Rammelsbach
Steinbruch-Café: Nachfolger für Ottfried Merz gesucht
Im Dorf grassieren Gerüchte, dass das Rammelsbacher Steinbruch-Café bald schließen wird. Dem ist aber nicht so, erklärt Ortsbürgermeister Thomas Danneck auf Anfrage. Das Ehepaar Merz will das Café auf unbestimmte Zeit weiterführen.
Bäckermeister Ottfried Merz hat mit seinen 67 Jahren schon das Rentenalter erreicht. Er führte zuvor sieben Jahre das Stadtcafé und anschließend weitere sieben Jahre das Café Schwinn in der Kreisstadt. Ursprünglich wollte er in den Ruhestand gehen, nachdem er das Café Schwinn aufgab. Mit Rammelsbachs Ortsbürgermeister sei er aber im vergangenen Jahr ins Gespräch gekommen. Dieser habe ihn gefragt, ob er sich nicht vorstellten könne, im Steinbruch-Café als Angestellter zu arbeiten und die Backwaren im historischen Backhaus herzustellen. Geplant sei gewesen, eine Gesellschaft zu gründen, an dem sich Bürger beteiligen können und bei der Merz angestellt werden sollte.
Als die Gründungsversammlung wegen Corona abgeblasen wurde, einigte sich Merz mit Danneck darauf, das Café übergangsweise mit seiner Ehefrau Christel in Eigenregie zu führen. Mit der Aufgabe des Kuseler Cafés zum Jahresende nahm er nicht nur die Möbel mit nach Rammelsbach, sondern auch seine Mitarbeiterinnen.
Alle bisherigen Anstrengungen erfolglos
Die Beteiligungsgesellschaft konnte nach fast einem Jahr immer noch nicht gegründet werden. Die Suche nach einem Bäckermeister, der die Nachfolge von Merz antreten möchte, gestaltet sich schwierig. Alle Anstrengungen seien noch nicht gefruchtet, wie Danneck berichtet. Rat habe er bei der Handwerkskammer und bei einem Wirtschaftsberater gesucht. Anzeigen habe er auch geschaltet, doch alles ohne Erfolg.
„Es gibt immer weniger Bäcker“, sagt Merz. Abschreckend seien die Arbeitszeiten. Auch sein Sohn und seine Tochter hätten sich andere Berufe ausgesucht. Er habe schon mehrere Lehrlinge ausgebildet. „Keiner arbeitet mehr in diesem Beruf“, sagt der 67-Jährige. Sieben Tage die Woche arbeite er seit 15 Jahren, wie Merz erzählt. Bei der Suche nach einem Nachfolger habe man sogar angeboten, dass nur fünf Tage die Woche gearbeitet werden könne. Doch auch dies habe nichts genützt.
Sogar Gäste aus Idar-Oberstein
Drei Möglichkeiten kann sich der Ortsbürgermeister vorstellen, wie das Steinbruch-Café weiter betrieben werden kann, wenn Merz in den Ruhestand geht: Erstens, ein Bäckermeister betreibt das Café selbständig. „Würde er heute zusagen, könnte er morgen direkt anfangen. Alle Geräte und Maschinen könnte er übernehmen“, sagt Merz. Zweitens, ein Bäckermeister arbeitet als Angestellter im Steinbruch-Café. Dann werde die Beteiligungsgesellschaft gegründet. Drittens, das Steinbruch-Café wird als Filiale von einer Bäckerei geführt. Dann werde allerdings das historische Backhaus stillgelegt.
Bislang hat sich noch keine Variante realisieren lassen. Merz möchte weiterhin dem Steinbruch-Café die Treue halten, „solange es die Gesundheit zulässt“. „Die Arbeit macht mir Spaß und das Rammelsbacher Café läuft gut“, sagt er. Viele Kunden kämen auch aus benachbarten Dörfern. Ein Kunde aus St. Wendel kaufe immer gleich mehrere Brote und friere sie zuhause ein. Ins Café kämen sogar Gäste aus Idar-Oberstein. „In unsere Gegend gibt es ja immer weniger Cafés“, sagt Merz. Die hohen Strompreise, mit denen viele Bäcker zu kämpfen haben, seien für ihn bislang noch kein Grund gewesen, die Preise anzuheben. Schließlich würden im historischen Backhaus fast alle Backwaren in einem Backofen gebacken, der mit Holz beheizt wird.