoretiker abzutauchen – ist das alles dem Profifußball geschuldet? Niemand hatte vor wenigen Wochen auch nur ansatzweise Verständnis dafür, dass ausgerechnet die Fußball-Bundesligen einen Sonderweg gehen wollen. Um sich TV-Gelder in dreistelliger Millionenhöhe einzuverleiben, soll fröhlich weitergekickt werden. Es hagelte Kritik von allen Seiten – und siehe da: Nur wenige Tage später machte die Politik (die sich als völlig machtlos gegenüber dem Profifußball herausgestellt hat) den Weg frei, damit allen wieder mehr erlaubt wird. Und schon ist das mit der Bundesliga gar nicht mehr so schlimm ...
Lockerungen auf dem Glan
Und wenn wir schon dabei sind, bergeweise die Restriktionen zurückzunehmen, dann wollen sie aber auch wirklich alle mitmachen. Auch die SGD Süd hat die Zeichen der Zeit erkannt und mal gleich das Kanuverbot auf dem Glan gelockert. Wobei: Zwischen Lauterecken und Meisenheim durfte ja nun fast drei Jahre lang keiner paddeln, da haben Totholz und morsche Bäume doch deutlich nachhaltigere Arbeit geleistet als das Virus. Bei dem hat’s nur wenige Wochen gedauert bis zu den ersten Lockerungen.
Allerdings dürfen nur ganz erfahrenen Sportler (und nur im Einerkajak) auf den Glan. Denn sie müssen die Gefahren einschätzen können. Außerdem ist es notwendig, dass sie sich vor Fahrtantritt bei der SGD registrieren und sich dort über die Gefahrensituation informieren.
Ein plötzliches und grundloses Umdenken bei der SGD liegt dieser neuen Entwicklung freilich nicht zugrunde. Schließlich hatte die Direktion jahrelang an ihrer Sichtweise festgehalten und sich erbitterte Auseinandersetzungen mit Kanuverleihern und anderen touristischen Betrieben geliefert. Nein, es blieb der Behörde schlichtweg nichts anderes mehr übrig, nachdem im Januar das Verwaltungsgericht Neustadt festgestellt hatte, dass Kanusportler, die sich der Gefahren bewusst sind und diese auch beurteilen können, vom Befahrungsverbot ausgenommen werden können.
Symbolkraft des Europäischer Bauernmarkts
Für die 29. Auflage des Europäischen Bauernmarkts kommen alle Lockerungen zu spät. Die muss aufs nächste Jahr warten. Die Entscheidung, das Großereignis mit rund 50.000 Besuchern an zwei Tagen abzusagen, ist alternativlos – da gibt’s wenig bis gar keinen Bewertungsspielraum.
Schade ist es aber dennoch – nicht nur, weil die Menschen in der Region auf eine tolle Veranstaltung verzichten müssen. Nicht nur, weil sich St. Julian auf seine erste Ausrichtung des Marktes gefreut hatte und so viele Bürger der Gemeinde sich bereits mit Herzblut bei den Vorbereitungen eingebracht hatten. Sondern auch deshalb, weil der Bauernmarkt mit den vielen europäischen Nachbarn in diesem Jahr eine besondere Symbolkraft hätte entfalten können. In einem Jahr, in dem derzeit in Bezug auf Europa einzig die Hoffnung bleibt, dass irgendwann, wenn die Krise überstanden ist und es keinen Grund mehr für Grenzkontrollen gibt, auch tatsächlich alles wieder so wird, wie es mal war.