Breitenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Was passiert mit dem Breitenbacher Wald?

In Breitenbach wird derzeit über eine mögliche Verpachtung des gemeindeeigenen Waldes diskutiert.
In Breitenbach wird derzeit über eine mögliche Verpachtung des gemeindeeigenen Waldes diskutiert.

Der Ortsgemeinderat hat eine erste Entscheidung zur zukünftigen Bewirtschaftung des Gemeindewaldes getroffen. Vorausgegangen waren kontroverse Diskussionen, ob man die Bewirtschaftung an ein privates Unternehmen vergeben sollte. Vor der Entscheidung musste die entsprechende Beschlussvorlage noch geändert werden.

Aufgrund der Pläne, den gemeindeeigenen Wald an eine private Firma zu verpachten, war die in der Eifel ansässige Firma Schmitz Waldwirtschaft erneut zu Gast in einer Sitzung des Ortsgemeinderates. Im Oktober 2019 informierte das Forstunternehmen erstmals in Breitenbach über die Arbeitsweise des Betriebes.

Nachdem Ortsbürgermeister Johannes Roth vor einigen Wochen den Gemeinderat und interessierte Bürger zu einer gemeinsamen Waldbegehung mit dem Förster der Firma Schmitz und dem Revierförster des Forstamtes eingeladen hatte, bei der sich die Fachleute zu bisherigen und geplanten Vorgehensweisen äußerten, sollten nun Nägel mit Köpfen gemacht werden. Der Rat sollte laut Beschlussvorlage dem Vertrag mit der Firma Schmitz zustimmen.

Udo Schmitz stellte in einer Präsentation sein Konzept und sein Angebot vor. Vorgelegt wurde allerdings nur ein Mustervertrag, der im Rat einige kritische Fragen hervorrief, auf die Schmitz dann einging. Einigen ging es zu schnell, man hätte gerne noch mal den Staatsforst eingeladen, um in Ruhe vergleichen zu können. Das Revierabgrenzungsverfahren berge auch immer ein Prozessrisiko. Nicht nur auf eine wirtschaftliche, auch auf eine ökologische Herangehensweise müsse geachtet werden.

Keinerlei Risiko

Nach Änderung der Beschlussvorlage stimmte der Rat mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung einer Verpachtung zu. Über genauere Vertragsdetails soll der Rat noch ausführlich beraten. Rund 8000 Euro Pacht bietet Schmitz für die Bereitstellung der Fläche. Für rund 1000 Euro jährlich lässt er seine Arbeit, wenn gewünscht, durch ein Monitoring eines Waldsachverständigen regelmäßig überprüfen. Etwaige Prozesse führe sein Unternehmen. Die Ortsgemeinde trüge keinerlei Risiko.

„Breitenbach hat viel Holz auf der Fläche“, so Schmitz. 215 Festmeter seien viel im Landesdurchschnitt. Laut dem Forstunternehmer wachsen in zehn Jahren 13500 Festmeter zu, davon sollen 9000 geerntet werden. Wie Schmitz sagte, wolle er die Ernte etwas mehr an den Zuwachs heranbringen, das sei auch aus biologischen Gründen besser. Die Fläche sei in der Vergangenheit zu wenig genutzt worden, dadurch seien Zuwachsverluste entstanden.

Der Wald sei durch seine Lage gut zu bewirtschaften. Die Erschließung sei gut und kein großer Kostenfaktor in den kommenden Jahren. Zudem ist die Zusammensetzung, mit zwei Dritteln Laub- und einem Drittel Nadelholz, laut Schmitz optimal. Gerade Eiche erziele gute Preise. Je dicker, desto wertvoller. Deshalb konzentriere man sich jetzt auf Brennholz und lasse die dicken Stämme so lange wie möglich stehen.

In den Reihen der Zuhörer kamen jedoch Bedenken auf, ob es gerade jetzt, in Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Umweltproblematik sinnvoll sei, mehr Geld mit dem Wald verdienen zu wollen. „Der Wald hat doch noch ganz andere Werte“, brachte es ein Bürger auf den Punkt.

Nachhaltige Waldwirtschaft

Laut der Internetseite von Schmitz ist das Unternehmen Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft und zertifiziert nach PEFC-Standard, der für eine nachhaltige Waldwirtschaft steht. Das heißt, dass eine Kosten-Nutzen-Optimierung immer unter nachhaltigen Gesichtspunkten durchgeführt wird.

Dazu sagte Bürgermeister Roth: „Die Firma Schmitz arbeitet sehr naturbezogen. Die Bewirtschaftung ist besser, als beim Forst und man verdient noch Geld dazu, weil er das Holz einfach gut vermarktet. “ Wie das alles aussehen soll, darüber muss der Rat noch im Einzelnen sprechen. Es muss ja auch noch ein Forsthaushalt erstellt werden“, teilte Roth weiter mit. Der Bürgermeister betonte, dass der bestehende Schutzwald Kalkofenwald und am Mühlberg auf jeden Fall erhalten bleibt und man auch prüfen wolle, ob es Sinn ergebe, ihn sogar noch auszubauen.

Roth bekräftigte außerdem, dass Gespräche mit mehreren Gemeinden in der Region geführt wurden, die auch an Schmitz verpachtet haben. Sie seien alle sehr zufrieden. In Krottelbach sei die Firma Schmitz ja auch und Breitenbach würde sich dann mit seinem zukünftigen eigenen Revier an das von Krottelbach anhängen. „Wir wollen nicht einfach nur mehr Holz einschlagen des Geldes wegen, sondern den Wald auch in einen besseren Zustand bringen und seine vielfältigen Werte für die Bürger erhalten“, so Roth.

Diese hingegen, so liest man auf sozialen Plattformen des Internets, wissen teils noch gar nichts von den Plänen und diskutieren heftig. Auch ein Ratsmitglied hatte in der Sitzung vorgeschlagen, die Bürger stärker einzubinden.

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