Schönenberg-Kübelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die neue Rettungswache immer noch nicht gebaut wird

Der Anbau, der aus der Zeit „gefallen“ ist.
Der Anbau, der aus der Zeit »gefallen« ist.

Der Neubau der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes in Schönenberg-Kübelberg kommt nicht voran. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt sind andere am Zug“, sagt Ortsbürgermeister Thomas Wolf. Gemeint ist das Innenministerium in Mainz. „Schnellstmöglich“ will auch der DRK-Rettungsdienst Westpfalz den Neubau anpacken.

Es eilt, denn ein Neubau kann Leben retten: Je zügiger der Rettungsdienst im Notfall ausrückt, desto schneller sei das Einsatzfahrzeug beim Patienten, sagt Axel Gilcher, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz mit Sitz in Kaiserslautern. „Wenn man bedenkt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Patienten mit Herzkreislaufstillstand mit jeder Minute bis zum Einsetzen geeigneter Wiederbelebungsmaßnahmen um circa zehn Prozent sinkt, dann ist es sehr sinnvoll, eine Rettungswache so zu bauen, dass die Besatzung schnell am Fahrzeug ist“, sagt Gilcher. Am Standort Schönenberg sei das aktuell nicht optimal geregelt.

Die DRK-Rettungswache hat seit 1975 Räume in einem Nebengebäude der Verbandsgemeindeverwaltung in Schönenberg angemietet. Die entsprechen allerdings nicht mehr modernen Standards. Bei einem Einsatz müssen die Mitarbeiter vom ersten Obergeschoss über eine Treppe in die Fahrzeughalle eilen. Das berge einerseits aufgrund des Zeitdrucks eine hohe Unfallgefahr und erschwere andererseits die Einhaltung der Ausrückezeiten, sagt Gilcher. Tagsüber gelte die Vorgabe, dass das Rettungsteam im Notfall innerhalb einer Minute ausgerückt sein muss, nachts seien es zwei Minuten. „Deshalb sollen Rettungswachen eigentlich ebenerdige Gebäude sein, in denen man vom Aufenthaltsbereich nicht zuerst über Treppen zum Fahrzeug rennen muss“, sagt Gilcher.

Schwierige Geschlechtertrennung

Aber nicht nur diesen Standard verfehlt die Rettungswache in Schönenberg. Auch andere Richtlinien sind wegen der beengten Verhältnisse am Standort in der Rathausstraße nur schwer einzuhalten. Im Gegensatz zu früher, als der Rettungsdienst eine Männerdomäne war, werden heute auch viele weibliche Rettungskräfte eingesetzt. „Das stellt uns hinsichtlich der Vorschriften bei der Geschlechtertrennung in Umkleide-, Ruhe- und Sanitärbereichen vor große Herausforderungen“, sagt Gilcher. Die Unterbringung in den Räumen der Rettungswache Schönenberg sei einfach nicht mehr zeitgemäß und müsse sich dringend verbessern, „das sind wir den Rettungsdienstmitarbeiterinnen und –mitarbeitern schuldig, die jeden Tag, egal ob an Wochentagen oder Wochenenden und Feiertagen, bei Tag und Nacht und bei jedem Wetter ausrücken, um Notfallpatienten bestmöglich zu versorgen.“

Aber auch die Attraktivität, neu in den Beruf einzusteigen, verbessere sich natürlich mit einer vernünftigen Arbeitsumgebung. „Und Nachwuchskräfte können wir dringend gebrauchen“, sagt Gilcher. Auf der Rettungswache in Schönenberg arbeiten elf hauptamtliche Mitarbeiter, hinzu kommen FSJ-ler (Freiwilliges Soziales Jahr) und Ehrenamtliche.

Das Problem ist: So eindringlich und leidenschaftlich wie heute hatte der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz schon vor vier Jahren für einen Neubau der Rettungswache in Schönenberg plädiert. Weil ein An- oder Neubau am jetzigen Standort im VG-Gebäude ausscheidet - die Verbandsgemeinde Oberes Glantal hat nach der Fusion selbst Platzbedarf angemeldet –, habe die Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg schon im Juni 2018 der DRK-Rettungswache ein nahegelegenes Grundstück für einen Neubau angeboten, sagt Ortsbürgermeister Wolf. Das DRK war zufrieden, „der Standort ist aus einsatztaktischer Sicht optimal“, sagt Gilcher.

Vorschriften sind nicht geregelt

Alles schien nach Plan zu laufen, Baubeginn sollte schon ein Jahr später sein. Doch passiert ist seitdem wenig. Erst habe man auf das neue rheinland-pfälzische Rettungsdienstgesetz warten müssen, das auch die Finanzierung von Rettungswachen-Neubauten regelt. Aktuell werde das Projekt ausgebremst, weil noch die entsprechende Verwaltungsvorschrift fehlt, sagen Wolf und Gilcher. „Bei welcher Behörde ist der Zuschussantrag zu stellen, welche Behörde ist für die Prüfung und Genehmigung zuständig?“, diese und andere Fragen befänden sich nach wie vor in der Klärung und sollen in besagter Verwaltungsvorschrift des Innenministeriums geregelt werden, erläutert Gilcher. „All diese Umstände führen leider zu dieser langen Verzögerung, was wir sehr bedauern“, sagt er.

Ortsbürgermeister Wolf jedenfalls hat die Warterei satt. „Wir gehen in die Offensive“, kündigt er an. Im Ortsgemeinderat Schönenberg-Kübelberg soll eine Resolution verabschiedet werden, in der das Innenministerium in Mainz aufgefordert wird, endlich die noch fehlende Verwaltungsvorschrift zu erlassen, um den Neubau der Rettungswache umsetzen zu können und so die rettungsdienstliche Versorgung der Region sicherzustellen. Dafür findet er offene Ohren beim DRK-Rettungsdienst. Gilcher hofft, dass die Resolution „Bewegung in die Sache bringen kann.“ Denn auch er und sein Team würden lieber heute als morgen mit dem Neubau beginnen. Sobald er einen Zuwendungsbescheid auf dem Tisch habe, könnten seine Architekten die schon vorliegende Entwurfsplanung weiterführen und einen Bauantrag einreichen. Welche Zeiträume dafür dann benötigt werden, könne er nicht genau sagen. „Aber wir werden alles daran setzen, dass es dann schnell geht“, sagt Gilcher.

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