Kreis Kusel Wie eine Andacht auf Leinwand

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Die Haustür ist offen. Aus den Lautsprechern im Wohnzimmer dringt Musik von Haydn. Beim Atelierbesuch begrüßt Künstlerin Moira Brown die Gäste von der RHEINPFALZ mit deutlichen Arbeitsspuren an den Händen – ob vom Malen, der Gartenarbeit oder vom Renovieren: In dem alten Haus in Offenbach-Hundheim hat die 63-Jährige allerhand zu schaffen.

Brown ist glücklich. Denn ihr jüngstes Projekt ist just fertig geworden. Das „Zen Stundenbuch“ (Zen Book of Hours) ist eine limitierte Edition mit handgemalten Motiven aus dem Garten. Sieben Jahre habe sie für die Produktion dieser „modernen Andacht ohne menschliche Worte“ benötigt, die auf den mittelalterlichen europäischen Stundenbüchern basiert, berichtet Brown. Entstanden sind 365 botanische Gemälde im Format 20 mal 20 Zentimeter, Öl auf Leinwand. Für jeden Tag des Jahres eine meditative Abbildung in der Abfolge der Jahreszeiten. Meditation ist etwas, das Brown schon lange Jahre begleitet, ebenso wie das Gärtnern. „Ich habe gedacht, das dauert ein Jahr“, erzählt Brown, dass sie bereits 2011 mit dem Zen-Projekt angefangen hat. Damals lebte die aus den USA stammende Künstlerin noch in Schlangenbad. Die zarten Gemälde aus dem „Zen Stundenbuch“ zieren sehr dekorativ Wohnzimmer und Flur ihres Hauses, das sie mit zwei Katzen teilt. Brown organisiert derzeit eine Wanderausstellung durch kleinere Museen in Europa und den USA. „Die Installation wird wie ein Gang durch ein Labyrinth sein“, sagt sie. Über die Finanzierungsplattform Kickstarter kamen rund 9500 US-Dollar von 66 Unterstützern zusammen, um die Verwirklichung ihres Projektes zu ermöglichen. Das Stundenbuch soll demnächst in den Druck gehen. Ihr ganzes Leben habe sich durch das Kunstprojekt verändert, berichtet Moira Brown. Nach Hundheim kam sie vor dreieinhalb Jahren. Wie sie den Ort gefunden hat? „Ich habe in ganz Deutschland gesucht.“ In das ehemalige Bauernhaus von 1895 samt Streuobstwiesen und Garten habe sie sich vom ersten Tag an verliebt. Auch mag sie die Dorfbewohner. „Ich habe lange in New York gelebt“, erzählt Brown, „dort sind die Leute ziemlich aktiv“, fügt sie hinzu. „Hier sind sie aktiv und kreativ.“ Browns erster Besuch in Europa war 1993. Seither habe sie sich in Deutschland gleich gut gefühlt. „Ich liebe auch die USA, aber ich fühle mich hier Zuhause“, sagt sie. Ihre Studien umfassten Theater, Kräutermedizin, asiatische Kampfkunst, energetische Heilarbeit und chinesische Kalligrafie. Brown stellt seit 1976 in den USA und Europa aus. Zu ihren Arbeiten gehören viele Porträts und Akte. Sie zeichnete lange Jahre mit Kohlestift, was „den Einsatz des gesamten Körpers“ erforderte. Ihre Serie „Im Garten“ zeichnete sie mit den Fingern. Ein großes Ölgemälde „Atlantik mit sechs Risas“ ziert das Wohnzimmer. Es zeigt die Tochter ihrer Cousine, erzählt Brown. Das Mädchen ist gleich sechsmal auf dem Bild in verschiedenen Posen zu sehen – sechs verschiedene Geschichten... Auch auf dem Scheunenboden finden sich Bilder, etwa die „Verwilderte Venus“. Brown arbeitet daran, die ehemals landwirtschaftlichen Räume auszubauen, um später dort Kurse anzubieten. In ihrem Wohnzimmer fällt der Blick auf viele Bücher und zahlreiche Tiegel und Gläser mit Kräutern und Tinkturen aus dem eigenen Garten. In dem einladenden Hof gedeihen die Pflanzen – darunter sogar eine Artischocke – in zahlreichen Töpfen heran. Diese benötige sie für ihre energetische Heilarbeit, sagt Brown. Kunst und Heilarbeit, die beiden Berufe ergänzen sich für sie ideal. „Sie haben die gleiche Energie.“ Sie mache etwas Ähnliches wie Reiki, habe Klienten von weit her, auch aus den USA, wo sie sich zweimal im Jahr aufhält. Geboren wurde Brown in Waterbury (Connecticut), gelebt habe sie die gesamte US-Ostkünste entlang: Von Rhode Island in die Florida Keys bis in die Blue Ridge Mountains. „Das ist dort ein bisschen das Ende der Welt – wie hier“, sagt sie und lacht.

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