Kreis Kusel Viel intimer geht’s nicht mehr
„Frauen, Liebe, Leben“ – so lautete der Titel des Konzertes mit Hans-Jörg Neuner (Piano), Daniel Bollinger (Klarinette) und Kristina Stanek (Mezzosopran). Am Samstagabend konzertierten die drei Musiker in der Kreissparkasse in Lauterecken vor ganz kleinem Publikum. Zwei zahlende Gäste und Bollingers Eltern waren gekommen. Vielleicht war das Konzert gerade deshalb ein besonderes Erlebnis.
„Wir machen es uns hier jetzt ganz gemütlich“, sagte Bollinger zu Beginn des Konzertes ganz entspannt und nutzte die Gelegenheit, alle Konzertgäste in der Kreissparkasse persönlich mit einem Händedruck zu begrüßen. Nach dem Konzert bedankten sich die Musiker zudem bei den Gästen für ihr Kommen. Enttäuscht waren die Musiker nicht: „Es war schön – so intim“, kommentierte die Sängerin Kristina Stanek nach dem Konzert. Aufgeregt sei man als Musiker aber trotzdem. Da spiele es keine Rolle, ob man vor zwei oder 1000 Gästen spielen würde. „Es war eine interessante Erfahrung“, sagte Bollinger, der sich in keinster Weise frustriert zeigte: „Normal spielen wir in Opernhäusern vor Tausenden“, kommentierte er und erklärte, dass man es als Musiker nehme wie es kommt. „Man macht einfach Musik“, sagte er. Zudem sei es eine perfekte Generalprobe für Sonntag gewesen, denn da konzertierten beide in der Orangerie in Blieskastel vor ausverkauftem Haus. Den Gästen hat es auch gefallen: „Temperament- und kraftvoll“, nannte Ilse Lünenbürger-Fickeisen die Stimme von Kristina Stanek. „Es waren gute Interpretationen“, kommentierte sie und sie sei froh, dass sie gekommen sei. „Viele haben etwas verpasst“, ergänzte ihr Mann, Karl Lünenbürger-Fickeisen. Das Programm hatten die Musiker wegen der Hitze kurzerhand ein wenig gekürzt und ohne Pausen präsentiert. Das erste Werk war die „Sehnsucht“ von Spohr Lieder für Klavier, Klarinette und Gesang. Gleich zeigte Stanek ihre kraftvolle Stimme, und Bollinger überzeugte mit gekonntem Spiel an er Klarinette. Beide transportierten die sehnsüchtige Stimmung des Werkes sehr gut. Dabei harmonierten die beiden Musiker miteinander, sie erreichten sich aber nicht, so dass die Sehnsucht blieb. Nicht nur bei Robert Schumanns „Frauenliebe und -leben“ begeisterte Stanek mit ihrer kraftvollen Stimme und mit ihrer starken Bühnenpräsenz. Beim französischen „Poulenc Sonate“ beispielsweise spielte Bollinger technisch anspruchsvolle, schnelle Passagen, aber auch gefühlvolle, ruhige Melodien. Er bot bei perfekter Technik viel für das geschulte, musikalische Gehör. Ein besonderes Lob für den Abend gebührt aber auch Pianist Hans-Jörg Neuner, der die beiden Musiker perfekt begleitete und so eine ideale Basis bot, den Solisten jedoch immer genügend Freiraum ließ.