Kreis Kusel Voller Harmonie und Musikalität
Einmal mehr zeigte sich am Sonntag in der gut besetzten Kirche in Gries Chansonnier Marcel Adam als geschickter Grenzgänger: Sprachlich balancierte er zwischen saarländisch-lothringisch und französisch, musikalisch zwischen Chanson und deutschem Liedermacher-Kulturgut. Der 64-Jährige ist einer der bekanntesten Chansonniers, Liedermacher, Autoren, Komponisten und Interpreten im nordfranzösischen und süddeutschen Raum.
Geschichten, die das Leben schreibt, prägen seine Texte und Melodien; reich an Humor und Gefühl ließen sie auch unter den gut 100 Konzertbesuchern kaum jemanden unberührt. Einmal mehr gab sich der Entertainer als charmanter Plauderer: In seiner Moderation kokettierte er vor seinem Publikum mit erheiternder Selbstironie. Adams Themen, seine Lieder und Figuren reflektieren unter anderem eine gemeinsame Kulturgeschichte, die viele Generationen noch erlebt haben. Relikte aus vergangenen Zeiten, wie der Botschamber (Nachttopf), holt Adam hervor, und zur allgemeinen Heiterkeit werden solche Banalitäten eines Jahrzehnte zurückliegenden Alltags wiederbelebt und sogar in Kunstform gegossen. In seiner Hommage an seine Großmutter „S Onna uff de Bonk“ oder „Mama, min Lied fier dich“ erzählte der Lothringer die verklärten bürgerlichen Lebensumstände der 50er und 60er Jahre. Liebevoll und mit viel Herz zeichnet Adam die Menschen des Alltags in ihrer kleinbürgerlichen Welt. Die Texte dazu, angelegt im Kolorit der lothringisch-saarländischen Mundart, sind musikalisch allerdings nicht rückwärtsgewandt, sondern weisen in die Gegenwart. Adam hat ein Gespür für seine Muttersprache, experimentiert damit und gewinnt ihr dadurch ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten ab. Voller Charme und Esprit stimmte er sein Publikum heiter. Wieder sang Adam das Hohelied auf die Frauen: Mit „Blinde Katharina“, wenngleich aus der Feder von Klaus Hoffmann, beeindruckte er seine kleine Fangemeinde. Gänsehaut auch bei der Interpretation des Karat-Songs „Das kann niemand so wie Du, mach das Licht aus, schließ die Tür...“. Mit unverkennbarem Timbre sang Adam diesen Titel, begleitet von dem großartigen Christian Di Fantauzzi, der am Saxophon brillierte. Neben eigenen Liedern präsentierte Adam aber auch legendäre Erfolgstitel von Schlagerikonen wie Katja Ebstein, die einst mit „Wunder gibt es immer wieder“ einen Hit landete – oder Klassiker wie „Die Rose“ von Amanda Mc Broom, den Adam allerdings mit einem eigenen Text versah. Im Zusammenspiel mit Christian Di Fantauzzi, der auch ein Spezialist am Knopfakkordeon ist, entstand musikalisch eine sehr lebendige Präsentation voller Harmonie und Musikalität. Einfach herrlich, wie Christian Di Fantauzzi sein Akkordeon mal elegisch-melancholisch, mal eruptiv-vital erklingen lässt. Auch wenn es Adam nicht immer gelungen ist, das Publikum text- und tonsicher in die Refrains seiner Lieder einzubinden, huldigten diese ihm nach einem fast zweistündigen, kurzweiligen Konzert stehend mit langanhaltendem Applaus. (res)