Schönenberg-Kübelberg
Warum die Ampel am Gasthaus Schleppi zum Zankapfel wurde
Es war im Februar 2021, als der in Gries wohnende Axel Weber mit seiner Enkelin die B423 (Saarbrücker Straße) in Höhe des Gasthauses Schleppi an der dortigen Ampel überqueren wollte. Ein Autofahrer sah die Fußgänger zu spät, Weber konnte seine Enkeltochter gerade noch in Sicherheit bringen. Eine Anzeige gegen den Autofahrer nahm Weber später wieder zurück. Weil er dem Mann glaubte, dass er das Grünlicht der Fußgängerampel nicht sehen konnte. Seitdem bemüht sich Weber um eine Lösung des Problems. „Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Ich hätte längst aufgegeben, wenn nicht meine Enkelkinder betroffen wären“, sagt er. Also streitet er weiter.
Die Situation an sich ist zunächst unstrittig: „Herr Weber hat recht“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Verbandsgemeinde (VG) Oberes Glantal und des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Kaiserslautern. In bestimmten Situationen bestand an der dortigen Ampel eine Gefahr für Fußgänger: Bei hohem Verkehrsaufkommen – dann, wenn in den großen Homburger Industriebetrieben oder bei Minitec in Schönenberg-Kübelberg Schichtwechsel ist – sei nicht immer ersichtlich gewesen, dass die Fußgängerampel in Höhe des Gasthauses Schleppi Grün zeigt. Das passierte, wenn Autofahrer im Kreuzungsbereich wegen der Linksabbieger in die Schmittweilerer Straße stoppen mussten. Wenn die Fußgängerampel in der Zwischenzeit auf Grün umsprang, ohne dass die Autofahrer dies erkannten, konnte es brenzlig werden.
Schwierige Lösungssuche
Insbesondere betagte Fußgänger und vor allem Kinder seien „massiv gefährdet“, heißt es in einem Schreiben von Webers Anwalt an die VG. Der Brief stammt vom 21. April 2021. Seitdem gab es weitere Schriftwechsel und mehrere Ortsbegehungen mit dem LBM, der Polizei und der Verkehrsbehörde der VG. Weber dauert das alles zu lange. Sein Vorwurf: „Der fließende Verkehr ist den Verantwortlichen wichtiger als die Sicherheit von Fußgängern.“
Dem widersprechen VG und Landesbetrieb: „Grundsätzlich steht bei uns die Verkehrssicherheit sowohl für die Fußgänger als auch der Fahrzeuge immer im Vordergrund.“ Für die Ampel an der Kreuzung in Kübelberg wird deshalb seit vergangenem Frühjahr nach einer Lösung gesucht, die den Fußgängern, aber auch den Autofahrern gerecht wird, die zu Stoßzeiten nur im Schneckentempo vorankommen.
Proteste von Autofahrern
Im Frühjahr 2022 sei eine Videokamera installiert worden, die den kompletten Zwischenraum überwacht, in dem es zum Stau wegen der Linksabbieger kommt. Die Fußgängerampel sollte erst auf Grün schalten, wenn sich der Stau aufgelöst hat. Weil es trotzdem noch zu gefährlichen Situationen kam, sei am 24. Oktober die Ampelschaltung erneut optimiert worden. In mehrfachen Selbstversuchen habe sich gezeigt, „dass die neue Schaltung funktioniert“, so die Behörden.
Seitdem sei die Ampelschaltung nicht mehr verändert worden – allerdings mit der Folge, dass es für den Verkehr aus Richtung Waldmohr zu den Spitzenzeiten noch langsamer vorangeht. Proteste von Autofahrern blieben nicht aus. „Es gibt Beschwerden, wenn die Ampel lange auf Rot steht. Dann staut sich der Verkehr noch länger als sonst“, sagt VG-Bürgermeister Christoph Lothschütz. Deshalb soll die Ampel künftig so geschaltet werden, dass zwischen etwa 14.30 und 17 Uhr die B423 von längeren Grünphasen profitiert.
Erneuter Selbstversuch
Axel Weber traut dem Frieden nicht. Am 10. Dezember, einem Samstag, habe er erneut beobachtet, dass eine Frau mit ihrem Kind an der Fußgängerampel bei Grün über die Straße wollte und ein Lastwagenfahrer gerade noch bremsen konnte, sagt er. Er will nicht locker lassen. Aber auch die Behörden und die Kommunalpolitik nehmen die Sache nicht auf die leichte Schulter. Im Beisein des Ortsbürgermeisters und des Ersten Beigeordneten sei am 19. Dezember die Situation erneut im Selbstversuch durchgespielt worden. Hierbei habe sich gezeigt, teilte der LBM mit, dass die Ampelsteuerung funktioniere und die Fußgänger sicher über die Straße kommen.