Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Von schiefen Tannenbäumen und der Rückkehr des Lichts

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In seiner letzten Wochenendkolumne für dieses Jahr blickt RHEINPFALZ-Redakteur Philipp Jung auf die Besonderheit des 21. Dezember und natürlich auf das Weihnachtsfest.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, am Samstag ist der 21. Dezember. Wintersonnenwende. Der kürzeste Tag des Jahres. Kalendarischer Winteranfang. Gedenktag des Apostels Thomas, kurz: Thomastag. Die Sonne steht so flach über dem Horizont wie an keinem anderen Tag im Jahr. Sie geht spät auf und früh unter, jedoch ist es nicht der Tag mit dem frühesten Sonnenuntergang, der liegt tatsächlich schon hinter uns. Obwohl es am 21. Dezember ziemlich lange dunkel ist, ist dieser Tag ein Lichtblick. Und zwar für all jene, die sich nach Frühling und Sommer sehnen. Denn von nun an nehmen die Tage wieder zu. Über das Licht, das im Frühjahr zu uns zurückkehrt, hat meine Großmutter immer gesagt: „Ab dem 6. Januar wird jeder Tag einen Hahnenschrei länger.“ Ich habe mir immer gedacht: Diesem Hahn muss die Kehle wehtun – oder er hat einen langen Atem. Denn ich habe aufeinanderfolgende Tage miteinander verglichen und festgestellt, dass sich der Sonnenuntergang täglich ja doch merklich nach hinten verschiebt. Da reicht kein kurzes „Kikeriki“.

Aufbruchstimmung breitet sich aus

Der Verdacht liegt nahe, dass diese Weisheit einer Bauernregel entnommen ist. Der Stichtag für die Hahnenschrei-Regel liegt je nach Auffassung unterschiedlich: Auch vom 2. Februar, Mariä Lichtmess, oder dem Thomastag selbst ist da die Rede. In jedem Fall löst der 21. Dezember in vielen ein gutes Gefühl aus, weil er Aufbruchstimmung verheißt. Der Tag markiert einen Wendepunkt, das Licht kehrt zurück. Mit der Wintersonnenwende sind etliche Rituale und Bräuche verbunden. Sie leitet die Raunächte ein, die unter anderem bei einem „Mystischen Abend“ auf Burg Lichtenberg diese Woche Thema waren.

Und als kleinen Ausgleich zu dem fehlenden natürlichen Licht haben wir ja noch die vielen Weihnachtslichter, die ohne die Dunkelheit ihre Wirkung gar nicht richtig entfalten könnten: Lichterketten an Fenstern und Balkonen, leuchtende Engel und Rentiere auf Dächern und in Vorgärten, geschmückte Tannenbäume in den Wohnzimmern. Einige Häuser im Landkreis sind sehr aufwendig dekoriert, so zum Beispiel das Weihnachtshaus der Familie Illy in Kirrweiler, das wir zuletzt ausführlich vorgestellt haben. Auch in anderen Dörfern gibt es ähnlich prächtige Beleuchtungskunstwerke. Der meiste Lichterschmuck wurde schon vor Wochen angebracht – und es ist kaum zu glauben, dass wir jetzt schon wieder auf der Zielgeraden sind.

Flucht in schillernde Weihnachtswelten

Vor kurzem habe ich in dieser Kolumne noch beanstandet, dass manche viel zu früh mit dem weihnachtlichen Treiben beginnen, gar schon im September Weihnachtsfilme schauen. Nun, da das Fest unmittelbar bevorsteht, haben diese Filme Hochkonjunktur – berechtigterweise. Ihr Ende ist oftmals schrecklich vorhersehbar und ihre Welt viel zu perfekt, doch sie bieten eine Möglichkeit der Flucht in glänzende Welten voller Schnee, Lametta und Plätzchen. Den Alltagsstress auf den letzten Metern und das triste Grau vor unseren Fenstern sowie die Sorge, dass es wohl wieder mal keine weiße Weihnacht wird, stellen sie für eine Weile in den Hintergrund.

Wenn die Weihnachtsstimmung Sie noch nicht eingenommen hat, dann hoffe ich, dass es bald so weit ist und Sie in den kommenden Tagen all das, was an Weihnachten für Sie von Bedeutung ist, tun können: Sei es das gemeinschaftliche Schmücken des Tannenbaums, der Besuch der Verwandtschaft, die in einem anderen Teil des Landes wohnt, das Singen im Gottesdienst oder die Zubereitung der einen Plätzchensorte, die Tradition ist, aber dieses Jahr noch kein Backblech gesehen hat.

Bloß kein Streit um die „Chrischdbaamspitz“!

Für mich ist neben vielen anderen Programmpunkten einer unumgänglich: die Weihnachtsepisode der Familie Heinz Becker. Auch wenn ich sie auswendig mitsprechen kann, muss ich sie mir Jahr für Jahr am Heiligen Abend ansehen. Sie gehört einfach dazu und ringt mir auch nach Jahren, nein: Jahrzehnten, noch Lacher ab. Als ich am Mittwoch unseren Redaktionsbaum, der dank all Ihrer tollen Schmuckspenden und -leihgaben inzwischen reich behängt ist, jedoch etwas in Schieflage geraten war, wieder geraderückte, musste ich einmal mehr an die saarländische Fernsehfamilie denken. Ich atmete erleichtert auf, als mir das Zurechtrücken gelang. Heinz hat da Jahr für Jahr kein Glück.

Möge es Ihnen allen jedenfalls nicht so ergehen wie den Beckers, mögen Sie friedliche Tage ohne verbranntes Gebäck und ohne Zank um das Vorhandensein einer Christbaumspitze haben. Möge Weihnachten für Sie mehr sein als eine „reine Nervensache“. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein schönes Adventswochenende! Und natürlich ein frohes und besinnliches Fest!

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