Haus und Hof RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Familie Dockendorf im Sommer nicht in Urlaub fährt – mit Bildergalerie

Auf der Holzterrasse sitzen Klaus Dockendorf (hinten rechts) und seine Frau Edna besonders gerne. Sie nennen sie „Lebensqualität
Auf der Holzterrasse sitzen Klaus Dockendorf (hinten rechts) und seine Frau Edna besonders gerne. Sie nennen sie »Lebensqualität«.

Auf dem Anwesen von Klaus und Edna Dockendorf am Ortseingang von Matzenbach kann man wegen dessen schierer Größe leicht den Überblick verlieren. Hinter Dockendorfs Wohnhaus, direkt am Glanufer, hat das Ehepaar einen Wohlfühlort mit besonderem Namen errichtet. Eine Frucht ist auf ihrem Grundstück allgegenwärtig.

Das gleichmäßige Plätschern des Glans ist beruhigend. Es muss ein Reichtum sein, diese angenehme Geräuschkulisse direkt am eigenen Grundstück zu haben. „Ist es hier nicht wie im Paradies?“, stellt Klaus Dockendorf eine eher rhetorische Frage. An einem Mittwoch im Juli zeigt er der RHEINPFALZ einen besonderen Ort hinter seinem Wohnhaus. Dort stehen zwei Bänke und ein Tisch auf einer Holzterrasse, die direkt ans Glanufer gebaut wurde. Wenn man es wollte, könnte man ins Wasser springen. Doch als Sprungturm ist die Terrasse nicht gedacht. Vielmehr als Erholungsort. Sie wird von Kirschlorbeer und Efeu eingefasst und bietet eine schöne Aussicht – nicht nur auf den Glan, sondern auch auf die dahinterliegende Wiese.

Der Glan fließt direkt an Dockendorfs Grundstück entlang.
Der Glan fließt direkt an Dockendorfs Grundstück entlang.
Die ehemalige Mahlmühle: Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1835.
Die ehemalige Mahlmühle: Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1835.
Dieser Bär stammt von Klaus Dockendorfs Sohn Bastian, der als Steinmetz arbeitet.
Dieser Bär stammt von Klaus Dockendorfs Sohn Bastian, der als Steinmetz arbeitet.
Die ehemalige Ölmühle wurde einst gastronomisch genutzt.
Die ehemalige Ölmühle wurde einst gastronomisch genutzt.
Am Wohnhaus hängt ein hölzerne Veranda, die wie das Haus selbst über 100 Jahre alt ist.
Am Wohnhaus hängt ein hölzerne Veranda, die wie das Haus selbst über 100 Jahre alt ist.
Die Veranda beherbergt einen Tisch, an dem das Paar gerne frühstückt und die RHEINPFALZ liest.
Die Veranda beherbergt einen Tisch, an dem das Paar gerne frühstückt und die RHEINPFALZ liest.
In einem von viel Grün umstandenen Schuppen sind Hühnerstall und Abstellraum untergebracht.
In einem von viel Grün umstandenen Schuppen sind Hühnerstall und Abstellraum untergebracht.
Eine verwunschene Treppe führt vom Gemüsegarten zum Wohnhaus.
Eine verwunschene Treppe führt vom Gemüsegarten zum Wohnhaus.
Im Garten der Dockendorfs wachsen unter anderem Rote Bete, Karotten, Bohnen und Spinat.
Im Garten der Dockendorfs wachsen unter anderem Rote Bete, Karotten, Bohnen und Spinat.
Von der Veranda lassen sich Vögel und Rehe beobachten.
Von der Veranda lassen sich Vögel und Rehe beobachten.
Klaus und Edna Dockendorf füttern ihre vier Schafe regelmäßig mit trockenem Brot.
Klaus und Edna Dockendorf füttern ihre vier Schafe regelmäßig mit trockenem Brot.
Wohin das Auge blickt: Überall wachsen Brombeeren.
Wohin das Auge blickt: Überall wachsen Brombeeren.
Hinten rechts in der Ecke des Esszimmers steht ein Sekretär aus dem Jahr 1840.
Hinten rechts in der Ecke des Esszimmers steht ein Sekretär aus dem Jahr 1840.
Hier, in der in Rot gehaltenen Küche, zaubert das Ehepaar süße und herzhafte Speisen.
Hier, in der in Rot gehaltenen Küche, zaubert das Ehepaar süße und herzhafte Speisen.
Das Wohnzimmer ist klein, aber gemütlich.
Das Wohnzimmer ist klein, aber gemütlich.

