Hohenöllen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Gemischte Chor in Hohenöllen den Mitgliederschwund bekämpft hat

Da fliegen auch mal die Notenblätter beim Gemischten Chor Hohenöllen. Vorne mittig Chorleiter Johannes Rutz.
Da fliegen auch mal die Notenblätter beim Gemischten Chor Hohenöllen. Vorne mittig Chorleiter Johannes Rutz.

In den vergangenen Jahren mussten viele Chöre im Landkreis Kusel ihre Aktivitäten einstellen – ein Schicksal, das auch den 1881 gegründeten Gesangverein Hohenöllen hätte ereilen können. Doch die Verantwortlichen hatten eine rettende Idee.

Vielen Vereinen fehlt der Nachwuchs. Vielen Vereine fehlt es an jenen, die Verantwortung übernehmen wollen und können. Letztlich bleibt vielen Vereinen nichts anderes übrig als die Auflösung. Die Corona-Pandemie hatte dem Vereinssterben einen weiteren Schub verliehen. Der Gesangverein Hohenöllen hat nochmal die Kurve bekommen.

„Schon vor Corona war es etwas mau, nach Corona war es richtig schwierig“, sagt Martin Gräßer, der gemeinsam mit Günter Müller die Doppelspitze des Gemischten Chores bildet. Zu den Proben seien vor der Pandemie nur noch etwa 15 Personen gekommen – viele seien alters- und krankheitsbedingt nicht mehr so aktiv gewesen. Ohne Nachwuchs wäre der Chor also bald nicht mehr singfähig gewesen.

Heute wieder 36 Aktive

Um die Negativspirale zu durchbrechen, gingen Vereinsmitglieder von Tür zu Tür, sprachen die Menschen direkt an. „Eingeworfene Zettel bringen nichts, nur die persönliche Ansprache“, ist Dieter Nelkner überzeugt. Zwei Tage lang seien drei bis vier Personen unterwegs gewesen, um in Hohenöllen und auf dem Sulzhof die Werbetrommel für den Verein zu rühren. Offenbar mit Erfolg: Viele, die damals das Schnuppersingen besucht haben, sind noch heute dabei. 36 Männer und Frauen – zwischen 22 und 83 Jahre alt –, viele Ehepaare, Sänger aus Hohenöllen, Cronenberg, Seelen und Oberweiler-Tiefenbach treffen sich regelmäßig.

Um den Sängern aus verschiedenen Generationen gerecht zu werden, werden traditionelle Heimatlieder, aber auch moderne Titel gesungen. Es gehe munter zu in der Neuen Schule, es würden Scherze gemacht, Neuigkeiten ausgetauscht, neue Einwohner ins Dorfleben integriert – zwei zugezogene Peruanerinnen seien beispielsweise Teil der Gruppe. Wichtige Säulen der Vereinsarbeit stellten Spaß und Geselligkeit dar, sind sich Gräßer und Nelkner einig. Die Proben würden jedoch mit Konzentration und Disziplin angegangen – wer im Anschluss noch Lust und Zeit hat, kann „im Stuhlkreis über Gott und die Welt erzählen“, schildert Müller. In diesen Runden würden auch kommende Projekte und Veranstaltungen geplant – wie zum Beispiel Grillfeste, das Adventssingen, die Kerwe-Beteiligung und die Veranstaltungen am Volkstrauertag in Hohenöllen und Cronenberg.

Der letzte aktive Verein im Ort

Neben der Werbeaktion hat der Chor – übrigens der letzte aktive Verein in der Gemeinde – die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Ein Weg, den mittlerweile viele Vereine gehen. Im Hohenöller Chor, der von ortsansässigen Unternehmen finanziell unterstützt wird, sind dies acht Personen. „Wir harmonieren gut, jeder bringt sich ein. Wichtige Entscheidungen werden mit allen Vereinsmitgliedern gemeinsam getroffen, ganz demokratisch entscheidet die Mehrheit“, sagt Müller. Die Verantwortlichen hätten zudem bewusst den Druck herausgenommen, um jene zu integrieren, die aufgrund von Schichtdienst oder anderen Verpflichtungen nicht jede Probe besuchen können – der Spaß soll im Fokus stehen, erklärt Vonhof.

Neue Wege zu gehen, sei dem Verein generell nicht fremd. Schon 2006 war die Anzahl der Mitglieder sehr gering, sodass der Chor für Frauen geöffnet wurde. Vorher hatte allerdings im Männerchor eine Frau das Sagen. Über Jahrzehnte gab Chorleiterin Ursula Maurer aus Hohenöllen den Takt an. 2022 wurde sie zur Ehren-Dirigentin ernannt, allerdings musste sie mit knapp 80 Jahren den Taktstab aus Altersgründen und krankheitsbedingt weitergeben. Ihr Nachfolger ist der aus Kaiserslautern stammende Johannes Rutz. Der neue Chorleiter ist zwar erst 26 Jahre alt, sei jedoch von der Gruppe sehr gut angenommen worden. Bei Rutz gelte auch kein „ich kann nicht singen“, berichtet Jacqueline Vonhof. „Er macht Stimmbildung und Atemübungen mit uns, und mancher war überrascht, wie lange er Töne halten kann“, schildert sie und lacht.

Info

Die Proben finden jeden Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr in der Neuen Schule, Vordergasse 7, statt. Ein unverbindlicher Besuch ist möglich. Weitere Infos per E-Mail an chorhonelle@gmx.de.

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