Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Vorm Auftritt in Kusel: Ekaterina Litvintseva erzählt vom harten Weg zur Konzertpianistin

„Wettbewerbe sind eine tolle Möglichkeit, seine Stressresistenz zu testen“, findet Ekaterina Litvintseva. Sie hat schon einige e
»Wettbewerbe sind eine tolle Möglichkeit, seine Stressresistenz zu testen«, findet Ekaterina Litvintseva. Sie hat schon einige erlebt – und gewonnen.

Die russische Pianistin Ekaterina Litvintseva stellt am 17. Februar im Kuseler Horst-Eckel-Haus Werke von Schubert, Debussy und Rachmaninow vor. Dass sie es zur Konzertpianistin gebracht hat, war nicht selbstverständlich für ein Mädchen vom nördlichen Polarkreis.

Sie stammt fast vom anderen Ende der Welt: Ekaterina Litvintseva wurde 1986 in Tschukotka im äußersten Nordosten Sibiriens geboren, einem Teil des Fernen Ostens, der nur durch die Bering-Straße von Alaska getrennt ist. Die ersten 15 Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit ihrer Familie in der Stadt Anadyr. „Dort leben etwa 15.000 Menschen, man könnte sagen, es ist keine Stadt, sondern ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt“, erinnert sich die Musikerin. „Wir hatten eine Musikschule in der ganzen Stadt, an der Klavier, Domra und Akkordeon unterrichtet wurden. Es gab keine große Auswahl. Und weil meine ältere Schwester bereits Klavier spielte, folgte ich ihrem Beispiel und begann mit fünf Jahren, Klavier zu lernen.“

Zu Fuß zur Musikschule – bei minus 40 Grad

Das waren prägende Erfahrungen für Ekaterina Litvintseva. „Ich hatte großes Glück mit meinem Lehrer. Mein Klavierlehrer war zwar kein herausragender Musiker, aber er war ein großartiger Lehrer, der mir mit seinem Beispiel und seiner Einstellung das Wichtigste beigebracht hat – die Liebe zur Musik. Er war jederzeit bereit, mit seinen Schülern zu arbeiten, er vergaß dabei oft die Zeit. Wenn draußen minus 40 Grad herrschten und der Unterricht eigentlich wegen schlechten Wetters ausfallen sollte, kam er zu mir nach Hause, nahm mich bei der Hand, und wir gingen zur Musikschule. Er war ein absolut erstaunlicher Mensch und hat meine zukünftige Berufswahl und meine Einstellung zum Üben und zur Musik entscheidend beeinflusst. 'Der Kunst dienen' war sein Lebensmotto.“

Als Ekaterina Litvintseva 15 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Moskau. „Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als meine Eltern mich fragten, ob ich weiter Klavier lernen wollte“, erinnert sie sich. „Natürlich“, habe sie geantwortet. „Da nahm mein Vater das Telefonbuch und begann einfach, alle Musikinstitutionen in Moskau anzurufen.“

„Tag und Nacht musste ich üben“

Das Musikalische Kolleg Chopin willigte ein, Ekaterina Litvintseva aufzunehmen. „Dort studierten damals wirklich die besten jungen Pianisten. Mein Niveau ließ zu wünschen übrig, aber trotzdem wurde ich aufgenommen, unter der Bedingung, dass ich in einem Jahr das Niveau der anderen Studenten erreichen müsste“, so Litvintseva. Dieses Jahr habe ihr Leben wirklich verändert – „Tag und Nacht musste ich üben, um mit meinen Kollegen mitzuhalten. Und in diesem Moment fasste ich den festen Entschluss, Pianistin zu werden.“

Ab 1996 nahm die junge Künstlerin an zahlreichen Wettbewerben teil und gewann etliche Preise, angefangen beim überregionalen Wettbewerb Junge Talente Tschukotkas in Anadyr im Alter von 10 Jahren. 2008 wurde sie beim Klavierwettbewerb im Rahmen der Tel-Hai International Piano Masterclasses in Israel ausgezeichnet, sie gewann den internationalen Wettbewerb für Klavier und Orchester Città di Cantù in der Sektion „klassische Klavierkonzerte“ für ihre Mozart-Interpretation und den Concours International de Piano Son Altesse Royale la Princesse Lalla Meryem in Marokko. „Wettbewerbe sind eine tolle Möglichkeit, seine Stressresistenz zu testen“, findet Litvintseva. „Die Preise gaben mir den Energieschub und die Inspiration, weiterzumachen und noch mehr zu üben.“

Die Emotionalität lernt sie in Moskau

Ihr Studium absolvierte Ekaterina Litvintseva zunächst in Russland, dann setzte sie ihre Ausbildung in Deutschland an den Musikhochschulen Köln und Würzburg fort. „Dadurch ist es mir gelungen, meinen eigenen Stil des Klavierspielens zu entwickeln“, ist die Pianistin überzeugt. „Im russischen Musiksystem ist der emotionale Aspekt des Spielens von großer Bedeutung, in Deutschland steht die Fähigkeit im Vordergrund, strukturiert und klar zu spielen. Dank dieser Ausbildung kann ich beide Aspekte in meinem Spiel vereinen – tiefe Emotionalität und zugleich eine klare Struktur.“

Zu ihren Lieblingskomponisten zählen Sergej Rachmaninow, Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann, Frédéric Chopin und Franz Schubert. Von ihm wird sie am Sonntag drei späte Klavierstücke spielen. „Sie sind sehr intim und introvertiert und spiegeln perfekt meine innere Welt und Erfahrungen wider.“ Auch Werke des französischen Komponisten Claude Debussy stehen auf ihrem Programm. „Debussys 'Estampes' mit ihren exotischen Farben und Bildern verblüffen meine Fantasie immer wieder, wenn ich sie aufführe.“ Mit den „6 Moments Musicaux“ ist schließlich mit Sergej Rachmaninow auch ein russischer Meister vertreten. „Diesen Zyklus spiele ich seit Jahren. Es ist eine Musik, die ich sehr liebe und die für mir intuitiv im Blut liegt.“

Das Konzert beginnt um 17 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse.

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