Nebenbei bemerkt ...
Wochenendkolumne: Bahn-Strapazen und der nötige Humor
Liebe Leserinnen, liebe Leser, fahren Sie öfter mit der Bahn? Das Reisen auf der Schiene könnte so entspannend sein, allerdings ist es für viele Menschen bloß eins: ein ewiges Ärgernis. Verspätungen, Zugausfälle, plötzliche Gleisänderungen und Phantomzüge – also solche, die auf der Anzeigetafel genannt werden und kurz vor ihrem geplanten Erscheinen plötzlich von dort verschwinden – sind nur ein paar der Programmpunkte, die Bahnreisende regelmäßig auf die Palme bringen.
Das Schienennetz im Kreis Kusel ist vergleichsweise überschaubar, doch auch hier gibt es immer wieder große Probleme. Der Fall eines Rehweilerers, der im September von Paris mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fuhr und in der Westpfalz eine wilde Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr (SEV) erlebte, ist ein gutes Beispiel dafür. Der Mann war mit seiner Mutter unterwegs und brauchte nach eigenen Angaben von Kaiserslautern bis Rehweiler ungefähr genauso lange wie zuvor von der französischen Hauptstadt bis in die Barbarossastadt. Die Probleme begannen in Landstuhl: Von dort war der SEV eingerichtet. Der Bus kam zu spät, der Busfahrer verstand weder Deutsch noch Englisch und kannte überdies die Strecke nicht, so die Schilderungen der beiden Rehweilerer. All dies und eine abenteuerliche Fahrweise sowie die Tatsache, dass die beiden Reisenden ihren Anschluss in Glan-Münchweiler nicht mehr erreichten, frustrierten und verunsicherten den jungen Mann und seine Mutter.
Die Frage nach dem richtigen Ansprechpartner
Dass der Mann bei der Mobilitätsservice-Zentrale des Unternehmens, von der er sich nach 22 Uhr noch Hilfe für seinen Fall erhoffte, niemanden mehr erreichte, trug auch nicht zur Entspannung bei. Beim Googeln findet man mehrere Telefonnummern der Bahn und fragt sich tatsächlich, welche für solche Fälle nun die richtige ist. Die Pressestelle des Konzerns hat eine Frage der RHEINPFALZ hierzu unbeantwortet gelassen. Nun kann man mutmaßen, dass die Deutsche Bahn und ihre Subunternehmen keine Notwendigkeit sehen, ihre Kunden zu beruhigen, falls diese mit der Fahrweise ihrer Fahrer nicht zufrieden sind beziehungsweise nicht mit ihnen kommunizieren können. Wenn dem so ist, darf es zu Fällen wie dem geschilderten aber nicht kommen.
Der Mann aus Rehweiler fühlte sich insbesondere im Hinblick auf seine eingeschränkte Hör- und Sehfähigkeit etwas im Stich gelassen. Menschen mit Behinderungen sind in einer derartigen Situation nachvollziehbarerweise schneller verunsichert als andere. Und den Angaben des Reisenden zufolge ging es den übrigen Fahrgästen in dem SEV-Bus ganz ähnlich.
Die Bahn als Opfer der Satire
Im Gespräch erzählte mir der Rehweilerer übrigens auch noch, dass er grundsätzlich von Zügen fasziniert ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass er als regelmäßiger Zugreisender schon mehr als einmal chaotische Szenen erlebt hat. Die Strecke zwischen Landstuhl und Kusel steht in Sachen Verspätungen und Zugausfälle tatsächlich hoch im Kurs: Regelmäßig teilt die Bahn mit, dass Fahrgäste sich auf dieser Strecke auf genau das einstellen müssen.
Das Bahnchaos macht den Konzern freilich zu einem gefundenen Fressen für Spötter und Satiriker. So zum Beispiel kursiert bei Social Media die Empfehlung eines Perspektivwechsels: Man solle das Logo des Konzerns doch einfach mal auf den Kopf stellen, dann würde man den Kunden sehen. Aus der Frontansicht eines Zuges wird dann nämlich ein Bild, das an ein vor Entsetzen schreiendes Gesicht erinnert. Sogar mit Wärmflasche auf dem Kopf – wohl wegen der Schmerzen. Die Musikgruppe Wise Guys wiederum singt in ihrem Lied „Deutsche Bahn“ von Reisen „zu abgefahrenen Preisen auf abgefahrenen Gleisen“ und spricht damit vielen aus der Seele.
Der Kreis Kusel ist eine Auto-Region
Der Humor ist sicherlich das gesündeste Mittel im Umgang mit dem Chaos. Die Wut bleibt auch nicht aus, doch bei allem Ärger über die miserablen Umstände ist es in der Regel der falsche Weg, diesen direkt beim Personal im Zug abzuladen, denn dieses kann meist auch nichts für die kleinen, mittleren und großen Bahnkatastrophen.
Soll man es nun Glück nennen, dass für etliche Bewohner des Landkreises Kusel die Bahn wegen der fehlenden Infrastruktur ohnehin keine Option ist? Wohl nicht. Die Straßen bringen schließlich auch ihre Probleme und Ärgernisse mit sich. Egal mit welchem Verkehrsmittel Sie demnächst unterwegs sein werden: Ich wünsche Ihnen viel Glück und, sofern es nicht wie geplant laufen sollte, eine gute Portion Gelassenheit. Außerdem ein schönes Wochenende!