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„Lebensqualität“ haben Dockendorfs diesen Ort getauft. Hintergrund dieses Namens ist ein Gespräch zwischen Dockendorfs Sohn Bastian und einem seiner Freunde, erklärt der Vater: „Der Kumpel ist einst in die Vorderpfalz, nach Böhl-Iggelheim, gezogen und wollte auch Bastian einen Umzug dorthin schmackhaft machen. Dort gebe es eine hohe Lebensqualität.“ Daraufhin habe der Sohn sinngemäß geantwortet: „Wenn ich hier unten am Glan sitze, dann habe ich Lebensqualität.“ So sei es auch sein Wille gewesen, sein Wohnhaus direkt ans Glanufer zu bauen, was nach anfänglichen Diskussionen auch so geschah. „Er hat nun aus so gut wie jedem Raum des Hauses Blick aufs Wasser“, sagt Klaus Dockendorf.

Ehemalige Mühlengebäude

Und der Sohn lebt nur ein paar Meter von seinen Eltern entfernt. Bastian Dockendorfs Wohnhaus ist das jüngste Gebäude auf einem großen Anwesen, auf dem sich ansonsten eher historische Exemplare finden: Dort stehen nämlich zwei ehemalige Mühlengebäude, eine Mahl- und eine Ölmühle, außerdem die Reste eines Sägewerks. „Sowohl die Mühle als auch der Ort Matzenbach wurden 1360 zum ersten Mal urkundlich erwähnt“, sagt Klaus Dockendorf. Der 67-Jährige arbeitet ein paar Stunden pro Tag in seinem Architekturbüro in Glan-Münchweiler. Die ursprüngliche Mahlmühle existiert heute nicht mehr. Das gelbgrüne Gebäude, das man nun am Straßenrand sieht, stammt aus dem Jahr 1835. Dockendorf vermietet darin mehrere Wohnungen. Die ehemalige Ölmühle gliedert sich direkt dahinter an, sie stammt aus dem Jahr 1698 und wird heute ebenfalls vermietet. Gastronomisch wurde sie auch bereits genutzt.

Klaus Dockendorf selbst lebt mit seiner Frau Edna etwas weiter links in einem Haus aus dem Jahr 1921. Es befindet sich unmittelbar neben dem ehemaligen Mehllager. An der Rückseite des Wohnhauses hängt eine hölzerne Veranda, die so alt ist wie das Haus selbst. Dort sitzt das Paar gerne beim Frühstück, um den Blick auf die Glanaue zu genießen oder um die RHEINPFALZ zu lesen. „Da oben ist eine Ringeltaube“, sagt der vom Sangerhof stammende Architekt und zeigt aus dem Verandafenster auf einen Baum am anderen Ufer. „Im Efeu an der Lebensqualität haben wir auch regelmäßig Meisen und Spatzen zu Gast.“

Gezwitscher und Gegacker

Die Wand unter den Fenstern ist farbenfroh gestaltet – mit Blumen und Schmetterlingen. „Daran haben unsere Enkelkinder fleißig mitgewirkt“, sagt Dockendorf. „Die beobachten von hier aus auch gerne mal die Vögel“, fügt er hinzu. Ein Fernglas sowie ein etwas in die Jahre gekommener Naturführer stehen dafür immer griffbereit.

In das Gezwitscher mischt sich öfter mal Gegacker. Das kommt freilich aus dem Hühnerstall, der in ein Häuschen integriert ist, in dem nicht nur Legehennen, sondern auch Masthähnchen untergebracht sind. Andere Teile des Gebäudes werden als Abstellraum genutzt. „Früher standen da auch mal Pferde drin – und im Winter halten wir dort die Schafe“, erklärt Klaus Dockendorf.

Das gefundene Schaf

Um die Schafe im Sommer zu besuchen, muss man eine kleine Treppe links des Wohnhauses hinuntergehen und den Gemüsegarten passieren. Dort wartet das mähende Quartett hinter zwei Bauzaunelementen, die verhindern, dass die Tiere in den Garten gelangen. Dahinter, in Richtung Rehweiler, erstreckt sich eine große Weide, auf der die Schafe Gras und Brennnesseln vertilgen können. Ansonsten werden sie regelmäßig mit trockenem Brot gefüttert. „Eines davon ist uns vergangenes Jahr zugelaufen, als wir in Berlin im Urlaub waren“, erzählt Dockendorf.

