Kusel
Warum Kusel bei der Impfquote derzeit so gut liegt
Seit einer Woche ist das Impfzentrum auf dem Kuseler Windhof offiziell in Betrieb. Täglich werden dort im Moment 80 Kreisbewohner geimpft, die vor allem wegen ihres Alters die höchste Priorität haben. Nur ganz selten nimmt einer der Impfwilligen seinen Termin nicht wahr – in der Regel weil er krank ist.
Dass am Dienstag, als vormittags Schneechaos herrschte, der eine oder andere nicht pünktlich erscheinen konnte – Schwamm drüber. „Wir haben dennoch keinen heimgeschickt. Wer zu uns gekommen ist, hat seine Impfung bekommen“, sagt Philipp Gruber. Er fungiert zusammen mit Miriam Sommer, Dezernentin bei der Kreisverwaltung, seit Anfang Dezember, seit das Impfzentrum geplant wurde, als Impfkoordinator.
Aus Duo wird Trio
Aus dem Duo ist nun ein Trio geworden. Zu den beiden Mitarbeitern der Kreisverwaltung gesellt sich Thomas Danneck. Der Ortsbürgermeister von Rammelsbach, der bereits bei der Standortwahl eine zentrale Rolle gespielt, ist Anfang der Woche „projektbezogen zum Beauftragten für das Landesimpfzentrum“ ernannt worden und damit sechs Jahre nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr ganz offiziell wieder auf seinem Windhof tätig.
„Es war von Anfang an klar, dass Philipp Gruber das nicht die ganze Zeit über in Vollzeit machen kann. Er hat ja auch in der Verwaltung seine Projekte, und dafür brauche ich ihn“, begründet Landrat Otto Rubly. Danneck sei die logische Wahl gewesen, weil er von Anfang an in die Planungen für das Impfzentrum eingebunden gewesen sei.
Fast täglich Kurierfahrten
Nun sprechen sich die drei jeweils ab, wer im Impfzentrum nach dem Rechten sieht, mit dem Land Absprachen trifft oder Kurierfahrten organisiert, um den Impfstoff nach Kusel zu holen. Zwei- bis dreimal pro Woche, „aber notfalls fahren wir auch jeden Tag“, sagt Gruber.
Denn so viele Kuseler wie möglich und das schnellstens zu impfen, ist oberste Devise. Und das klappt besser als in vielen anderen Kreisen. Bis Mittwochabend waren 1022 Kuseler geimpft; 502 mit dem mobilen Impfteams in Altenheimen, 520 über das Impfzentrum. Die Quote liegt damit, gerechnet auf die Einwohnerzahl von 71.000, bei 1,44 Prozent. In Rheinland-Pfalz lag die Quote zum selben Zeitpunkt bei 1,14 und bundesweit bei 0,91 Prozent, nennt Gruber im RHEINPFALZ-Gespräch die Zahlen. Nicht ohne Stolz.
Gut vorgesorgt mit Spritzen
Dass es in Kusel so flutscht, hat verschiedene Gründe. So werden beispielsweise, wenn in einem Altenheim nicht alle georderten Dosen gebraucht werden, diese zunächst vor Ort für Mitglieder der Impfteams genutzt. Bleiben ganze Ampullen übrig, finden samstags Sonderimpfaktionen im Impfzentrum statt. Dafür gibt es eine stets aktuelle Liste von Impfwilligen unter den Mitarbeitern der Rettungsdienste oder der mobilen Pflegedienste. Ebenfalls alle erste Priorität. Die werden zusammengetrommelt, um den Impfstoff zu nutzen.
Kommen während der Woche im Impfzentrum Menschen mit Termin dann doch nicht oder geht die Zahl der Impfungen je Ampulle nicht auf, werden notfalls am selben Tag noch Leute der ersten Priorität auf den Windhof gebeten. „Bis heute haben wir nicht eine einzige Impfdosis wegwerfen müssen“, sagt Gruber.
Hinzu kommt: Die Kuseler haben vorgesorgt. Während andere Impfzentren Probleme meldeten, an die erforderlichen Spritzen und Kanülen zu kommen, war das in Kusel nie ein Thema. Sie hatten sich ausreichend eingedeckt für den Start, haben aktuell dank einer ersten Lieferung des Landes und dank Spenden von Ärzten und Apothekern mehr als 3000 Spritzen vorrätig.
Früh die sechste Dosis
Und: Die Kuseler haben frühzeitig begonnen, die sechste Dosis zu ziehen, seit dies erlaubt ist. Zum Start war es nur statthaft, pro Ampulle fünf Spritzen aufzuziehen. Ein geschickter Apotheker aber holt mit den richtigen Nadeln sechs Dosen mit der erforderlichen Menge Impfstoff raus. „Das bekommen unsere Apotheker zu 90 Prozent hin“, sagt Gruber stolz. Ergebnis: Die Kuseler können mit dem ihnen zugeteilten Serum inzwischen fast 20 Prozent mehr impfen. Statt 935, wie mit bis dato fünf Impfungen pro Fläschchen gerechnet, bekamen sie die 1022 Impfungen aus ihren Ampullen.
Aber nicht nur deshalb fällt das Fazit nach einer Woche Impfzentrum bei Miriam Sommer überaus positiv aus: „Selbst als kritisch bekannte Menschen haben sich schon bei uns bedankt und gelobt, wie gut das hier läuft.“ Zudem, und das ist noch wichtiger, hat es laut Danneck in der ganzen Woche kein einziges Mal Probleme mit Nebenwirkungen oder gar allergischen Reaktionen gegeben.
Bundeswehr hilft doppelt
Damit es noch ein Stückchen besser läuft, hat das Impfzentrum inzwischen Verstärkung bekommen: Tabea Kaiser, Stabsärztin im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz, ist seit Dienstag nach Kusel abgeordnet. Die 27-Jährige, nahe Mönchengladbach geboren, Offizierin der Bundesmarine, hatte sich freiwillig gemeldet, als die Bereitschaft abgefragt wurde, wer in ein Impfzentrum gehen wolle. Nun wohnt sie für mindestens vier Wochen in Thallichtenberg – gerne auch länger – und unterstützt bei der ärztlichen Beratung der Impfwilligen. Dabei gebe es, sagt sie, noch nicht einmal sonderlich viele Fragen: „Das liegt vermutlich daran, dass alle freiwillig hierher kommen und sich vorher schon kundig gemacht haben.“
Und es soll noch mehr Unterstützung von der Bundeswehr in Kusel geben. Danneck hat seine Kontakte zu seinen früheren Artilleristen aktiviert, die nun in Idar-Oberstein stationiert sind. Die wollen Soldaten schicken, die beispielsweise die Kurierfahrten mit dem Impfstoff übernehmen und die auch ansonsten anpacken, wo Not am Mann ist. Damit Kusel weiterhin so gut dasteht.