Oberes Glantal RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Brunnenpumpe in die Tiefe sinkt

Jan Neef (vorne) und Norbert Mohrbacher helfen dabei, die Pumpe hinabzulassen. Den Kran bedient Stefan Günther.
Jan Neef (vorne) und Norbert Mohrbacher helfen dabei, die Pumpe hinabzulassen. Den Kran bedient Stefan Günther.

Ein meterhoher Kran, ein tiefes Loch und mehrere Rohre: Am Dienstagvormittag wurde im Oberen Glantal eine Brunnenpumpe im Erdreich versenkt – ein kleines Spektakel.

Ein beeindruckendes Schauspiel, das allerdings abseits der Öffentlichkeit über die Bühne geht: An einem Dienstagvormittag im Juni wird im Wald in der Nähe von Schönenberg-Kübelberg eine Unterwasser-Brunnenpumpe in einem tiefen Loch versenkt. Ihr Bestimmungsort ist der sogenannte Brunnen fünf des Wasserzweckverbands Ohmbachtal (WZVO). Bereits vor 25 Jahren angelegt, erhält der Brunnen an diesem Vormittag sein Herzstück – und soll schon bald Wasser fördern, das nach seiner Aufbereitung im Wasserwerk letztlich aus unseren Wasserhähnen kommt. Das Ziel der Aktivierung des Brunnens: Der Nitratwert des Trinkwassers soll weiter gesenkt werden.

„Die Pumpe sieht lange kein Licht“

Für Titus Müller-Skrypski, den Werkleiter des Wasserzweckverbands, ist dieser Tag ein Feiertag. „Das war der 17. Juni ja ohnehin einmal“, sagt er in Anspielung auf den ehemaligen „Tag der deutschen Einheit“, der nunmehr am 3. Oktober begangen wird. Als er zusammen mit Verbandsvorsteher Christoph Lothschütz und der RHEINPFALZ den Brunnen erreicht, stehen bereits mehrere Männer bereit, die gleich zur Tat schreiten. Neben dem Brunnen türmt sich ein Kran auf.

„Ich will nicht übertreiben, aber ich traue der Pumpe zu, dass sie gut 100 Jahre da unten bleibt“, sagt Müller-Skrypski. „Die wird jedenfalls lange kein Licht mehr sehen.“ Als „unkaputtbar“ bezeichnet er sie. Grund dafür sei die hervorragende Technik – laut Müller-Skrypski arbeitet das Gerät mit 94,5 Prozent Wirkungsgrad. Zur Erklärung: Ein hoher Wirkungsgrad bedeutet, dass die Pumpe besonders energieeffizient arbeitet.

Wirkungsstätte in 36 Meter Tiefe

Die Pumpe hängt bereits am Kran. 380 Kilogramm bringt das gute Stück auf die Waage. Ganz unten befindet sich ihr Motor, darüber mehrere Flügelräder. Bis auf 36 Meter Tiefe soll sie hinabgelassen werden, der Brunnen selbst ist sogar 100 Meter tief. Das erste Rohrstück ist schon daran befestigt, elf weitere sollen folgen. Die werden Schritt für Schritt angebracht.

Das letzte Tageslicht: Hier hängt die Pumpe noch unter freiem Himmel am Kran.
Das letzte Tageslicht: Hier hängt die Pumpe noch unter freiem Himmel am Kran.

Stefan Günther steigt auf den Kran, ein lautes Brummen ertönt – das Spiel beginnt. Der Kran hebt die Pumpe über das Loch; Norbert Mohrbacher und Jan Neef helfen dabei, sie richtig zu positionieren. Die Pumpe sinkt langsam hinab. Neef gibt dem Kranführer schon bald ein Zeichen, dass er stoppen soll. Das Absenken kann nur schrittweise erfolgen, weil mithilfe von Kabelbindern immer wieder dünne, blaue Rohrstücke an dem großen Rohr befestigt werden, außerdem das Kabel, das zur Stromversorgung der Pumpe dient. Die blauen Rohrstücke bilden letztlich ein Ganzes: Das dünnere Parallelrohr wird Müller-Skrypski zufolge zur Wasserprobenentnahme gebraucht.

Nach drei Stunden ist’s geschafft

Als die Pumpe und das erste Rohrstück in der Dunkelheit verschwunden sind, wird der Komplex mit dem zweiten Rohrstück verschraubt. Zehn weitere fehlen noch. Jedes dieser Teile ist mit einer Absturzsicherung versehen, die immer entfernt werden muss, wenn alles fest ist, ehe das Konstrukt wieder ein Stückchen sinken kann. Nach knapp drei Stunden ist’s geschafft, alle Bauteile sind versenkt. Auch der Werkleiter höchstselbst hat mit angepackt.

Da geht’s runter: Der Brunnen ist 100 Meter tief.
Da geht’s runter: Der Brunnen ist 100 Meter tief.

„Die Pumpe hängt im Wasser drin – und ist trotzdem innen noch mal wassergekühlt“, erklärt Titus Müller-Skrypski weitere technische Eigenschaften. „Die fünf Flügelräder sind dafür da, den Höhenunterschied zu überwinden – ein Rad schafft 20 Meter.“ Was er als Elektroingenieur faszinierend findet: Die Wicklung des Motors sei so gut isoliert, dass die Pumpe tief im Wasser problemlos ihren Dienst verrichten könne. „Weil Strom und Wasser sich ja eigentlich nicht so gut vertragen ...“

Wann legt der fünfte Brunnen los?

Der Brunnen soll laut Christoph Lothschütz noch mit einem Zaun eingefriedet werden. „Außerdem werden noch ein paar Elektroarbeiten gemacht“, sagt Müller-Skrypski. „In etwa drei Wochen wird er dann seine Arbeit aufnehmen“, blickt er voraus.

Verbandsvorsteher Christoph Lothschütz (links) und Werkleiter Titus Müller-Skrypski helfen auch mit.
Verbandsvorsteher Christoph Lothschütz (links) und Werkleiter Titus Müller-Skrypski helfen auch mit.

Der Nitratwert beim Mischwasser aus den vier schon genutzten Brunnen liegt nach Angaben des Werkleiters im Mittel bei 35 Milligramm pro Liter. Durch die Unterstützung von Brunnen fünf und gezielte Mischung des Wassers könne sich der Wert auf 17 Milligramm absenken lassen. Die Qualität des Wassers verbessere sich also.

Insgesamt verfügt der WZVO sogar über sieben Brunnen. Zwei weitere befinden sich bei Elschbach (Bruchmühlbach-Miesau). Sie arbeiten dem dortigen Wasserwerk zu.

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