Kreis Kusel Voller Musizierfreude
Kaum sind die tollen Tage vorbei, überraschte am Donnerstag das „Ramstein High School String Ensemble“ mit einem hochklassigen Konzert in der Kulturhalle Waldmohr. Das 34-köpfige Streichorchester unter der Leitung von Mario Bertoluzzi trat in Waldmohr auf, wo sein Dirigent kein Unbekannter ist: Die jungen Musiker der „Ramstein American High School“ bereichern nun schon seit fast zwei Jahrzehnten mit ihren Benefizkonzerten, einem bunten Mix aus Blasmusik, etwas Swing und jeder Menge Jazz, die Kulturszene in Waldmohr.
Gleich zu Beginn des einstündigen Konzertes zeigten die jungen Streicher mit dem ersten Satz aus Vivaldis „Concerto Grosso“, auch bekannt als „Harmonie der Seele“, ihre unbändige Spielfreude. Dabei gelang es besonders dem 16-jährigen Ryan King mit seiner Violine die ganze barocke Pracht dieser Musik zu entfalten. Anschließend leitete das Orchester mit sanften, choralähnlichen Saitenakkorden Alan Hovhanness „Gebet des Heiligen Gregors“ ein. Der zwölfjährige Marco Bertoluzzi entfaltete eine herrliche Trompetenmelodie. Das Stück für Trompete und Streicher ist ein Zwischenspiel aus Hovhanness Oper „Etchmiadzin“, die im Oktober 1946 in New York uraufgeführt wurde. Das Intermezzo handelt vom Heiligen Gregor, der als Schriftgelehrter zu Beginn des vierten Jahrhunderts das Christentum nach Armenien gebracht haben soll. Als ein Schaufenster für einen fortgeschrittenen Bratscher gilt der Ausschnitt aus „Air Varie“, einem Werk von Charles-Auguste de Bériot. Für die knapp 100 Besucher in der Waldmohrer Festhalle war es ein wahrer Ohrenschmaus, in dem, begleitet von den Orchesterstimmen, der 17-jährige Preston Gessel als Solist an der Viola förmlich brillierte. Kurz vor der Pause tauchten die Zuhörer zusammen mit dem jungen Orchester in die Welt des argentinischen Tangos ein. Bei Leroy Andersons „Blue Tango“ übernahm Rogelio Bonilla-Piedra, Lehramtsreferendar der Georgia State University, den Dirigentenstock. Der „Blue Tango“ gilt als einer der bekanntesten der Welt. Der wohl wichtigste Vertreter des modernen Tangos dürfte indes Astor Piazzolla sein, er besaß wie kein anderer die Fähigkeit, den Zauber und das Lebensgefühl dieses Tangos zu vermitteln. So auch bei „Oblivion“, dessen Sünde, Verführung, Anziehung, aber auch Grausamkeit die 13-jährige Gymnasiastin Eva Bertoluzzi sehr eindrucksvoll mit ihrer Klarinette zum Ausdruck brachte. Nach der Pause hatte noch einmal „Praktikant“ Bonilla-Piedra bei „Dance of the Tumblers“ die interpretatorische Gestaltungshoheit. Einen weiteren konzertanten Glanzpunkt setzte am Kontrabass Markus Scheuermann, der sehr souverän und mit viel Gefühl Giovanninos Sonata Nummer 1 spielte. Sopranistin Maria Epifanova, Preisträgerin bei Jugend musiziert, stellte sich mit „Lascia ch’io pianga“, einer Arie von Friedrich Händel, dem Waldmohrer Publikum vor. Auch ihr zweiter Beitrag, Händels „Hallelujah“, wurde mit Bravorufen und frenetischem Applaus belohnt. Nachdem mit Jeffrey Bishops „Red Pepper“ sich die jungen Musiker verabschiedeten, gab es noch kleine Geschenke von Werner Braun, Kulturbeauftragter der Ortsgemeinde. Er befand, dass man sich Namen und Gesichter der Solisten merken sollte: „Vielleicht sehen wir sie irgendwann auf den großen Bühnen der Welt wieder und wir erinnern uns mit Freude an ihrem Auftritt in unserem kleinen Konzertsaal.“