Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Tipps für Einsteiger in die Hühnerhaltung

Statt für frische Eier in den Supermarkt in den eigenen Garten gehen: die private Hühnerhaltung ist beliebt.
Statt für frische Eier in den Supermarkt in den eigenen Garten gehen: die private Hühnerhaltung ist beliebt.

Hühnerhaltung ist im Trend. Immer mehr Menschen halten Federvieh im Garten. Experten erklären, welche Vorschriften gelten – und dass Nachbarn vor Belästigung zu schützen sind.

Zum Frühstück ein gekochtes Ei, das von den eigenen Hühnern gelegt wurde – immer mehr Menschen kommen in diesen Genuss. Das weiß auch Udo Wissinger von der Lebensmittelüberwachung und Tierseuchenbekämpfung der Kreisverwaltung Kusel. „Seit 2020 hat die private Hühnerhaltung stark zugenommen. Während der Corona-Zeit haben sich die Menschen vermehrt Tiere zugelegt“, sagt Wissinger.

Doch wie es mit nur kurzfristig durchdachten Entscheidungen für einen neuen Hund zu der Zeit teilweise war, war es auch bei den Hühnerhaltern: Das Drumherum wurde oft nicht ausreichend beachtet. Denn die Entscheidung für ein Tier bedeutet auch die Entscheidung, Zeit in die artgerechte Haltung zu investieren. Der Veterinär erzählt, was damit alles einhergeht und wie der Traum vom Frühstücksei aus dem eigenen Hühnerstall gelingt.

Egal wie groß die Schar: Sie muss gemeldet werden

Zunächst sollte man sich gründlich über die Tierhaltung informieren, damit man einschätzen kann, was einen erwartet. Die Möglichkeit dazu habe man einerseits beim Veterinäramt, andererseits aber auch in Kursen, die Interessierten die artgerechte Haltung näherbringen. Der nächste Schritt nach der Entscheidung für die Kleintierhaltung sei die Anmeldung beim zuständigen Veterinäramt. Dabei sei es egal, wie groß die geplante Hühnerschar ist, sie müsse immer gemeldet werden. Ebenso besteht auch die Abmeldepflicht, sollte die Hühnerhaltung nicht mehr fortgeführt werden. „Da haben wir einige Karteileichen, bei denen das Abmelden vergessen wurde“, berichtet Wissinger. Damit sind erst einmal keine Kosten verbunden.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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Außerdem müssen die Hühner bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden. Bei einer Gruppe bis maximal 25 Tieren beläuft sich der Bestandsbeitrag auf 30 Euro, bei 26 bis 50 Tieren auf 50 Euro. Pro Tier kommen im Fall der Hühner dann noch sechs Cent dazu. Wer sich für eine private Hühnerhaltung entscheidet, möchte in der Regel, dass es den Tieren gut geht. Neben der verpflichtenden Impfung gegen die Newcastle-Krankheit gebe es eine Reihe weiterer empfehlenswerter Impfungen, die individuell mit dem Tierarzt abgesprochen werden könnten.

Besser zwei statt neun Hühner pro Quadratmeter

Für ein glückliches Huhn sei auch ein passender Stall wichtig. Nach offiziellen Angaben sollen neun Hühner einen Quadratmeter Stallfläche haben. Wissinger empfiehlt eine tiergerechte Fläche von einem Quadratmeter für zwei Hühner. Ein angemessener Freilauf von gut 20 Quadratmetern pro Tier sei wünschenswert, allerdings nicht vorgeschrieben. Für das Federvieh sollten Futter- und Wassertröge sowie Sitzstangen angeschafft werden. Um die Hühner vor Raubvögeln zu schützen, sollten sie sich unterstellen können, falls sich ein natürlicher Feind nähert.

Sind nun alle Gegebenheiten für eine optimale Haltung erfüllt, freut sich der Besitzer auf die ersten Eier. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten: Um der Salmonellenbelastung entgegenzuwirken, rät Wissinger, Hühnern keine unbehandelten Eierschalen zu verfüttern. Stattdessen könne, um den Kalziumbedarf der Tiere zu decken, auf Präparate zurückgegriffen werden. So vermeide man auch, dass die Hühner konditioniert werden, ihre eigenen Eier anzupicken.

Die gesammelten Eier lagern am besten in einem Bereich, der die Zimmertemperatur nicht überschreitet. Sobald die Eier der eigenen Hühner verkauft werden, egal in welchem Umfang, müsse eine Registrierung als Lebensmittelunternehmer erfolgen, erklärt der Veterinär. Damit gehen noch weitere Auflagen einher. Für den privaten Gebrauch gebe es keine Einschränkungen bei der Quantität der Eierproduktion.

Hahn-Besitzer sollten nachts für Ruhe sorgen

Was aber, wenn in der Nachbarschaft nicht nur Hennen ein neues Zuhause finden, sondern fortan auch ein Hahn kräht? Das kann mitunter störend sein, auch wenn man im ländlichen Gebiet wohl ab und an damit rechnen muss, wie Yannik Wendel, zuständig für Bürgerdienste bei der Verbandsgemeinde (VG) Lauterecken-Wolfstein, betont. „Man erhält den einen oder anderen Beschwerdeanruf, aber eine größere Ruhestörung durch einen Hahn ist uns nicht bekannt“, sagt er. Wendel rät bei anhaltender Lärmbelästigung dazu, ein Lärmtagebuch zu führen und die Störung genau zu dokumentieren.

Wie teuer kann so ein Vergehen werden? Moritz Schmelzer von der VG klärt über die drohenden Bußgelder auf: „Es ist zu unterscheiden zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Lärmbelästigung. Das Höchstmaß beträgt bis zu 5000 Euro.“ Eine ganze Stange Geld also, sollte der Nachbarschaftsstreit eskalieren. Grundsätzlich sind Besitzer eines Hahnes dazu angehalten, zwischen 19 Uhr abends und acht Uhr morgens für Ruhe zu sorgen. Ob sich der Hahn das vorschreiben lässt, ist jedoch die andere Sache. Doch vielleicht gelingt es, erzürnte Nachbarn mit einem frischen Ei aus dem eigenen Garten zu beruhigen.

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