Kreis Kusel Wetterkapriolen und Herzschlagfinale

LAUTERECKEN. In den Titelkampf um die Landesmeisterschaft der Zweispänner eingreifen konnten die Kutschfahrer von Veldenz Lauterecken am Wochenende auf heimischer Anlage nicht. Sie richteten „Am jungen Bauwald“ aber drei tolle Turniertage aus. Die Titel gingen an die für Kaiserslautern startenden Fred Weber (Pferde) und Jörg Schuch (Ponys).
Das war eine Meisterschaft mit Wetterkapriolen und Herzschlagfinale. Am Samstagmorgen fuhren die Gespanne bei Blitz und Donner ihre Dressurprüfungen auf dem 6000 Quadratmeter großen Sandplatz auf der Höhe über der Veldenzstadt Lauterecken. Die Helfer zogen Gräben, damit das Wasser der Gewittergüsse abfließen konnte, die Wiese zum Aufwärmen von Pferden und Kutschenbesatzungen musste zeitweilig gesperrt werden. Am Sonntagmorgen kamen die Pferde trotz der Streckenführung durch viel schattigen Wald auf der Geländestrecke teilweise schon bis zum Schäumen ins Schwitzen. Die Ehrung der Meister schließlich fand nach einem spannenden Schlussteil bei hochsommerlichen Temperaturen in hellstem Sonnenschein statt. Die Ehrenrunde der Meister drehten dabei die üblichen Verdächtigen: Bei den Pferdegespannen hatten es Marc Carduck und Fred Weber, die Dauersieger der Titelkämpfe der vergangenen Jahre, auch 2015 spannend gemacht. Nach den Teildisziplinen Dressur-, Gelände- und Hindernisfahren hatte in diesem Jahr wieder der in Hessen lebende, aber für Rheinland-Pfalz startende Weber knapp die Nase vorn – am Ende trennte die Vereinskollegen vom FSV Kaiserslautern-Land weniger als ein Fehler beim Auftritt im Hindernisparcours, den die Kutschfahrer wegen der durch Pylonen markierten Streckenführung auf dem Reitplatz gern „Kegelfahren“ nennen. Die Ponyklasse entschied der Titelverteidiger Jörg Schuch (ebenfalls Kaiserslautern-Land) für sich. Schuch reichte ein zweiter Platz in der kombinierten Prüfung zum Titelgewinn – die junge Siegerin Scarlett Sophie Grünewald nämlich startet für Hessen. Die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg in der kombinierten Prüfung liegt oft bereits in der Dressur zum Auftakt. Richtig zur Sache geht es jedoch bei den Prüfungen des Abschlusstags, vor allem bei der Geländeprüfung: Diese besteht aus einer knapp viereinhalb Kilometer langen Aufwärmphase sowie einem schwierigen Hindernisteil und begeisterte am Sonntag in Lauterecken die Frühaufsteher unter den Fahrsportfreunden. Die Aufwärmstrecke ist für alle – Ponys wie Pferde, Einspänner wie Zweispänner, Teilnehmer in der Meisterschaftsklasse M wie in der Einsteigerklasse A – gleich lang, das geforderte Tempo jedoch variiert. Im zweiten Teil, der sogenannten Phase E, werden dann körperliche wie geistige Kondition und Wendigkeit von Mensch und Tier geprüft. Die besten Gespanne müssen auf diesem Teilstück knapp fünf Kilometer mit fünf verschlungenen, fest gebauten Hindernissen meistern. Auf der Strecke und am Ziel finden Verfassungs- und Ausrüstungskontrollen statt, außerdem gibt es nicht nur Strafpunkte für Kutschen, die die Richtzeit überschreiten, sondern auch für solche, die sie unterschreiten. „Wir wollen keine Rennen“, betonte Gerd Bastian, Kutschensachverständiger im Pferdesportverband Rheinland-Pfalz und einer von vier Turnierrichtern auf der Anlage „Am jungen Bauwald“. Die Veldenzer Fahrer konnten in diesem Jahr nicht in den Kampf um die Titel eingreifen: Pony-Hoffnung Heinrich Vollmer musste wegen Krankheit passen, und Heiko Assmann, amtierender Vize-Pfalzmeister und Dritter der Landesmeisterschaft der Pferdezweispänner im Vorjahr, war als Vereinsvorsitzender komplett in die Turnierleitung eingebunden. Grund zur Freude hatte der Hufschmied aus Reipoltskirchen aber dennoch: „Wir haben uns einen Namen gemacht“, kommentierte er das illustre und im Vergleich zu den Vorjahren erneut deutlich vergrößerte Feld der Teilnehmer, die auch aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg angereist waren und das Fahrerlager sowie das neue vereinseigene Stallzelt von Freitag an bis auf den letzten Meter gefüllt hatten. Die Anlage, die Organisation und die Verpflegung einschließlich Reiterfrühstück, Grill- und vegetarischem Angebot fanden durchweg Lob. Auch wenn die heimischen Titelaspiranten pausierten: Mit viel Applaus von Zweispänner-Urgesteinen wie dem 78-Jährigen Manfred Gehm aus Olsbrücken, der immer noch gern mit seinen Schimmeln ausfährt und seinem Lauterecker Stammverein nicht nur beim Turnier die Treue hält, fuhren die Veldenz-Kutschen zu schönen Teilerfolgen. Jürgen Schneider gewann das Hindernisfahren der Einspänner Klasse M, Miriam Assmann holte in der gleichen Klasse in der Dressur Rang fünf. In der Klasse A der Einspänner bewies Jan Schäfer, 2014 Teilnehmer der deutschen Jugendmeisterschaften, mit Platz fünf in der Dressur, Siegen im Gelände und im Hindernisfahren sowie Platz zwei in der Kombinationswertung, dass mit ihm auch bei den Erwachsenen in der Klasse M zu rechnen sein dürfte, sobald er seinen beruflich bedingten Trainingsrückstand aufholen kann. Hermann Hülsken komplettierte das gute Ergebnis für die Gastgeber mit dem Sieg in der kombinierten Wertung der Zweispänner Klasse A, der auf zwei zweiten Plätzen in der Dressur und dem Hindernisfahren und Rang vier im Gelände basierte. (kgi)