Schönenberg-Kübelberg
Steven Rayburn spielt am 14. August in Schleppis Biergarten
Eigentlich wollte Steven Rayburn immer ein Jazzer sein. Ein Tenorsaxofonist, so wie Dexter Gordon, die bis heute einflussreiche Musik- und Filmlegende. Oder wie Charlie Parker, den sie Bird, Vogel, nannten, weil er so irre schnell spielte. „Wenn ich jetzt mein Saxofon holen würde, könnte ich direkt loslegen“, sagt Rayburn lächelnd. Stattdessen zwitschert er schnell mal ein paar Original-Parker-Melodien und spielt Luftsaxofon dazu am hölzernen Esstisch in Altenglan, wo die offene Terrassentür den Blick übers Tal freigibt.
Von Körborn ist die Familie an den Glan gezogen: Eltern, drei Töchter zwischen 16 und 20, zwei Hunde, eine Katze. Und jede Menge Instrumente. Wenn er deutsche Kollegen betrachte, habe er oft das Gefühl, dass sie ganz konzentriert auf eine Sache seien, sagt der 54-Jährige bei einer Tasse Kaffee, (koffeinfrei, das verträgt er besser). „In Amerika ist das anders“, findet er. Seine Lehrer, seine Professoren – alles Multiinstrumentalisten. Er selbst natürlich auch: Saxofon (das war der Anfang), Fagott (in den Klang hat er sich verliebt und es dann auch studiert), Gitarre und Mandoline (beides spätere Errungenschaften), Anblastrommel (das aktuelle Projekt) und Gesang (in seiner Countryrockband zum Beispiel). „Die Fähigkeiten kann man sich erarbeiten“, sagt Rayburn. Schwieriger sei es mit dem Gefühl für die Musik.
Zurück zu den Wurzeln
Recht frisch noch prangt auf dem rechten Unterarm eine Tätowierung: die liegende Acht, das Unendlichkeitssymbol, verbunden mit Noten, Viertel und Achtel. „Zu singen ist es etwas schwierig “, erzählt Rayburn und lacht schon wieder. Es sei ein Familientattoo, auch die Töchter tragen es, und es symbolisiert das, was Rayburn wichtig ist: seine Lieben und die Musik. Auf den anderen Unterarm will er bald auch Noten stechen lassen. Die kann er jetzt schon singen: Es ist der Einstieg in Strawinskys Frühlingsritus. Seine klassische Seite lebt Rayburn unter anderem im Holzbläserquintett Nimm 5 aus. Countryrock ist ein Schritt zurück zu den Wurzeln: „Es ist die Musik meiner Eltern.“
Festlegen lässt und kann sich Rayburn nicht. „Musik ist in unserer Seele, ist unser Sein“, findet er. „Die Künste gehören zu den wichtigsten Dingen, die wir haben. Das ist tief drinnen.“ Auch deshalb findet er die Biergarten-Konzerte im Gasthaus Schleppi, bei denen er mit der Steven Rayburn Band am 14. August auftreten wird, „eine großartige Serie“. „Man sitzt mit Leuten am Tisch und hört Musik. Was gibt es Schöneres, nicht nur in Zeiten von Corona ...“ Im vergangenen Sommer gastierte er schon einmal mit seiner Band und dem Programm von Shania Twain bis Lynyrd Skynyrd und Kenny Rodgers dort – und ist immer noch begeistert von den Linedancern, die in stilechten Klamotten vorbeigekommen waren. Seine Bühnenkleidung ist ähnlich, „vielleicht ein bisschen ein Klischee“, sagt er, „aber hey, es ist Countrymusic“.
Der Opa war ein Cowboy
Steven Rayburn stammt aus Oklahoma City, dort wuchs er in den 1960-Ern heran. Der Opa mütterlicherseits war ein Cowboy, der Opa väterlicherseits indianischer Abstammung. Im Radio lief der „Jodler“ Jimmie Rodgers, auch mal Big-Band-Swing a la Glen Miller. In dessen Orchester hat Rayburn auch schon Saxofon gespielt, lange nach dem frühen Tod des Meisters freilich.
Swing mag Rayburn sowieso – „jede amerikanische Musik soll swingen, es ist ja ein Mix aus westlicher und afrikanischer Musik“. Und heute findet er auch Country wieder gut. Doch als Teenager war erst mal Schluss damit, Steven wollte Rockstar sein, so wie die von Led Zeppelin. Eine Rockband hatte er tatsächlich, dann war er Teil einer Jazzformation mit festen, professionellen Auftritten. Als Musiker absolvierte er auch seine sechs Jahre beim Militär in Virginia. Er spielte in der Elite Continental United States Army Band, einem Ensemble, das er als Schwesterband jener Formation bezeichnet, die die US-Streitkräfte früher in Sembach unterhielten. Und warum blieb er nicht und wurde Musiklehrer? „Das zu sein, habe ich mir eigentlich immer gewünscht.“
Nach Deutschland kam Rayburn über seine Frau, die zwar Amerikanerin ist, aber eine deutsche Mutter hat. „Inzwischen bin ich fast länger hier als ich irgendwo sonst ununterbrochen war“, sagt Rayburn und lässt die Augen hinter der Brille blitzen. „Ich bin ein ins Musikantenland gewanderter Musikant.“
Info
Steve Rayburn Band mit Sepp Stephan, Nicole Geier, Michael Schäfer, Antje Scotti-Pollmann und Stefan Holzhauser, Samstag, 14. August, 19 Uhr, Schleppis Biergarten, Schönenberg-Kübelberg.