Kusel
Was im April im Kulturzentrum Kinett geboten wird
Los geht es am Samstag, 6. April, mit echtem Rock ’n’ Roll von Boppin’ B. Nach 38 Jahren und über 6000 gespielten Konzerten rockt die Rockabilly-Crew um Sänger Michi Bock (seit 2018 dabei) immer noch! 1985 zu einem Schulfest in Aschaffenburg gegründet, coverte sich die Band direkt durch die 1950er-Jahre und begann mit den ersten stilistisch passenden Eigenkompositionen. 2004 ging es sogar in die Top 100- Charts mit dem Sasha-Cover-Album „Bop Around The Pop“. Ganze fünf personelle Wechsel hat die Band seit ihrer Gründung überstanden.
Und doch drohte mit Beginn der Pandemie für Musiker ein erneutes Ausscheiden: Saxofonist Frank Seefeldt, seit 1988 bei Boppin’ B, wollte gehen. Doch man einigte sich: Die Band spielt und tourt mit wechselnden Saxern, Seefeldt musste die Band also nicht vollständig verlassen. Und so ist er neben all den anderen Saxofonisten auch auf dem aktuellen Album „Saxbomb“ zu hören, auf dem die Truppe ein Quasi-Best-of einspielte. Welcher Saxer beim Gig im Kinett die alten Songs neue durchpusten darf, erlebt man am besten live. Denn live ist nun mal live!
Könnte auch das Motto vom norwegischen Hedvig Mollestad Trio sein. Die Skandinavier machen Jazz für ,,Slayer“-T-Shirt-Träger! Bedeutet: Heavy Metal in Jazz gepackt. Was das gibt? Nennen wir es doch einfach Heavy-Jazz oder Jazz-Rock oder Jazz Sabbath! Alle drei Bezeichnungen würden passen und drücken die Faszination dieses spannenden Sound-Gemischs perfekt in Worten aus. Denn man hört hier in der Tat Black Sabbath und Jimi Hendrix mit John Coltrane und Louis Armstrong musikalisch Backgammon spielen, bis einer gewinnt und die Runde von vorne losgeht. Als die Gitarristin Hedvig Mollestad Thomassen die Band 2009 gründete, wusste sie noch nicht, dass sie mit diesem Sound einmal alle Kontinente der Erde bespielen würde - von schmutzigen kleinen Clubs bis hin zu großen Eröffnungskonzerten für Namen wie John McLaughlin oder auch große Metal- und Musikfestivals. Doch genau so kam es. Und nun bespielt sie mit ihrem virtuos-fiebrigen und zugleich nordisch unterkühlt lässigen Klang das Kuseler Kinett – am Mittwoch, 10. April. Und natürlich wieder mit ihren beiden Kollegen Ellen Brekken (Bass) und Ivar Loe Bjørnstad (Schlagzeug) im Live-Kader.
Am Dienstag, 16. April, wird es dann Zeit für ein bisschen modernen Indie-Rock. Und der kommt an diesem Abend aus Belgien. Fondry – das sind Gitarrist Diego Leyder (BRNS, Dièze, Namdose), Bassist Nicholas Yates (Thomas Champagne Trio, Samir Baris) und Drummer Romain Benard (Primevère, Paradoxant, Milk TV, Ropoporose). Und alle drei haben ein Ziel: lhre Musik an den Puls der Zeit zu legen. Und dabei improvisieren sie nach allen Regeln der Kunst. Von Noise über Experimental Rock und Post-Punk bis sogar ein bisschen Pop. Das sorgt für ein immer anderes Konzerterlebnis mit einem immer anderen Sound und Feeling. Also am besten selbst reinhören.
Und wenn es ums Feeling geht, dann sitzt die französisch-amerikanische Indie-Noise-Pop-Band namens Special Friend definitiv am richtigen Hebel. Denn ihr vielfältiger Sound passt im Prinzip zu jeder Situation und in jede Location. Gegründet 2018 von Erica Ashleson (Schlagzeug, Vocals) and Guillaume Siracusa (Gitarre, Vocals), nachdem sie beide selbst ein Konzert in Paris besucht haben, schreiben die beiden ihre ersten Songs in den ersten vier Monaten. 2019 dann die erste selbst betitelte EP, mit einem Sound im Stil von Yo La Tengo, Duster, und Electrelane. Das Album „Ennemi Commun“ (2021) motivierte dann zu ausgiebigen Tourneen und mit dem Nachfolger ,,Wait until the flames come rushing in“ (2023) haben sie ihren einzigartigen Stil perfektioniert: Moderner Indie-Pop mit Violinen und endlosen Harmonien. Was das an Emotionen auslöst, darf man am Freitag, 19. April, live im Kinett genießen. Und am besten gleich das Vorprogramm von KCIDY mitnehmen.
Kurz verschnaufen und dann am Dienstag, 23. April, auf das Art Punk-Trio Milk TV aus Brüssel freuen: Hier spielen Gitarre, Bass und Schlagzeug und erzeugen einen energetischen, vielfältigen und unkomplizierten Sound. Und geht es da textlich nur um Milch (Milk) und Fernsehen (TV)? Nee, nicht wirklich. Es geht um dies, jenes und anderes aber vor allem um ordentliche Mucke für die Tanzfläche. Die Brüssel-Barden servieren einem kaleidoskopischen Rock zwischen Post Punk, No Wave und kleinen Anflügen von Experimental Pop. Und in der Kombination klingt das Ganze prägnant, wild und exotisch. Wie exotisch? Ab etwa 20.30 Uhr dürfen es die Kinett-Besucher selbst erleben.
Und zum Grande Finale am Mittwoch, 29. April, gibt es belgische Musik – die Zweite! Diesmal von einem Duo mit dem kuriosen Namen Brik Tu-Tok. Was er bedeutet, ist nicht ganz klar. Aber erfunden wurde er von den Musikern Linde Carrijn und Maxim Storms. Was 2017 als Musik-Performance voller rhythmischer Dada-Gedichte begann, hat sich inzwischen zu einem verrückten, energiegeladenen DIY-Pop-Universum entwickelt, das man gesehen haben muss. Ihr Sound ist unnachahmlich energisch, poetisch, brutal und absolut süß-salzig. Man könnte es auch als bunten Avantgarde-Pop bezeichnen. Aber was ist heutzutage schon Avantgarde? Das darf das Kinett-Publikum gerne selbst entscheiden.