Hintergrund
Warum der Berglandtrail fast abgesagt worden wäre
Günther Bergs kann eigentlich nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Der Lauftrainer aus Wolfstein liebt seinen Job so sehr, dass er, wie er sagt „vergessen hat, seine Rente einzureichen“. Dass er seit elf Jahren eine große Laufveranstaltung organisiert, die der Region im Schnitt jährlich 240 Übernachtungen beschert, war für ihn kein großes Thema. Er macht das gern, hatte die Idee zur dreitägigen anspruchsvollen Tour durch das Pfälzer Bergland und sein Plan ging auf: Der Trail zog Läufer aus ganz Europa an, von denen viele zum ersten Mal in die Region kamen und die meisten nicht zum letzten Mal.
Als sich die Kreisverwaltung aus der Organisation zurückzog, er mit seinem Team alles alleine stemmen musste, entmutigte ihn das nicht. Auch als das Pauschalreisegesetz verschärft wurde, ließ er sich nicht entmutigen. Seitdem hat er noch mehr Aufwand und höhere Kosten. „Ich muss jetzt zum Beispiel eine Insolvenzversicherung abschließen, damit die Teilnehmer ihr Geld wiederbekommen, wenn ich pleite gehen sollte“, erklärt er. Doch das alles nahm er in Kauf, wurde immer belohnt durch die Rückmeldungen der Läufer, die so begeistert waren von der Veranstaltung, von der Landschaft und der familiären Atmosphäre. 150 Kilometer lang führt der Pfälzer Berglandtrail mitten durch die Natur, „durch eine ausgesprochen reizvolle Landschaft“, sagt Berg, der immer wieder neu an der Streckenführung bastelt.
Leistungssport und Tourismus
Der Lauf ist nicht einfach. 1500 bis 1800 Höhenmeter müssen die Teilnehmer pro Tag bewältigen. „Es ist Leistungssport, aber auch eine touristische Veranstaltung“, erklärt der Lauftrainer das Konzept. Die Idee, die dahintersteckt, ist die, dass die Gäste beim Laufen durch den Wald, über Höhen und Wiesen das Pfälzer Bergland kennen und lieben lernen. Die Preise, zu denen ein Rundflug genauso gehört wie Übernachtungen im Weinfass oder der Ferienwohnung, Gourmetmenüs oder eine Draisinenfahrt haben den Nebeneffekt, dass die Läufer wiederkommen müssen. Was sie freiwillig tun. „Wir hatten schon einen Junggesellenabschied von Teilnehmern, denen die Gegend so gut gefallen hat, dass sie hier feiern wollten, und es gab auch ein Hochzeitspaar, das sich hier kennengelernt hat“, schwärmt Bergs.
Die Anmeldezahl war bisher immer solide, lag bei rund 70 Teilnehmern. „Viel mehr können wir mit unserem kleinen Team auch nicht stemmen“, sagt Bergs. Der Lauftrainer bucht für die Gäste immer die komplette Jugendherberge in Wolfstein, bietet ein Komplettpaket aus Übernachtung und Verpflegung an. Manche übernachten auch im Wohnmobil, und oft ist die ganze Familie dabei.
Niederländer und Belgier nehmen teil
Die meisten Teilnehmer werden über die Plattform der Deutschen Ultramarathonvereinigung auf den besonderen Lauf aufmerksam und reisen dann zum Teil von weit her an. „In diesem Jahr sind zum Beispiel zwei Niederländer und ein Belgier dabei.“ Aber auch Starter aus einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometer könnten teilnehmen. Doch eins gilt für die Heimfahrer wie die Übernachtungsgäste gleichermaßen: Sie müssen jeden Abend (ab Donnerstag, 26. März) um 19 Uhr am Briefing teilnehmen. Bei dem organisatorischen Treffen wird die Strecke mit ihren Besonderheiten für den nächsten Tag erklärt.
Dass das Treffen, das von den Genehmigungsbehörden vorgeschrieben ist, Schuld an den spärlichen Anmeldezahlen ist, glaubt Bergs nicht. Die meisten Teilnehmer kämen ohnehin von weiter her und würden sowieso übernachten. „Mehrtagesveranstaltungen werden immer schwieriger“, sucht der Organisator weiter nach Erklärungen. „Bei uns ist immer Urlaub damit verbunden.“
Halb so viele Anmeldungen
31 Anmeldungen sind bisher eingegangen. Bergs: „65 bis 70 waren es sonst zum gleichen Zeitpunkt. Das war sehr überraschend.“ Den Orgachef brachte das vor allem deswegen zum Nachdenken, weil die Fixkosten, beispielsweise die Kosten für den Bus, der die Teilnehmer transportiert, die Versicherungen, die vorgeschrieben sind und vieles mehr, genauso hoch sind, wie wenn die Veranstaltung ausgebucht ist. Kurz habe er darüber nachgedacht, die Veranstaltung abzublasen, gesteht er, „doch dann hätten wir den Pfälzer Berglandtrail gleich beerdigen können“. Als er bei Stammgästen nachfragte, die sich diesmal nicht angemeldet hatten, erfuhr er, dass es nicht an der Veranstaltung lag. „Manche waren verletzt und es war einfach Zufall, dass so viele zusammenkamen, die nicht konnten“, erklärt er. Bergs beschloss, das Ganze durchzuziehen, hat den Anmeldeschluss verlängert und hofft auf weitere Anmeldungen.
Info
Start der ersten Etappe ist am Freitag, 27. März, um 8 Uhr an der Burg Lichtenberg. Sie endet an der Jugendherberge Wolfstein. Die zweite Etappe führt am Samstag ab 8 Uhr von der Jugendherberge zum Wildpark Potzberg und zurück. Auch die dritte Etappe am Sonntag beginnt (um 9 Uhr) und endet an der Jugendherberge. Es gibt keine Cut-off-Zeiten und dadurch keinen Leistungsdruck. Teilnehmen können sowohl Einzel- als auch Staffelläufer, die sich die beiden Tagesetappen teilen und die letzte am Sonntag gemeinsam laufen.
Auskunft und Infos unter info@laufschule-bergs.de oder per Telefon 06387/1284 (Günther Bergs). Weitere Details und das Anmeldeformular gibt es unter https://pfaelzer-berglandtrail.de/anmeldeformulare-2026. Anmeldeschluss ist der 22. Februar.