Kreis Kusel
Ärger mit der Briefzustellung: Postmitarbeiter klagen über hohe Arbeitsbelastung
Briefe, die erst nach mehreren Wochen zugestellt werden; Tageszeitungen, die gesammelt am Wochenende ankommen; schriftliche Terminankündigungen, die nach dem Termin im Briefkasten landen ... Die Liste der Beschwerden über die Postzustellung in den Sozialen Medien ist lang – betroffen sind offenbar vor allem Dörfer in den Postleitzahlbereichen 66887, 66885 und 66869. Die werden vom Zustellstützpunkt in Kusel aus betreut. Bereits Anfang Juni hatte die RHEINPFALZ über das Thema berichtet, damals vor allem in Hinblick auf die Zustellung der Briefwahlunterlagen für die Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan. Ein Pressesprecher der Post hatte in dem Artikel versichert, dass sich „etwaige Verzögerungen in der Zustellung zeitlich in engen Grenzen von maximal ein, zwei Tagen“ halten.
„Das stimmt nicht“, sagt ein Postmitarbeiter, der im Zustellstützpunkt Kusel arbeitet und sich sehr über die Aussagen des Unternehmenssprechers geärgert hat. „Wir rennen und machen, aber schaffen das Pensum einfach nicht“, kritisiert er. „Und dann müssen wir uns noch Beschimpfungen von Menschen anhören, die seit Tagen oder sogar Wochen auf ihre Post warten.“ Ein anderer Postmitarbeiter bestätigt, dass er manchmal die gesammelte Post einer Woche zustelle. Nicht selten passe der Stapel an gesammelten Briefen, Zeitschriften und Katalogen nicht in den Briefkasten, müsse gequetscht werden.
Seit Monaten gebe es zu wenig Personal
Die beiden Postmitarbeiter berichten, dass es in Kusel bereits seit Monaten zu wenig Personal gibt. Es seien lange Zeit nicht alle Verteilbezirke besetzt gewesen; von 15 Bezirken nämlich nur zehn. Zwangsläufig bleibe da Arbeit liegen, „selbst wenn wir uns noch so anstrengen“. Vor einigen Monaten habe die Post gleich mehrere Verträge von Kollegen nicht verlängert, und für die 15 Verteilbezirke, die oft mehrere Dörfer umfassen, seien nur noch 13 Stellen vorgesehen. Die zwei offenen Bezirke würden „flexibel gehandhabt“. Neben dem eigenen Bezirk noch einen weiteren zu übernehmen, das sei bei den täglich anfallenden Paket- und Briefmengen nicht zu schaffen.
Die Auslieferung von Paketen werde zwar priorisiert, sei aber – so sagen es die beiden Postmitarbeiter – aufgrund der Menge oft nicht in der Dienstzeit zu schaffen. Nachmittags würden die Pakete, die noch im Auto liegen, auf Rückstellung gebucht und in den kommenden Tagen erneut mitgenommen. Im Verteilzentrum in Kusel habe sich deshalb mittlerweile ein ganzer Berg an Paketen angesammelt.
Zusteller aus anderen Regionen und Neueinstellungen
Mit den Vorwürfen konfrontiert, räumt ein Unternehmenssprecher von DHL ein: „Unser Zustellstützpunkt Kusel hat zurzeit einen deutlich erhöhten Krankenstand zu verzeichnen. Dies hat dazu geführt, dass es in der Tat zu Übertragungen und Zustellabbrüchen kam.“ Jedoch sei das Prinzip, Sendungsmengen aus Abbrüchen am Folgetag prioritär zuzustellen, im Wesentlichen eingehalten worden. Aber ja, es sei „doch mitunter auch zu Folgeabbrüchen und Rückständen in der Zustellung“ gekommen.
Um die pünktliche und regelmäßige Zustellung wieder zu gewährleisten, würden mittlerweile auch ortsfremde Zustellkräfte aus anderen Regionen eingesetzt, „die sich erst eingewöhnen müssen“. Der Sprecher betont: „Zusätzlich stellen wir Personal ein, um die Ausfälle auszugleichen und dauerhaft die gewohnt gute Qualität anbieten zu können.“ Mittlerweile würden beide Maßnahmen greifen, und die Rückstände seien größtenteils aufgearbeitet. „Wir gehen davon aus, dass wir trotz der derzeit hohen Temperaturen nun wieder einen stabilen Betrieb gewährleisten können“, heißt es aus der Pressestelle der DHL Group in Frankfurt.
