Odenbach
Warum die ehemalige Synagoge in Odenbach zugleich Begegnungsstätte und Lernort ist
Erbaut wurde die wohl älteste Dorfsynagoge der Pfalz im Jahr 1752. Auf 1627 lässt sich der erste Nachweis jüdischen Lebens datieren. Dieses war einst lebendig und fester Bestandteil der Gemeinschaft, ehe der Nationalsozialismus das friedvolle Miteinander in Odenbach beendete. In der Reichspogromnacht 1938 wurde das Innere der Synagoge zerstört, die jüdische Gemeinde existierte nicht mehr – und doch blieb das Gebäude mitten im Ort bestehen.
Niemand ahnte, welcher Schatz trotz des schlechten Bauzustands in den Mauern schlummerte – bis Bernhard Kukatzki, heutiger Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, 1985 als Student die Synagoge untersuchte. Er entdeckte barocke, jüdische Malereien, die aufwendig restauriert wurden. 1986 wurde die Stätte unter Denkmalschutz gestellt.
Besuch in Israel als Initialzündung
Um diese Zeit besuchte Ursula Woehl aus Lohnweiler den Staat Israel. Der Aufenthalt habe sie geprägt, ihr das Judentum nähergebracht, erzählt sie. Zurück in Deutschland beschloss sie, sich in dieser Richtung zu engagieren – sobald sich ein passendes Projekt finde. „Kurz danach las ich von der Entdeckung der Synagoge in Odenbach“, sagt Woehl. Gesagt, getan: Sie besuchte zusammen mit ihrem Mann Rupertus Woehl nicht nur die angebotenen Vorbereitungsseminare zur Einführung in das Judentum, sondern auch die Synagoge. Am Ende stand die Gründung des Fördervereins – zunächst unter der Leitung von Hildegard Dittrich, die Eheleute Woehl waren Gründungsmitglieder.
„Mehr oder weniger reingerutscht, aber mit Herzblut dabei und tatkräftig von Rupert unterstützt“, übernahm Ursula Woehl 2007 das Amt der Vorsitzenden. Mit der gleichzeitig erfolgten konzeptionellen Neuausrichtung wurde das kunsthistorische Kleinod stärker zu einem Ort des Austauschs. Daneben gibt es Kooperationen – beispielsweise mit der Aktion „Tol(l)eranz – find ich gut“ –, um junge Menschen zu sensibilisieren, aufzuklären und „stark für die Demokratie“ zu machen, wie Ursula Woehl es ausdrückt. Durch vielfältige Aktionen möchte der Lernort Synagoge Toleranz als wichtige Lebensgrundlage vermitteln, gegen Antisemitismus sensibilisieren sowie zeigen, dass „es sich lohnt, für die Demokratie da zu sein und an ihr zu arbeiten“. Dieser Grundsatz sei „wichtiger denn je“, ist sich das Paar einig. Austritte aus dem Verein gebe es übrigens nicht. „Die konstant rund 70 Mitglieder sind aus Überzeugung dabei, sie hören und sehen ja auch die Nachrichten“, erklärt Rupertus Woehl nur wenige Tage nach dem Attentat auf das jüdische Lichterfest Chanukka am Bondi Beach in Sydney.
Veranstaltungen ohne fleißiges Helferteam nicht möglich
Längst hätten sich Aktivitäten des Vereins herumgesprochen, sodass Künstler mittlerweile selbst Anfragen für Veranstaltungen stellten. Doch ohne Helfer wäre eine Durchführung nicht möglich. „Wir haben ein aktives Kooperationsteam, dass Projekte plant und durchführt.“ Sieben Personen bildeten den harten Kern, doch die Arbeiten verteilten sich auf weitere Schultern. Beispielsweise packten auch Nachbarn mit an und pflegten den Platz um die Gedenkstele, die an die ermordeten Odenbacher Juden erinnert.
Auch für 2026 seien neben einem Großreinigungstag bereits mehrere Veranstaltungen geplant – darunter Klezmer-Konzerte, literarische Veranstaltungen und Workshops für Jugendliche mit religionspädagogischem Hintergrund. Die Synagoge ist Anlaufstelle bei geführten E-Bike-Touren, der Alte-Welt-Bus macht dort Halt, zudem gibt es kostenlose Besichtigungen. Die gefundene Geniza, alte jüdische Schriften sowie Gegenstände, die den Namen Gottes enthielten und daher nicht weggeworfen werden durften, werden wissenschaftlich untersucht; eine Broschüre dazu sei in Planung.
Besucher aus Fernost und Amerika
Bereits zu Besuch in der Synagoge waren Nachfahren Odenbacher Juden aus den USA, Argentinien, Fernost, der Schweiz und England. Sie hätten nach ihren Wurzeln geforscht, der Verein helfe dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten mit. Trotz des jahrelangen Engagements, „werden wir immer wieder überrascht – es gibt neue Erfahrungen, die erfüllen und zufrieden machen“. So freut sich das Ehepaar Woehl über Menschen, die nach Jahrzehnten im Ausland wieder beginnen, Deutsch zu sprechen.
Dabei verhehlen die beiden nicht, dass das historische Gebäude auch beträchtliche Herausforderungen mit sich bringt. Während Rupertus Woehl den Blick gerne optimistisch nach vorne richtet, verrät seine Frau, welcher Aufwand teils täglich nötig war, um das Gebäude über Winter vor Schäden durch weitere Rohrbrüche zu bewahren. Dank großer Spendenbereitschaft sei die Heizung zwischenzeitlich wieder in Stand gesetzt worden – das tägliche Pendeln von ihrem Wohnort Lohnweiler nach Odenbach sei somit nicht mehr nötig. Dennoch sind die Woehls natürlich regelmäßig in der Synagoge anzutreffen.