Glanbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Waldboden in der Sohle: Was gute Schuhe für ein Lauftraining ausmacht

Auf der linken Seite knickt Laufanfänger Benjamin Ginkel am Sprunggelenk beim Gehen und Joggen ein: Abhilfe soll ein gestützter
Auf der linken Seite knickt Laufanfänger Benjamin Ginkel am Sprunggelenk beim Gehen und Joggen ein: Abhilfe soll ein gestützter Laufschuh bringen. Ohne neue Schuhe würden Verletzungen drohen.

Wer den Laufsport für sich entdeckt, der braucht früher oder später passendes Schuhwerk, damit Gelenke und Bänder geschützt werden. Dabei gibt’s einiges zu beachten ...

Nach meiner mittlerweile zweiten Laufwoche als blutiger Anfänger bin ich froh, dass sich der Selbstversuch ums Joggen dreht und nicht um Autorennen. Denn in jedem Sport kommt irgendwann der Punkt, an dem man für gescheite Ausrüstung Geld in die Hand nehmen muss. Lauftherapeut Günther Bergs, der mich begleitet, hat schnell gesehen, dass bei mir ein Einkaufsbummel notwendig wird.

An meinem Gang ist ihm aufgefallen, dass ich beim Joggen am Sprunggelenk einknicke: „Beim Gehen ist das nicht weiter schlimm, aber beim Laufen können dadurch Verletzungen entstehen“, warnt der Fachmann. Klar, dass ich als ambitionierter Anfänger dem Rat folge. Mein Ziel ist es, nach drei Monaten gut fünf Kilometer, also etwa eine halbe Stunde, ohne zu schnaufen laufen zu können. Was die grauen alten Treter angeht, die im vorherigen Artikel auf dem Foto zu sehen waren, hat mich sogar eine Leserrückmeldung erreicht, dass es sich dabei generell nicht um geeignete Laufschuhe handelt. Schön, wenn sich jemand um einen sorgt!

Barfuß auf dem Laufband

Um seine Vermutung zu prüfen, steige ich bei Bergs aufs Laufband. Barfuß und die Jogginghose etwas hochgekrempelt – die Fußgelenke und die Achillesferse sollen gut zu sehen sein. Nach einigen Schritten ist er sicher: „Die linke Seite knickt ein wenig ab, auf der rechten Seite ist es fast gerade.“ Er empfiehlt mir einen gestützten Laufschuh, um einen Schaden an den Gelenken auszuschließen. Darauf sollte übrigens jeder Laufanfänger achten, um sich nicht den Spaß am Hobby selbst zunichtezumachen.

Bergs: „Der erste Laufschuh kann nicht im Internet bestellt werden.“ Ich solle mir Zeit nehmen, verschiedene Modelle ausprobieren und darauf achten, den Schuh eine bis eineinhalb Schuhgrößen größer zu kaufen. Aufs Körpergefühl zu achten und ein paar Schritte zu joggen, sei unbedingt notwendig: „Keine Kompromisse! Wenn der Schuh im Geschäft schon drückt, wird das zu Hause nicht besser.“ Immerhin investiere man ja auch eine gewisse Summe in den Schuh. „Wenn das Gefühl stimmt und der Schuh passt, sollte man nicht an der falschen Stelle sparen“, rät Bergs, der die Kosten für einen guten Laufschuh auf mindestens 80 Euro beziffert. Teurer als 160 Euro müsse ein guter Anfänger-Schuh nicht sein.

Zum ersten Mal im Sportgeschäft

Einen weiteren Hinweis gibt er mir noch mit auf den Weg – offensichtlich hat er bemerkt, dass ich in Sachen Sportschuhe ein unbeschriebenes Blatt bin. Gibt es da doch tatsächlich Schuhe für verschiedene Bodenverhältnisse, also beispielsweise Asphalt oder Wald. „Wir werden gemeinsam nur auf Asphalt laufen“, sagt Bergs und erklärt: „Anfänger sollten sich ganz aufs Laufen und den Rhythmus konzentrieren, nicht darauf, ob sie über Wurzeln oder Unebenheiten eines Feldwegs stolpern könnten.“ Dabei habe ich im Internet gelesen, dass für Läufer meiner Gewichtsklasse Waldboden – weil etwas federnd – gelenkschonender sein soll. Bergs winkt ab: „Bei einem guten Laufschuh kaufen Sie sich durch die Dämpfung den Waldboden dazu.“ Anschließend geht es zum Training vom Laufband auf den Radweg.

Wenige Tage nach dem Gespräch mit Bergs sitze ich in einem Sportgeschäft für Läufer in Kaiserslautern. Die Beratung dort deckt sich mit den Erkenntnissen in Glanbrücken, und die Verkäuferin gibt mir mehrere Modelle unterschiedlicher Hersteller zur Auswahl. Da ich auf großem Fuß lebe, bin ich an eine abgespeckte Auswahl gewöhnt. Gleich der erste Schuh (eine japanische Marke) kommt in die engere Auswahl. Andere scheiden aus: zu klein, drückt, stützt nicht genug. Immer wieder „jogge“ ich in dem Laufladen auf und ab, stets unter Beobachtung der Fachfrau. Nach gut einer halben Stunde ist klar: Der erste Schuh soll es sein. Kostenpunkt: knapp unter der von Bergs genannten Oberkante. Aber hey: Ich habe mir ein Stück Waldboden mitgekauft!

Die Serie

In der Reihe „Laufen, ohne zu schnaufen“ gibt RHEINPFALZ-Redakteur Benjamin Ginkel Einblicke in sein Lauftraining mit Lauftherapeut Günther Bergs. Ziel ist es, im Januar eine halbe Stunde ununterbrochen Laufen zu können.

In der Serie bereits erschienen sind

Teil 2: Glatzkopf-Trick und obdachlose Spinnen: Erste Lauftrainingseinheiten eines Sportmuffels
Teil 1: Treppe 1 – bgi 0: Wie ein Redaktionsleiter ins Lauftraining stolperte

x