Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum: Ohne Hilfe vom Staat wird’s schwer

Das Blockkraftheizwerk des Westpfalz-Klinikums in Kusel produziert pro Jahr rund 1,8 Millionen Kilowattstunden Strom.
Das Blockkraftheizwerk des Westpfalz-Klinikums in Kusel produziert pro Jahr rund 1,8 Millionen Kilowattstunden Strom.

Steigende Preise bei Lebensmitteln, Verbrauchsmaterialien und Medikamenten, geradezu explodierende Heiz- und Stromkosten. Welche Möglichkeiten hat das Westpfalz-Klinikum? Müssen die Portionen kleiner, die Zimmer kälter und Diagnosegeräte abgeschaltet werden? Und wie müsste Hilfe aussehen?

Die Preise für Verbrauchsmaterialien und Medizinprodukte, Medikamente und Lebensmittel steigen. Lässt sich die Preissteigerung beziffern?
Aktuell geht das Klinikum von Preissteigerungen von rund 17 Prozent bei Lebensmitteln, von 20 Prozent bei Arzneimittel und rund 15 Prozent bei Medizinprodukten gegenüber dem Jahr 2021 aus.

In der Küche wurde ja schon vor den Preissteigerungen knapp kalkuliert, wie kann da noch gespart werden? Werden die Portionen kleiner?
Da gibt es wenig bis gar keine Möglichkeiten mehr. Dennoch werden die Portionen für die Patienten trotz der vorherrschenden Situation nicht kleiner.

Werden die Mitarbeiter angehalten, verstärkt auf den Verbrauch zu achten – etwa beim Büromaterial oder „Kleinigkeiten“ auf Station?
Das Westpfalz-Klinikum versuche schon immer, ressourcenschonend zu arbeiten, und das werden die Mitarbeitenden auch weiterhin tun. Um ein paar Beispiele für die schiere Menge zu nennen: Der Verbrauch lag im Durchschnitt der letzten Jahre bei rund zehn Millionen Blatt Kopierpapier im Jahr, 100.000 Rollen Toilettenpapier im Jahr und gut zwölf Millionen Einweghandschuhen.

Wie viel Strom verbraucht das Westpfalz-Klinikum jährlich? Und welche Kosten entstehen dadurch?
Der Stromverbrauch der Westpfalz-Klinikum GmbH lag 2021 an allen vier Standorten bei rund 16.000.000 Kilowattstunden. Das sind rund drei Millionen Euro, die jährlich für Strom zu Buche schlagen. Wie sich die aktuelle Situation auf die kommenden Geschäftsjahre finanziell auswirkt, sei zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Wie viel Energie verbraucht das Westpfalz-Klinikum jährlich zum Heizen? Und mit was wird geheizt?
Der Energieverbrauch (ohne Strom) lag 2021 standortübergreifend bei rund 33.000.000 Kilowattstunden. Es handelt sich hier um einen Energiemix aus Gas, Fernwärme und Dampf (Ferndampf) sowie Heizöl als Reserve. Die Energie wird als Prozessenergie (wie beispielsweise in Küche, Wäscherei und für die Aufbereitung für Medizinprodukte) und als Heizenergie verbraucht. Aktuell ist von einer Verdreifachung des Gaspreises die Rede. Das wirkt sich sicherlich auch auf Fernwärme und Ferndampf aus.

Wo gibt es in Sachen Energie- und Heizkosten für das Klinikum Einsparpotenzial?
Wirksame Maßnahmen, die kurz- und mittelfristig umzusetzen sind, wird es für die Bereiche geben, in denen sich Patienten und Besucher nicht dauerhaft aufhalten. Dazu gehören unter anderem Flure, Treppenräume und Technikzentralen. Außenbeleuchtungen für Fassaden und Gebäudeteile wurden bereits deaktiviert.

Müssen Patienten diesen Herbst und im Winter in kühleren Zimmern ausharren – wie die Beschäftigten im Rathaus?
Patienten werden nicht in kühleren Zimmern behandelt und versorgt. Der Gesetzgeber hat mit den neuen Energiesparverordnungen Kliniken und Altenheime grundsätzlich ausgenommen.

