Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtslieder mal anders – Pe Werner in Kusel mit ihrem Programm „Ne Prise Zimt“

Pe Werner, eine kritische Zeitgenossin mit musikalischem Gespür und einem versierten Pianisten Peter Grabinger an ihrer Seite.
Pe Werner, eine kritische Zeitgenossin mit musikalischem Gespür und einem versierten Pianisten Peter Grabinger an ihrer Seite. Foto: sayer

Wenn der Winter vor der Tür steht, streut Pe Werner „Ne Prise Zimt“ über ihr hörenswertes Konzertprogramm. Begleitet von Peter Grabinger am Flügel, schlenderte sie zusammen mit mehr als 200 Besuchern am Donnerstagabend in der Fritz-Wunderlich-Halle durch ein Winterwunderland aus Pop, Jazz und Chanson.

„Hast du die Schuh, draußen stehn/Sind sie geputzt und gut zu sehn/Weil er überpünktlich ist/Und außerdem Schuhfetischist.“

Zwischen den Zeilen ihres „Nikolaus-Songs“ wünscht Pe Werner „einen wunderschönen guten Abend Kusel“, und während Peter Grabinger am Klavier unbeirrt weiter an seinem Klangteppich webt, stellt die Künstlerin ins Publikum blickend fest: „Sie sehen gut aus, ich möchte sagen, Sie sehen noch besser aus als beim letzten Mal.“ Übrigens: „Das letzte Mal“ war im Oktober des vergangenen Jahres, als sie in Kusel gastierte. Das Kompliment – und einzelne im Publikum fühlen sich bei einer solchen Begrüßung natürlich persönlich angesprochen – kann man nur zurückgeben. Auch Pe Werner sieht nach fast 30 Jahren Bühnenpräsenz nicht nur gut, sondern sehr gut aus. Nur, ob sie wirklich die eiskalte Schneekönigin des Abends ist, wie sie gleich zum Auftakt ihres Konzertes das Publikum wissen lässt, das darf bei ihrem Style eher bezweifelt werden: Mit roter Bluse, schwarzen kurzen Pants über dunklen Strumpfhosen und knallroten Pumps, ist zumindest äußerlich von einer Schneekönigin nichts zu sehen.

Lyrische Texte

Akzente setzt die Meisterin der Töne auch mit ihrer vollmundigen Sprache, ihren wunderschönen lyrischen Texten. Da scheint nicht die Sonne im frostigen November an einem „Sonntagnachmittag im Park“, sondern „Die Sonne hangelt sich durch nacktes Geäst“. Kurz darauf bittet Pe Werner „Lass es schnein, lass die Kirchturmspitzen weiße Riesen sein“, großartig. Ja, ihre Lieder sind kleine Alltagsgeschichten, handeln von Liebe und Enttäuschung. Von zärtlichen Wünschen, etwa dem „Segler aus Papier“, den sie sich gefaltet wünscht aus Zeitungspapierresten.

Aber auch nachdenkliche Sätze und zugleich eine kritische Analyse unseres heutigen Umgangs mit Weihnachten gibt und besingt die Wahl-Kölnerin. Dabei sitzt sie auf einem Barhocker neben Pianist Grabinger, geht mit geschlossenen Augen in sich, wird melancholisch: „Wie kommst du über den Winter?“, fragt sie die Menschen, die nur das Nötigste zum Leben aus dem Müllcontainer fischen und die Wollmütze vom Roten Kreuz bekommen. Das müssen die Zuhörer erst kurz sacken lassen, bevor sie zustimmend applaudieren.

Das Fest der Christenheit werde heute bestimmt durch Konsumterror, der gehe schon mit den ersten Schokokugeln Ende August los, und so stellt Pe Werner nüchtern fest: „Marzipan passt nicht zum September.“ Im Vorweihnachtskaufrausch beschreibt sie die Wirklichkeit von „geparkten Männern“ im Kaufhaus, bis hin zum Last-Minute-Geschenkkauf an Heiligabend. Alternativ stimmt Werner schließlich mit ihren Mitstreitern „Ein Hoch auf die Bahnhofsdrogerie“ an. Nebenbei: Zu den Mitstreitern gehört neben Peter Grabinger auch noch Tonmeister Pit Lenz, der sitzt allerdings meist am Mischpult und unterstützt mit seiner Bluesharp (Mundharmonika) das perfekt aufeinander abgestimmte Duo.

Gewissensfragen

Irgendwann dann die unausweichlich wiederkehrenden Gewissensfragen: Spenden oder Malediven? Völlern oder fasten? Wenn Ersteres, dann doch bitte ein Fressgelage mit Tofu-Gans. Das Fasten im Advent hat sich Pe Werner abgewöhnt, zählen doch für sie nur jene drei Säulen des Weihnachtsfestes: „Essen, essen, essen“. Und ganz sicher ist sie sich, dass „süße Pralinen nicht schmecken, als zu jeder Tageszeit“ (in Anlehnung an das Weihnachtslied „Süßer die Glocken...“). Und dann gibt es da noch ihr Hass-Lied „Last Christmas“ – aus der Schnulze zaubert sie eine Polka, einen Walzer mit Jodler, einen Rap, einen Reggae, sogar eine Metal-Variante gibt sie zum Besten.

Gegen Ende des Programms erklingt „Ne Prise Zimt“, ein romantischer, süffisanter und zugleich selbstironischer Weihnachtssong. Ein Liedtext, der der Namensgeber ihres Weihnachtsprogramms ist. Nach drei Zugaben verabschiedet sich das Trio, und Pe Werner verspricht wieder nach Kusel zu kommen. Wir nehmen sie beim Wort. Gerne.

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