Wochenend-Kolumne Wenn die Pressestelle eher zur Presse-Verhinderungs-Stelle wird

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Wenn wir Journalisten von Unternehmen und Behörden etwas wissen wollen, sind meist die Pressestellen gefragt. Das klappt oft wunderbar – doch manchmal ist es zum Verzweifeln.

Wenn wir Journalisten Fragen an Behörden, Institutionen oder Unternehmen haben, kommt in der Regel die Pressestelle ins Spiel – wenn nicht beispielsweise der Behördenleiter oder der Geschäftsführer selbst Auskunft gibt. In Kaiserslautern, meiner vorherigen Station als Redakteur, waren Kontakte zu Pressestellen an der Tagesordnung: Stadtverwaltung, Polizeipräsidium, Westpfalz-Klinikum, Universität und Hochschule oder Opel leisten sich ganze Abteilungen mit oft mehreren Mitarbeitern, die sich um Presseanliegen kümmern.

Im Landkreis Kusel gibt’s freilich deutlich weniger Pressesprecher, hier sind vor allem die Kreisverwaltung, das Klinikum, einige Behörden und das Polizeipräsidium Kaiserslautern gefragt – das Team dort ist auch für die Inspektionen im Kuseler Land zuständig. Gelegentlich stellen wir auch an Unternehmenssprecher aus der Region Anfragen. Das Miteinander läuft hier – zumindest aus unserer Sicht – bis auf ganz wenige Ausnahmen gut. Dort haben wir das aber schon angesprochen und werden in der nächsten Zeit weiter verstärkt das Gespräch suchen. Wird’s nicht besser, nennen wir das Kind aber künftig beim Namen!

Persönliches Gespräch ist die beste Variante

Wie läuft so eine Anfrage ab? In der Regel schreiben wir eine E-Mail an die Pressesprecher, in der wir Fragen zu Vorgängen oder Themen formulieren, die uns und unsere Leserinnen und Leser gerade beschäftigen. Ich für meinen Teil erwähne in diesen Anfragen immer, dass ich mich zur Beantwortung auch über ein Gespräch freue. Erfahrungsgemäß lässt sich im persönlichen Austausch am besten arbeiten – am liebsten vor Ort, am zweitliebsten am Telefon. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, kann ich direkt nachfragen. Wenn mein Gegenüber etwas erklären will, kann es das in der notwendigen Tiefe tun.

Immer wieder wird trotzdem schriftlich geantwortet. Im besten Fall genau auf die gestellten Fragen. Ganz genau. Das kann so okay sein – ergibt sich allerdings eine Nachfrage, ist etwas unklar oder eine Frage überhaupt nicht beantwortet, muss eine weitere E-Mail geschrieben werden. Bis die beantwortet ist, dauert es wieder. Das ist für beide Seiten schnell ein größerer Zeitaufwand als ein persönliches Gespräch ...

Beispiele für eher missglückte Pressearbeit

Nahezu ausschließlich per E-Mail läuft die Kommunikation mit den Pressestellen von großen Unternehmen, die leider immer mal wieder mit unbefriedigenden Antworten aufwarten. Oder sie gehen sogar überhaupt nicht auf die Fragen ein und schicken einen allgemeinen Pressetext. Das ist glücklicherweise nicht immer so, allerdings haben sich gerade in den vergangenen Wochen die Negativbeispiele gehäuft.

Die Deutsche Post. Zustellprobleme wurden uns gegenüber heruntergespielt und die Personalsituation im Zustellstützpunkt in Kusel beschönigt. Lieber wäre uns natürlich ein (er-)klärendes Gespräch mit dem Standortleiter vor Ort gewesen, der offen darstellt, wo es momentan hakt. Erst nach ausführlichen Schilderungen eines Postmitarbeiters und erneuter Nachfrage wurde eingeräumt, dass es personelle Engpässe und damit verbundene Zustellverspätungen gibt.

Die Deutsche Bahn. Nach dem schrecklichen Unfall am Bahnübergang im Industriegebiet von Kusel hatte die Bahn von uns eine Reihe von Fragen zur Situation an dem Bahnübergang bekommen. Die Pressestelle ist nur auf ganz wenige konkret eingegangen, stattdessen wurde uns ein vorbereitetes Pressestatement geschickt. Ein Lokführer, der sich bei uns gemeldet hatte und anonym Fragen beantwortete, hat mehr zum Verständnis der Situation an unbeschrankten Bahnübergängen beigetragen als die Pressestelle.

„Da weint der Redaktionsleiter aber“

Die BASF. In und bei Altenkirchen laufen aktuell Sanierungsarbeiten. Das Ludwigshafener Unternehmen muss dort stillgelegte Stollen sichern, damit es nicht zu sogenannten Tagesbrüchen kommt. Wir haben der Pressestelle eine Reihe von Fragen dazu geschickt – schließlich sind die Baumaßnahmen vor Ort für die Anwohner in der Feldstraße durchaus eine Belastung: Dreck, Lärm, erhöhtes Verkehrsaufkommen. Gern würden wir unsere Leserinnen und Leser umfassend informieren, was dort mit großem Aufwand gearbeitet wird. Allein: Unsere Anfrage wurde mit ein paar wenigen Sätzen „beantwortet“. Eine weitere Anfrage ist raus. Noch gibt es Hoffnung.

„Mimimi, da weint der Redaktionsleiter aber. Finde dich damit ab, dass Deine Redaktion über den Kreis hinaus keine Rolle spielt. Und selbst dort ...“ Mag sein, dass man mir das jetzt vorwirft. Mag sein, dass Kusel nicht der Nabel der Welt ist. Aber ich will mich nicht damit abfinden, dass unsere Leserinnen und Leser abgespeist und nicht richtig informiert werden. Aber ohne die Mitarbeit der Pressestellen geht das nicht. Die Redaktion jedenfalls steht für Gespräche immer zur Verfügung. Wie schon geschrieben: am liebsten vor Ort, am zweitliebsten am Telefon!

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