Wie sind die Temperaturen im Klinikum? Gibt’s für Krankenhäuser vorgegebene Werte?
Die Raumtemperaturen auf Stationen bewegen sich je nach Außentemperatur im Inneren in einem Temperaturband zwischen 22 und 26 Grad Celsius. Es gibt Bereiche, in denen höhere Raumtemperaturen zur Verfügung gestellt werden müssen, zum Beispiel in OP-Bereichen, auf Intensivstationen, in der Geriatrie und Neonatologie. In Büros und Fluren liegt die Temperatur im Mittel zwischen 20 und 22 Grad Celsius. Für Krankenhäuser gibt es durch Normen, Richtlinien und Empfehlungen einzuhaltende Raumtemperaturen. Diese sind allerdings stark nutzungsabhängig.

Werden Großgeräte abgeschaltet, um Strom zu sparen?
Medizinische Großgeräte (wie beispielsweise Kernspin- oder Computertomographen) werden nicht abgeschaltet. Das Westpfalz-Klinikum ist an 24 Stunden, 365 Tage im Jahr einsatzbereit.

Werden Operationsräume aus Energiespargründen nicht mehr genutzt?
Alle Operationsräume des Westpfalz-Klinikums stehen jederzeit zur Verfügung. Eine Abschaltung ist schon alleine aus hygienischen Gründen nicht möglich. Wenn ein Operationsraum nicht genutzt wird, schalten die technischen Anlagen auf den sogenannten Erhaltungsbetrieb, um Hygienevorgaben zu gewährleisten.

Was tut das Klinikum in Kusel, um Kosten zu sparen?
Der Standort Kusel ist bereits für seine Energieeffizienz ausgezeichnet worden. Mithilfe eines Energieberaters wurden Energiekosten verringert und der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert. Das Blockheizkraftwerk des Standorts produziert pro Jahr circa 1,8 Millionen Kilowattstunden Strom, die weitgehend selbst verbraucht werden.

Sind die stark steigenden Kosten noch mit eigenen Erlösen zu bezahlen?
Nein. Das derzeitige pauschale Vergütungssystem sieht keinen Mechanismus vor, der derartige Kostensprünge und Preissteigerungen abfedert. Kurzfristig könnte ein Inflationsausgleich die stark gestiegenen Ausgaben auffangen. Seitens der Bundespolitik wurde Anfang September ein Hilfspaket angekündigt. Etwas Verlässliches liegt den Kliniken derzeit allerdings noch nicht vor.

Welche Unterstützung ist nötig, damit das Westpfalz-Klinikum nicht in ein dickes Minus rutscht?
Nach zweieinhalb Jahren Corona-Krise gibt es noch lange keine Normalisierung des Geschäftsbetriebs. Fachkräftemangel und gestiegene Ausfallquoten, vor allem im Pflegedienst, und die damit einhergehenden Bettenschließungen und geringeren Patientenzahlen führen zu Erlösrückgängen bei steigenden Kosten. Aufgrund der Vergütung mittels Pauschalen ist es den Krankenhäusern nicht möglich, die Preise zu erhöhen. Eine Unterstützung von politischer Seite ist daher unabdingbar.

Was wünscht sich die Klinikumsgeschäftsführung von der Landesregierung?
Dass sich die Landesregierung beim Bund für die Kliniken stark macht, denn die Gesetzgebung bestimmt in der Gesundheitsversorgung maßgeblich der Bund. Das Land könnte den Kliniken aber auch beispielsweise ein Darlehen zur Verfügung stellen, um die Eigenanteilfinanzierung zu sichern oder generell die Liquiditätssituation zu verbessern. Fakt ist: Das Westpfalz-Klinikum – aber auch alle Kliniken in Deutschland – braucht kurzfristige staatliche Hilfen, die die Krankenhäuser finanziell entlasten.

Können Patienten oder Bürger etwas tun, um zu helfen?
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat – um auf die prekäre Situation der Kliniken aufmerksam zu machen – die Aktion „Alarmstufe ROT – Krankenhäuser in Gefahr“ ins Leben gerufen. Unter https://www.wkk.digital/Petition haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, diese Petition zu unterstützen.

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