Das Paar verreist zwar gerne mal, aber nicht in den Sommermonaten. „Wir brauchen in dieser Zeit keinen Urlaub, wir haben hier unser Paradies; wir sind schließlich direkt an der Natur.“ Außerdem gibt es bei so viel Fläche rund ums Haus immer viel zu tun. Allein schon im Gemüsegarten. Dort wachsen unter anderem Karotten, Zwiebeln, Rote Bete, Spinat, Zucchini und verschiedene Bohnensorten. „Wir haben an einer Stelle mal Kohlrabi mitten ins Gras gepflanzt, um zu sehen, ob daraus etwas wird“, berichtet Klaus Dockendorf.

Beeren anstatt Schnecken

Aus irgendeinem Grund haben die beiden derzeit ein Problem nicht, das anderen Gartenbesitzern in diesem nassen Jahr großes Kopfzerbrechen bereitet: Schnecken. „Andere sammeln sie eimerweise ein, aber wir haben keine“, stellt der Matzenbacher erfreut fest. „Wir haben in anderen Jahren aber auch schon welche gehabt, ganz von ihnen verschont sind wir nicht“, ergänzt seine Frau.

Etwas anderes gibt es auf Dockendorfs Anwesen dafür in rauen Mengen: Wohin man blickt, wachsen Brombeeren. Am Glanufer, zwischen den Gebäuden, am Rande des Gartens. Manche hängen so weit oben, dass man sie gar nicht pflücken kann. „Die sind dann für die Tiere“, sagt Dockendorf. Er schätzt, dass auf seinem 3000 Quadratmeter großen Areal in diesem Jahr mehrere Hundert Kilogramm Brombeeren reif werden.

Die Wahl fällt auf etwas Herzhaftes

Beim Besuch der RHEINPFALZ gibt es allerdings keinen Brombeerkuchen, wie man nun vermuten könnte, sondern Nussecken – und vorher Spiegeleier, Brot, Käse und Wurst. „Mein Mann isst um die Mittagszeit lieber herzhaft“, sagt Edna Dockendorf schmunzelnd. Daher haben die beiden sich über das Angebot der RHEINPFALZ, einen Kuchen mitzubringen, zwar sehr gefreut, aber doch etwas Eigenes gezaubert. Das gemeinsame Mittagessen findet auf der Lebensqualität statt. „Hier sitzen wir sonst auch gerne zum Abendessen, hin und wieder auch mit Gästen“, sagt Klaus Dockendorf. Daher steht auch ein Buffettisch auf der Terrasse. Er verkürzt an geselligen Abenden die Wege. Eine natürliche Laube, also eine von Pflanzen überdachte Bank an der südwestlichen Seite des Hauses, ist ebenfalls ein wunderbarer Ort zum Entspannen.

Das Haus selbst hat einige Wunden davongetragen, die vom Bombenangriff auf den Matzenbacher Bahnhof im Jahr 1945 stammen. Sichtbar sind diese Spuren heute noch im Holzdielenboden. Die Splitter sind laut Dockendorf damals über 200 Meter weit geflogen. Blendet man diese Szenarien aus, ist es aber auch im Haus sehr gemütlich. Im Esszimmer steht ein Sekretär aus dem Jahr 1840, im Wohnzimmer ein Schaukelpferd aus dem Jahr 1957, das Klaus Dockendorf einst zu Weihnachten bekam. „Das ist jetzt schon zwei Generationen weiter“, sagt der 67-Jährige in Anspielung auf seine Enkelkinder. „Und ich hoffe, dass es noch mal weitergereicht wird.“

Info: Neue Serie „Haus und Hof“

In den kommenden Wochen wollen wir in unserer neuen Serie „Haus und Hof“ weitere Einblicke in die Lebenswelten unserer Leser geben. Ob umgebaute Scheune, neue Villa oder verträumter Garten: Was sind Ihre Lieblingsplätze in den eigenen vier Wänden und direkt drumherum? Der Deal ist: Sie, liebe Leserinnen und Leser, öffnen uns die Hof-, Haus- oder Gartentür, und wir bringen einen Kuchen zum Gespräch mit – selbstverständlich selbst gebacken. Lust bekommen? Melden Sie sich gern mit einer kurzen E-Mail (gern mit Fotos) bei uns: redkus@rheinpfalz.de

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