Kusel
Stefan Simon unterrichtet die Feldenkrais-Methode
Seit drei Jahren bietet Stefan Simon die Feldenkrais-Kurse an – bis dato hatte er sich auf die Kampfkunst Aikido fokussiert. Sowohl als Trainer in den Tageskliniken Kusel und Kaiserslautern als auch bei seinen privaten Kursangeboten. Feldenkrais-Stunden – das sind schon recht außergewöhnliche Eindrücke. Angesprochen auf seine ersten Erfahrungen mit der Methode gibt auch Simon unumwunden zu: „Zuerst war ich skeptisch. Das war schon sehr, sehr merkwürdig, dass mit so Kleinem, so Wenigem, ein so großer Nutzen erzielt werden sollte.“
Physische wie psychische Aspekte
Das liegt nun schon weit mehr als zehn Jahre zurück. An seinem Studienort Berlin besuchte Stefan Simon eine Aikido-Schule, an der er später auch selbst lehrte, und kam dort erstmals mit Feldenkrais in Berührung. Er erinnert sich an Kampfsportler, die sich mit der Methode des israelischen Wissenschaftlers und Judoexperten Moshé Feldenkrais befasst und dadurch ein höheres Niveau in ihrer Sportart erreicht hätten.
Bessere Kampfsportleistungen seien aber keiner der Hauptgründe, aus denen sich in Kusel und Umgebung Menschen seinen Feldenkrais-Kursen anschließen, sagt Stefan Simon lachend. Da stünden oftmals gesundheitliche Aspekte im Vordergrund: physische wie psychische.
In etlichen Reha-Kliniken angewandt
Bei Bewegungseinschränkungen jeglicher Art könne man durch Feldenkrais lernen, „sich wieder freier und leichter zu bewegen“, beschreibt Simon eines der Ziele. Es gehe aber auch darum, „achtsam mit sich umzugehen, seinen Geist auf eine ruhige und sanfte Art zu beobachten“. In etlichen Reha-Kliniken wird die Feldenkrais-Methode mittlerweile angewandt – sowohl in orthopädischen als auch in psychosomatischen.
„Viele Leute sagen: Es ist eine Art Meditation. Und das kann man so stehen lassen“, befindet Simon. Neben Sportlern, die ihre Feinmotorik entwickeln wollen, gebe es unter den Feldenkrais-Interessenten auch Künstler, die ihre Selbstwahrnehmung verbessern möchten. Auch immer mehr Physiotherapeuten erweitern ihr Angebotsspektrum um Feldenkrais.
Großes Interesse an der Volkshochschule
Mit 40 Jahren sei er doch ein recht junger Feldenkrais-Lehrer. Auch die Kursteilnehmer seien überwiegend etwas älter, schildert Stefan Simon, der schließlich Anfang 2017 seine Ausbildung als Lehrer am Feldenkrais-Zentrum Heidelberg abgeschlossen hat.
Mittlerweile gibt er neben seinem fortlaufenden wöchentlichen Kurs in Kusel – „mit meistens fünf bis sechs Teilnehmern“ – auch Blockkurse in Saarbrücken sowie seit zwei Jahren an der Volkshochschule (VHS) Kirn. Dort musste er zuletzt in einen größeren Raum umziehen, weil sich gleich zwölf Interessierte für seine Veranstaltungsreihe angemeldet hatten. Schon bald soll Simon dort einen zweiten Kurs anbieten. Das Interesse wächst.
Online-Kurse: Neue Fähigkeiten benötigt
Bei den jüngsten beiden Unterrichtsstunden allerdings war Stefan Simon alleine. Nach knapp vier Wochen Pause hatten sich der Kuseler und die VHS für Online-Übertragungen der Kurse entschieden. Allerdings hätten es nicht alle Teilnehmer geschafft, bewegte Bilder ihrer Übungen auf den Rechner in der VHS zu schicken, berichtet Simon schmunzelnd von den ersten Erfahrungen.
Auch seine eigenen Kurse in Kusel starten jetzt wieder. Ebenfalls per Live-Stream. Der 40-Jährige hat mehrere Tage an den Vorbereitungen gesessen. Die sind ein wenig aufwendiger als in Kirn, denn „dort hat die VHS die Technik gestellt“. Wenngleich ein Feldenkrais-Lehrer meist sitze und verbal anleite: „So ein bisschen ins Blinde zu unterrichten, das ist dann doch eine neue Fähigkeit, die wir lernen müssen“, sagt Stefan Simon. Doch kein Problem – „neu lernen“, das ist einer der Grundgedanken der Feldenkrais-Methode. Lernen, sich zu spüren, sich Bewegungen zu trauen und auf die eigene Rückmeldung zu verlassen. Dadurch althergebrachte Bewegungs-, Denk- und Handlungsmuster zu erkennen, zu durchbrechen und die Bewegungen neu zu erlernen.
Stichwort: Feldenkrais-Methode
Erfinder der Methode ist der israelische Ingenieur, Physiker und Judo-Experte Moshé Feldenkrais (1904 - 1984). Die Teilnehmer werden im Liegen, Sitzen oder Stehen durch einfache Bewegungssequenzen geführt und sollen durch Selbstwahrnehmung ihre Bewegungs-, Denk- und Handlungsmuster erkennen, die für Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder überflüssige Körperspannungen verantwortlich sind. Ziel ist es, dass sie sich durch das achtsame Forschen nach den Stunden entspannter, leichter, fähiger und befähigter fühlen.
Feldenkrais setzt am lebenslangen Lernen an. Durch einfache, bewusst ausgeführte Bewegungen soll ein Lernprozess ausgelöst werden, der ähnlich dem bei der Entwicklung vom Baby zum Kleinkind ist. Dabei sollen die im Laufe des Lebens oft zufällig gebildeten Verschaltungen im Gehirn geändert und verbessert werden, so dass alte Bewegungsmuster aufgelöst werden. Im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit, nicht die physische Ausführung der Übungen.