Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Gartenarbeit trotz Klimawandels gelingt

Jürgen und Markus von Blohn (v.l) von der Kuseler Gärtnerei Hanns präsentieren beliebte Pflanzen, die in Zeiten des Klimawandels
Jürgen und Markus von Blohn (v.l) von der Kuseler Gärtnerei Hanns präsentieren beliebte Pflanzen, die in Zeiten des Klimawandels auch mit Trockenheit und Hitze klar kommen.

Der Sommer 2023 war nach Angaben von Klimaforschern der weltweit heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Das haben auch Gartenbesitzer zu spüren bekommen. Viele Pflanzen machten schlapp. Zum Thema Gärtnern in Zeiten des Klimawandels hat Jürgen von Blohn von der Gärtnerei Hanns Tipps.

Gießen, gießen, gießen: So lautete die Devise in den trockenen Sommermonaten. Doch auch eine Dauerberegnung hat vielen Kulturpflanzen nicht mehr helfen können. Kartoffeln und Salat verkümmerten vielerorts, Hortensien ließen die Blätter hängen, Rhododendren – die kühles Klima bevorzugen – sind schon seit dem vergangenen Sommer angeschlagen. Und dieses Jahr ging manche Saat vor lauter Hitze erst gar nicht auf.

Da Klima-Experten davon ausgehen, dass der Trend anhalten wird, stellt sich die Frage, was wir in Zukunft pflanzen: Mango und Oliven statt Äpfeln und Erdbeeren? „Nein“, entgegnet Jürgen von Blohn. Der Inhaber der Gärtnerei Hanns in Kusel geht davon aus, dass auch weiterhin noch Äpfel und Zwetschgen, Salat und Beeren in unseren Breiten kultiviert werden können. Eine besondere Nachfrage nach speziell dem Klimawandel angepassten Pflanzen und Exoten registriert er kaum – weder in Kusel noch an den weiteren Standorten der Gärtnerei in Landstuhl, Idar-Oberstein und Mainz-Kastel. „Die Kunden kaufen vor allem, was gefällt“, ergänzt Sohn Markus.

Oliven und Feigen recht beliebt

Dabei ist sein Geschäft, das Jürgen von Blohn zusammen mit seinem Sohn Markus und Tochter Theresa führt, schon bestens mit mediterranen Pflanzen wie Palmen, Oliven und Bambus ausgestattet. Und gerade diese Gewächse verkaufe er seit einigen Jahren vermehrt, berichtet der Chef. Aber nicht etwa wegen des Klimawandels. „Die Leute wollen sich damit ein Stück Urlaub nach Hause holen“, vermutet er auch mit Blick auf die Corona-Zeit, wo Reisen kaum möglich waren. Auch Feigen seien recht beliebt. „Tatsächlich haben wir vor 20,30 Jahren keine Oliven und Feigen verkauft“, benennt er eine Veränderung.

Aber auch manche heimische Art kommt nach Auskunft des Gärtners mit dem Klimawandel gut zurecht. „Die Hundsrose oder die Rose allgemein verträgt Trockenheit“, erklärt er. Auch Rot- und Schwarzdorn oder Feldahorn seien unempfindlich. Zudem seien unterschiedliche Gräser ideal für trockene Bedingungen. Für Obstbäume gelte, sie gezielter zu pflanzen, damit sie genügend Wasser erhalten können. Ein weiterer Tipp: „Wenn der Garten üppig bepflanzt ist, brauchen die Pflanzen weniger Wasser.“ Ein gut beschatteter Boden halte die Feuchtigkeit eher, als unbepflanzte, kahle Flecken Erde.

Garten abends gezielt wässern

Gemüsesetzlinge würden weiterhin viel verkauft. Noch sei es möglich, Salat und Lauch in den Garten auszubringen, schildert der Gärtner. Einen verstärken Absatz von südländischem Gemüse wie Artischocken oder Auberginen bemerkt er allerdings nicht. „Gurken, Paprika, Tomaten sind weiterhin die gängigsten Gemüse.“ Eine Überdachung von Tomaten sei im übrigen bei den heißen Temperaturen nicht immer notwendig. Um Wasser zu sparen, sei es wichtig, den Garten gezielt zu bewässern – wobei von Blohn ein Verfechter des abendlichen Rundgangs ist. „Wer morgens gießt, müsste das im Sommer schon zwischen fünf und sechs Uhr erledigen.“

Häufig begegnen von Blohn auch Anfragen wegen Stein- und Schottergärten. „Davon raten wir ab.“ Denn auch Steingärten benötigten Pflege, und Schotterfelder veränderten sich nach kurzer Zeit häufig in unansehnliche Wüsten. Zudem sei es nicht empfehlenswert, Flächen zu versiegeln, betont von Blohn.

Südländer durch den Winter bringen

Zahlreiche Kunden sind nach Angaben des Inhabers bereits für Umweltfragen sensibilisiert. „Viele fragen extra nach insektenfreundlichen Pflanzen“, berichtet der 60-Jährige, der die Gärtnerei mit heute insgesamt 50 Mitarbeitern seit 1982 führt. So werde der Bienenbaum Tetradium mit den weißen Blüten gern von Insekten aufgesucht.

Aber wie bekommt man seine Südländer eigentlich durch den – doch noch kalten – Winter in unseren Breiten? Im Winter sei das Problem, dass die Pflanzen draußen vertrocknen, wenn sie kein Wasser aufnehmen können, erläutert von Blohn. Daher sei eine Drainage zur Bewässerung beim Einpflanzen sinnvoll. Auch eine zehn Zentimeter hohe Mulchschicht könne helfen. Weiterer Tipp: Die Pflanze mit hellem Vliesstoff einpacken. „Dadurch wird sie zwar nicht vor kalten Außentemperaturen geschützt“, erklärt der Gärtner. Der Effekt beruhe vielmehr auf der gewünschten Schattierung. Dadurch sei weniger Wasser notwendig. Kübelpflanzen wie Lorbeer, Citrus oder Olive wünschten sich eine nicht zu warme Überwinterung an einem möglichst hellen Platz. Aber: Bei Temperaturen von über zehn Grad könne es Probleme mit Schädlingen geben, sagt von Blohn.

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