Kreis Kusel Unüberhörbare Spielfreude

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Zarte musikalische Impressionen zeichneten in klarer Artikulation die laszive Stimmung eines brütend-schwülen Nachmittags nach: Mit „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy (1862 bis 1918) eröffneten der Musikverein Kusel 1889 und der Orchesterverein Idar-Oberstein 1888 unter der Leitung von Thomas Germain am Samstagabend ihr Herbstkonzert in der Fritz-Wunderlich-Halle vor etwa 250 Besuchern. Die Orchester setzten damit zumindest musikalisch einen Gegenpol zur Jahreszeit.

Ein Werk der klassischen Moderne, das viel Zuspruch beim Publikum fand, war das Concerto für Violoncello und Orchester von Arthur Honegger (1892 bis 1955), einem Mitglied der französischen Komponistengruppe „Les Six“, die in Abwendung von der überbordenden Harmonik der Romantik eine deutlich einfachere Klangsprache anstrebten. Doch auch hier verbinden sich ungemein komplexe und kontrastreiche Strukturen und differenzierte Harmonien, die der Musikverein Kusel und der Orchesterverein Idar-Oberstein unter der Leitung von Thomas Germain in ihrer Interpretation klar hervorhoben. Dramatische Erregung und Spannung vibrierte in den Streichern und wurde auch durch den Einsatz eines lyrisch-melodiösen Holzbläserthemas, das zunächst eine ruhige Idylle zu versprechen schien, nicht aufgelöst; sie steigerten sich vielmehr zu einem spontanen Ausbruch im Finale. Hervorzuheben war hier auch das Solo von Cellistin Christine Rutz, das sich sowohl durch spieltechnisches Können als auch durch große Ausdruckskraft und einen ausgeprägten Gestaltungswillen auszeichnete. Für den begeisterten Applaus bedankte sie sich mit einem Evergreen, dem Wiegenlied aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“. Einen bunten Streifzug durch die Welt der Oper präsentierten der Musikverein Kusel und der Orchesterverein Idar-Oberstein im zweiten Teil des Programms. Nachdem die Musiker die wichtigsten Leitthemen des Werkes in der Einführung zur Ouvertüre von Gioacchino Rossinis Grand’ Opéra „Guillaume Tell“ vorgestellt hatten, interpretierte Bariton Jérôme Boutillier voll beschwörender Eindringlichkeit die Arie des Guillaume respektive Wilhelm Tell, in der er seinen Sohn zur Ruhe auffordert, während er ihm einen Apfel vom Kopf schießen muss. Die Dramatik der Situation unterstrichen neben Trommelwirbeln vor allem die tiefen Streicher als Impulsgeber der musikalischen Aktion voll latent schwelender Spannung, die erahnen lässt, dass „etwas in der Luft liegt“. Die atmosphärische Dichte wurde durch aparte Pizzicati der Streicher und Hörnermotive betont. Dennoch verströmte sich die Interpretation nicht in überbordender Klangfülle, sondern hob unter der verhaltenen Stabführung von Germain die kammermusikalischen Aspekte hervor. Markant und entschieden dagegen formte Jérôme Boutillier die Rachearie „Revenge“ aus dem „Alexanderfest“ von Georg Friedrich Händel, eine typisch barocke Festarie, die dem Sänger Gelegenheit bot, virtuose Koloraturketten zu präsentieren. Einen dramatisch bewegten Ausbruch, überzeugend vorgetragen, gestaltete der junge Bariton aus Frankreich in der Arie des Grafen „Hai già vinta la causa“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“. Erregte Gefühle und vor allem unterdrückte Eifersucht klangen aus dem bewegenden Vortrag, den das Orchester dezent-verhalten und stilvoll begleitete. In bebend-vibrierenden Klängen voll federnder Spannung und farbig ausschattierter Lautmalerei mit zahlreichen harmonischen Exotismen ließ das Orchester die Gewitterstimmung der Arie „L’orage s’est calmé“ aus der Oper „Les pêcheurs de perle“ von Georges Bizet (1838 bis 1875) lebendig werden, und auch Jérôme Boutillier griff diese Erregung in seiner Interpretation auf. Mit einem Meisterwerk der Programmmusik ließen der Musikverein Kusel und der Orchesterverein Idar-Oberstein den Abend ausklingen: In Friedrich Smetanas (1824 bis 1884) „Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ konnten die Musiker den Verlauf des Flusses von der Quelle bis zur Mündung bei der Prager Burg in ausdrucksvoll differenzierten Klangschattierungen ausloten und nachzeichnen. Eine Aufgabe, die sie mit unüberhörbarer Spielfreude umsetzten.

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