Kusel
Wie das Gesundheitsamt mit der Pandemie umgeht
„Dass eine Pandemie eines Tages kommen kann, war uns schon bewusst“, spricht die Ärztin, im zwölften Jahr beim Gesundheitsamt, für ihr 15-köpfiges Team, dem drei Mediziner angehören. Derzeit sind auch noch drei Scouts im Einsatz, die das Robert-Koch-Institut (RKI) für die Nachverfolgung vermittelt hat.
Auf die Hilfe der Bundeswehr-Soldaten und der Mitarbeiter von Landesbehörden greift das Gesundheitsamt derzeit nicht mehr zurück. Das liegt an den zuletzt deutlich gesunkenen Infektionszahlen. Das liegt aber auch daran, dass Neuinfizierte oft meist nicht viele Kontaktpersonen angeben können. „Die Menschen haben gelernt, mit der Pandemie zu leben und reduzieren nach wie vor ihre Kontakte“, hat Missal beobachtet.
Luca-App keine Hilfe
Lernen – ein wichtiges Stichwort. „Wir haben tagtäglich dazugelernt, über das Virus und wie wir damit umgehen“, sagt die Medizinerin. Vor allem in den ersten Monaten habe sie ihre Hauptaufgabe darin gesehen, sich über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu informieren und so zu übersetzen, dass sie alle Mitarbeiter auch verstehen. Dabei habe die Kommunikation mit dem RKI und den Landesbehörden viel besser funktioniert, wie oft dargestellt. Was laut Missal weniger gut klappe, seien dagegen die digitalen Werkzeuge zur Kontaktnachverfolgung: „Bei uns ist durch die Luca-App keine einzige Infektion aufgedeckt worden.“
Spezialisierung habe sich schnell als sinnvoll herausgestellt. So bildete Missal Teams, die ausschließlich in der Kontaktnachverfolgung oder in der Betreuung von Infizierten eingesetzt worden seien. Trotz der hohen Arbeitsbelastung – in den ersten Monaten mit Sieben-Tage-Wochen – seien Stimmung und Arbeitsmotivation gut. „Wir kommen alle gerne. Auch weil wir die neue Bedeutung und Wertschätzung unserer Arbeit spüren“, sagt die Chefin des Gesundheitsamtes. Natürlich gebe es aus der Emotion heraus auch mal unfreundliche Reaktionen, wenn jemand in Quarantäne müsse, aber regelmäßig würden auch Dankesschreiben eingehen. „Das freut uns dann auch sehr“, berichtet Missal.
An Urlaub war in der Abteilung im Vorjahr so gut wie nicht zu denken. In diesem Jahr ist Flexibilität angesagt. Sobald der Inzidenzwert fällt, bauen die Mitarbeiter Überstunden und Resttage ab.
Masketragen weiter wichtig
Eine deutliche Entspannung kann sich die Ärztin so schnell nicht vorstellen. Die Pandemie mit ihren Einschränkungen werde sicherlich bis ins nächste Jahr gehen. Bei einer aktuell vollständigen Impfquote von rund 59 Prozent gebe es im Kreis noch immer 26.000 Ungeimpfte. Sollten davon zehn Prozent schwer erkranken und davon wiederum 17 Prozent beatmet werden müssen, komme sie auf rund 450 Patienten – bei zwölf Intensivbetten im Kuseler Krankenhaus.
Impfen bleibe das beste Mittel, um die Inzidenzen zu senken, zumal ein Geimpfter davon ausgehen könne, bei einer Infektion einen deutlich leichteren Verlauf zu haben. Außerdem bleibe das Masketragen ganz wichtig, weil auch Geimpfte infektiös sein könnten.
Realität sei aber auch, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht impfen lasse. Eine Herdenimmunität erfordere eine Impfquote von 85 Prozent, was aus ihrer Sicht nur schwer zu schaffen sei. Da bringe auch Druck aus ihrer Sicht nicht viel. Diskussionen mit Impfgegnern und/oder Corona-Leugnern meidet Missal: „Das bringt nichts. Man kann versuchen, aufzuklären, aber wenn vor allem Emotionen dagegen stehen, dann ist auch vielleicht besser, es einfach so stehen zu lassen.“