Glanbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Glatzkopf-Trick und obdachlose Spinnen: Erste Lauftrainingeinheiten eines Sportmuffels

Sportoutfit und Schuhwerk sind noch verbesserungswürdig. Doch selbst nasskaltes Wetter konnte den Laufstart nicht verhindern.
Sportoutfit und Schuhwerk sind noch verbesserungswürdig. Doch selbst nasskaltes Wetter konnte den Laufstart nicht verhindern.

Der unsportliche Anfänger hat seine ersten Trainingstermine mit Lauftherapeut Günther Bergs hinter sich – dabei hätten die Startbedingungen kaum schwieriger sein können.

„Guten Morgen, nicht überlegen. Die halbe Stunde Regen stehen wir durch!“ Diese Nachricht von Lauftrainer Günther Bergs hat mich am Montagmorgen zu nachtschlafender Zeit erreicht. Erster „Trainingstag“, direkt nach den Herbstferien, in denen mein Bewegungsradius zwischen Strand, Hotelzimmer und Buffet urlaubsbedingt stark eingeschränkt war. Umso besser eigentlich, dass es nun mit dem Laufen endlich losgeht. Doch ein Blick aus dem Fenster kurz nach 8 Uhr offenbart einen grauen Himmel, aus dem es kräftig regnet. Die Temperatur ist einstellig, verrät die Wetter-App. Jetzt noch ein bisschen liegen bleiben – zumal alle anderen Familienmitglieder schon aus dem Haus sind ...

Eine halbe Stunde später sitze ich mit Günther Bergs zum kurzen Vorgespräch bei ihm in Glanbrücken. Die Jogginghosen müssen im Schrank eingegangen sein, sie sind jedenfalls deutlich kürzer als gedacht. Die grauen Sportschuhe musste ich sogar von Spinnweben befreien. Ein Baumwoll-Hoodie soll vor Kälte und Regen schützen. Funktionskleidung? Fehlanzeige. „Das ist das Tolle am Laufen“, sagt ein gut gelaunter Günther Bergs. „Man braucht eigentlich – zunächst – keinerlei Ausrüstung.“ Doch zumindest ein paar gescheite Laufschuhe soll ich mir anschaffen, rät er und kündigt für die kommende Woche an, dass wir uns damit beschäftigen werden.

Grundlegende Infos zum Muskelkater

Dicke Regentropfen trommeln gegen die Fensterscheibe im ehemaligen Lauflauden von Bergs. Jede Woche wird es mindestens eine Theorieeinheit geben. Prima, denke ich, wie im Sportunterricht früher geht die Zeit ja rum, ohne dass ich mich bewegen muss! Zur Einstimmung steht das Thema Muskelkater auf dem Programm, „der nicht während des Laufens zu spüren ist, aber am nächsten Tag“, wie Bergs ausführt. Ein Muskelkater bezeichnet mikroskopisch kleine Risse in der Muskulatur, die von alleine ausheilen. „Vorausgesetzt, man gibt ihnen die Zeit dazu“, sagt Bergs.

Trotzdem weiterzumachen, als sei nichts gewesen, das sei unprofessionell – und gefährlich. „Ein Muskelkater ist eine Information, dass man etwas gemacht hat, woran der Körper nicht gewöhnt ist, was die Muskeln überlastet“, erklärt Bergs. Wer diese Signale ignoriere, der riskiere eine Muskelzerrung, einen Muskelfaserriss und letztlich sogar einen Muskelriss. Also ernsthafte Verletzungen. Die Philosophie von Bergs, dass ein Muskelkater nicht wünschenswert aber ungefährlich ist, gefällt mir. Kenne ich doch sonst aus dem Sport eher den Spruch, dass es brennen und wehtun muss, wenn es einen Effekt haben soll.

Ein himmlisches Zeichen

Aus dem Sportunterricht und nächtlichen „Tänzen“ vorm Bett sind mir Wadenkrämpfe noch bekannt. Verspannungen der Muskeln, wie der Lauftherapeut erläutert. Er hat ein Rezept dagegen: „Wie beim Schluckauf: Denken Sie an sechs Glatzköpfe. Beim dritten ist der Krampf weg. Das hilft übrigens auch bei Seitenstechen.“ Ich bin skeptisch, werde es aber spätestens nachts ausprobieren, wenn mich wieder ein Krampf aus dem Schlaf reißt. Währenddessen hat der Regen tatsächlich nachgelassen. Bergs zeigt in den Himmel: „Wenn das nicht ein Zeichen ist!“

Jetzt wird’s also ernst – und zum ersten Mal seit Jahren mache ich freiwillig Sport. Sogar bei miesem Wetter. Lauf- und Gehphasen wechseln sich glücklicherweise ab, Bergs hat die Stoppuhr im Blick. Nach einigen Wechseln wird’s mir schon warm – und ich freue mich über jedes „Jetzt gehen wir wieder“. Ob wir nicht doch lieber im Frühjahr hätten starten sollen, frage ich beim Gehen: „Auf keinen Fall. Wenn Sie jetzt motiviert sind, das anzugehen, dann sollte man den Schwung nutzen – und nicht bis Neujahr, auf den Frühling oder einen anderen Startzeitpunkt warten“, erzählt Bergs aus seiner langjährigen Erfahrung.

Unerwarteter Hinweis in der zweiten Laufstunde

Am Ende des ersten gut halbstündigen „Trainings“ fragt Bergs, wie es mir geht. Erstaunlich gut. Die Beine kribbeln ein wenig, ansonsten keine Beschwerden, wie ich überrascht feststelle.

In unserer zweiten Laufeinheit, die am Mittwochmorgen stattgefunden hat (übrigens bei Sonnenschein!) sagt Bergs einen Satz, den mir noch niemand im Zusammenhang mit sportlicher Aktivität gesagt hat: „Also wenn das so weitergeht, muss ich Sie bremsen.“ Mich bremsen? Ich lache laut, schnaufe weiter durchs Glantal und freue mich auf das nächste „Jetzt gehen wir wieder“.

Die Serie

In der Reihe „Laufen, ohne zu schnaufen“ gibt RHEINPFALZ-Redakteur Benjamin Ginkel Einblicke in sein Lauftraining mit Lauftherapeut Günther Bergs. Ziel ist es, im Januar eine halbe Stunde ununterbrochen Laufen zu können.

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