Cronenberg
Was die Lichterfahrt der Schlepperfreunde für Cronenberg bedeutet (mit Bildergalerie)
Wie vielerorts, so ist es am Samstag auch in Cronenberg neblig und trüb. Trotzdem sind viele Menschen auf den Straßen unterwegs. Dafür sorgen einmal mehr die Cronenberger Schlepperfreunde, die mit einem Dutzend Schleppern, geschmückt mit ungezählten bunten Lichtern und weiteren liebevollen Details, durch den Ort tuckern. „Wir waren mit die Ersten, die eine Lichterfahrt organisiert haben“, erinnert sich Hartmut Kunz nicht ohne Stolz. Als der Schützenverein im Corona-Jahr 2020 aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen keine Weihnachtsfeier ausrichten durfte, sollten vor allem die Kinder nicht gänzlich leer ausgehen – so entstand die Idee.
„Der Weihnachtsmann brachte Präsente an Häuser, in denen Kinder lebten“, blickt auch Thomas Danninger, ein weiteres Mitglied der Interessengemeinschaft (IG), auf die Anfänge zurück. Da es sich bei der IG nicht um einen Verein handelt, werde die Aktion ausschließlich durch Eigenmittel sowie Spenden finanziert. Der Initiative gehören nicht nur Bewohner aus Cronenberg, sondern auch aus der Umgebung an.
Aus zwei IGs wird eine Doppelgemeinschaft
Die IG Cronebäjer Kerb Wilde Horde ist schon vor der Pandemie gegründet worden – genauer gesagt 2017 aus einer Bierlaune heraus, um der Kerwe mehr Schwung zu verleihen. Die Schlepperfreunde kamen dann ein Jahr später. Es ist eine Art Doppelgemeinschaft entstanden, die Menschen zusammenbringen will. Obwohl die IG vergleichsweise jung ist, zählt sie bereits 70 Mitglieder – bei nicht einmal 150 Einwohnern eine beachtliche Anzahl. Es gebe regelmäßige Treffen, Ausfahrten sowie Freundschaften zu anderen Clubs. Von Aktionen wie der Lichterfahrt soll nach ihrem Wunsch die gesamte Dorfgemeinschaft profitieren.
So wie am Samstag: Massenhaft durchbrechen batteriebetriebene Lichterketten mit funkelnden Lichtern die neblige Tristesse. Dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt, muss nicht explizit ausgesprochen werden. Kleine wie große Traktoren sind blitzeblank geputzt, Lichter aufwendig an Felgen, Kotflügeln, Kabinen, Frontladern und anderem mehr befestigt; dazu gesellen sich Weihnachtsbäume sowie Weihnachts- und Schneemänner. Alle Teilnehmer haben sichtlich viel Mühe, Zeit und auch Geld investiert, um ihren fahrbaren Untersatz im besten Licht erstrahlen zu lassen.
Traktor zerlegt und wieder zusammengebaut
Wie viel Herzblut allein in den Fahrzeugen steckt, verdeutlicht Danninger: „Ich fahre einen MAN, Modell AS 440, Baujahr 1953. Das war ein Schrotthaufen, als ich ihn gekauft habe. Also habe ich bis auf die letzte Schraube alles zerlegt und neu aufgebaut. Das waren 17 Monate Arbeit.“ Ähnliche historische Modelle, aber auch moderne Traktoren faszinieren die Kiebitze quer durch die Generationen. Es wird fleißig gewunken, nach Abschluss der Fahrt wird gemeinsam am Start- und Endpunkt – dem Buswendeplatz unweit des XXL-Adventskalenders – bei Glühwein, Tomatensuppe und Würstchen gefeiert. Der Rückweg dauert einen Moment länger als geplant – ein Schlepper des rollenden Weihnachtskonvois geht kurzzeitig aus, wie Danninger im Anschluss berichtet. Das komme bei Ausfahrten mal vor, aber „Werkzeug und Know-how sind immer dabei“, sagt Danninger. Bislang sei noch jeder am Ziel angekommen.