Kreis Kusel
Vor 75 Jahren: Heftige Bombenangriffe gehen dem Kriegsende in Lauterecken voraus
Der 19. März 1945 wird zur Zäsur für Lauterecken. Häuser liegen in Schutt und auf dem Friedhof wölben sich frische Grabhügel über den Opfern eines sinnlosen Bombenkrieges. Fliegerlärm und Sirenen sind Symbole des Leids und der Zerstörung. Die letzten Wehrmachtseinheiten schleppen sich ostwärts.
Seit dem 17. März schießt die amerikanische Artillerie von Langweiler. Die meisten Granaten fliegen über die Stadt hinweg. Dabei werden das Ehrenmal auf dem Igelskopf und der Turm der evangelischen Kirche beschädigt. Es ist in den Mittagsstunden des 19. März, als sich die Amerikaner vorsichtig nähern. Ihre Übermacht erstickt bald die letzten Geschütze einer deutschen Werfereinheit.
Dann ziehen die Amis ein. Es ist das 1. Bataillon des 302. Infanterieregimentes der 94. Infanteriedivision. Kurz davor haben Wehrmachtsangehörige noch versucht, die Glanbrücke zu sprengen, doch der Versuch schlägt fehl. Ein Unteroffizier wird bei den letzten Kampfhandlungen tödlich von einem Jagdbomber getroffen. Es ist das Ende eines unbarmherzigen Angriffskrieges, der in den vorausgegangenen Wochen 57 Zivilopfer gefordert hat.
Der Krieg kam im Dezember
Blicken wir zurück: Bereits am 8. Dezember 1944 wird durch einen amerikanischen Jabo-Angriff das Haus der Familie Heil in der Lautertalstraße total zerstört. Viele Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen und im Hof des Anwesens Kirchner wird ein Geschäftsreisender aus Wiesloch tödlich getroffen. Es folgen Bombenangriffe am 14. Dezember. Am 16. werden im Stadtteil Überlauterecken mehrere Betriebe in Brand geschossen. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Auch sämtliche Gleise an der Bahn werden beschädigt.
Dann der erste traurige Höhepunkt am 30. Dezember: Die Angriffe ab circa 9.30 Uhr gelten der Bahn, doch sie wird größtenteils verfehlt. Der Lauterecker Bahnhof ist wichtiger Truppenverschiebungsort und durch seine beiden Bahnlinien strategisch bedeutsam. Etwa 50 Bomben fallen an diesem Tag. Im Keller des Hauses Jung in der Bergstraße fühlen sich 21 Personen sicher. Doch zwei Volltreffer, wahrscheinlich Zehn-Zentner-Bomben, löschen das Leben aller aus, darunter neun Kinder.
Auch Wilhelm Brandts landwirtschaftliches Anwesen wird schwer getroffen und sein gesamter Viehbestand vernichtet. Die Turmuhr der evangelischen Kirche sei um 13.10 Uhr stehen geblieben, wird später vermerkt. Und auch am 2., 6. und 19. Januar 1945 bleibt der Raum Lauterecken nicht von Angriffen verschont.
Der frühlingshafte 22. Februar ist von Tagesanbruch an von Fliegerlärm geprägt. Kurz nach 14 Uhr ertönen wieder die Sirenen: Von Odenbach her fliegt ein US-Bomberverband auf die Lauterecker Bahnanlagen zu. Der Bombenhagel trifft die Gleise nur ungenau, die meisten Bomben gehen in der Saarbrücker- und der Bergstraße nieder. Über 20 Menschen müssen auf einen Schlag ihr Leben lassen, als eine Bombe direkt an einem Stolleneingang oberhalb der Bergstraße explodiert. Weitere Opfer sind in den total zerstörten Häusern von Heidrich, Gravius, Nesseler und im Zollamtsgebäude in der Saarbrückerstraße zu beklagen.
101 Häuser beschädigt
Die Stadtverwaltung Lauterecken registriert etwa 200 amerikanische Bomben, die sechs Häuser total, 30 schwer und 65 leicht beschädigen. Vier Männer sterben durch Bordwaffenbeschuss. Insgesamt sind es 34 Tote und vier Schwerverletzte.
Auch am 25. Februar sowie am 15. und 16. März gibt es Bomben- und Jaboangriffe auf die Bahnanlagen und Stadtmitte. Neben einem Toten werden die Häuser von Jung, Maino und Keiper schwer beschädigt.
Sehr lange hat es gebraucht, diese Sachschäden zu beseitigen und den Krieg in den Köpfen zu verarbeiten. Die Lauterecker Kriegstoten wurden 1972 vom alten Friedhof auf den neuen umgebettet. Die Ereignisse vor 75 Jahren mahnen uns noch immer zum Frieden.