Kreis Kusel
Statt Super- eher Wochenmarkt – In Corona-Zeiten ändern Kunden ihr Einkaufsverhalten
Ob jedoch tatsächlich Corona für den steigenden Absatz sorgt, davon sind nicht alle Selbstvermarkter überzeugt. Roland Stichlmeir berichtet von „kontinuierlichen Umsatzsteigerungen“ beim Verkauf des „Erdesbacher Ziegenkäse“ – zumindest auf dem Wochenmarkt in Kaiserslautern. Er führe dies allerdings nicht unbedingt auf Corona zurück, sagt Stichlmeir. Allerdings beobachte er, dass die Leute aktuell lieber auf dem Wochenmarkt einkaufen als etwa im geschlossenen Supermarkt. Offenbar ist dort die Sorge vor Ansteckung geringer ausgeprägt.
Milchabsatz steigt
Ähnliches berichtet Jörg Brassel aus Albessen. Der Milchbauer, der seit einigen Jahren mit Milchautomaten einen zusätzlichen Schritt in die Selbstvermarktung gegangen ist, registriert steigende Absätze an Outdoor-Automaten. So habe sich der Absatz an den Automaten in Konken, Waldmohr, Lauterecken und Altenglan seit dem Beginn der Krise deutlich um rund 20 Prozent erhöht. Milchautomaten, die dagegen in Geschäften platziert sind – wie etwa bei Globus in Kaiserslautern oder Einöd – würden vergleichsweise weniger stark genutzt, schildert der Landwirt aus Albessen. Der Milch-Absatz an Bäckereien sei gleich geblieben. Weggebrochen sei dagegen die Belieferung von Eisdielen, denn diese haben schließen müssen. In Krisenzeiten, in denen manch einer sich um Lebensmittel sorgt und Hamstereinkäufe tätigt, beruhigt Brassel: „Milch gibt es immer!“
Auch Fleisch ist keine Mangelware. Heike Boßert, die mit ihrer Metzgerei aus Freisen freitags den Kuseler Wochenmarkt bedient, berichtet von einer verstärkten Nachfrage. „Die Leute kaufen bewusster ein“, beobachtet Boßert, die verspricht, das Angebot in Kusel weiterhin aufrecht zu erhalten.
Auch Doris Simon aus Blaubach, die Rindfleisch von „Simonswiese“ vermarktet, registriert aktuell ein gestiegenes Bewusstsein der Kunden. Viele hätten jetzt Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen, meint Simon, die sich freut, wenn der Landwirtschaft ein höherer Stellenwert zugemessen wird. Die Nachfrage nach Rindfleisch habe in ihrem Betrieb insgesamt angezogen, sagt Simon. Ob dies unbedingt mit der Corona-Krise zu tun hat, bezweifelt sie jedoch.
Eine klare Folge sei allerdings, dass die Firma Braun in Konken derzeit keine Lohnschlachtungen mehr anbieten könne, berichtet Simon weiter. „Ich könnte Fleisch verkaufen, aber es wird derzeit nicht geschlachtet“, bedauert sie. Bisher habe sie in den Metzgereihallen die Fleischpakete verpackt. Nun würden Firmenfremde wegen Ansteckungsgefahr abgewiesen. Daher ist Simon jetzt auf der Suche nach einer Alternative. Wenn alles klappt, werde sie die Fleischpakete diesmal allerdings eher anonym ausfahren und mit der Bitte um Überweisung einfach vor der Haustür abstellen. Der übliche Schwatz und das direkte Bezahlen müssten wegfallen.
Keine größeren Auswirkungen der Corona-Krise aufs Geschäft beobachtet Elsbeth Gerthner vom Hofladen auf dem Mayweilerhof. „Einige Kunden kaufen mehr Haltbares wie Dosenwurst und nehmen auch mal ein eingefrorenes Brot mit“, berichtet sie. Sie backe minimal mehr, allerdings führe die Krise im Hofladen nicht zu wachsendem Absatz. Auch bei der auf ihren Sohn Alexander angemeldeten Solidarischen Landwirtschaft seien noch keine Veränderungen durch Corona erkennbar. Das neue Wirtschaftsjahr beginnt am 1. April. Es hätten sich bisher aber nicht wesentlich mehr Personen für das Angebot der „Solawi“ angemeldet, weiß Gerthner.
Auch negative Auswirkungen
Nicht alle Selbstvermarkter profitieren also von der Krise. Einige berichten der RHEINPFALZ sogar vom genauen Gegenteil. So registriert Ute Theiß aus Albessen einen „kompletten Einbruch“ beim Ziegenkäse. „Unser Hauptverkauf findet auf Bauernmärkten statt“, erläutert sie. Und die seien alle abgesagt. Theiß beliefert zwar noch das Kulinarische Haus in Konken und die Marktschwärmerei in Kaiserslautern – allerdings würden ihre Käsespezialitäten dort weiterhin nur in geringem Umfang nachgefragt. Daher produziere sie aus der Ziegenmilch nur noch kleine Mengen frischen Käse. Die meiste Milch verwende sie für haltbaren Bergkäse, berichtet Theiß.
Auch Doug’s Farm in Odenbach spürt keine Auswirkungen der Corona-Krise. Wie Isabella Stewart berichtet, ist das Paar seit Januar im Ruhestand. Viermal im Jahr werde geschlachtet. „Wir haben nur noch feste Bestellungen von rund 40 Kunden“, sagt Stewart.
Mehr als sonst ist in diesen Tagen beim Demeter-Laden „Lebendige Erde“ auf dem Ausbacherhof bei Reipoltskirchen los. Wie Elsbeth Pfleger berichtet, kämen auch Kunden, „die wir noch nie in unserem Bioladen gesehen haben“. Hamsterkäufe registriert sie „wenige“, generell seien die Kunden sehr diszipliniert. Engpässe gebe es nicht. Dafür sorgten zahlreiche unterschiedliche Lieferanten.
Beim Lieferservice des „Hof am Weiher“ in Albessen ist telefonisch niemand erreichbar. Vom Band erhält der Anrufer die Information, dass derzeit keine Getränke mehr ausgeliefert werden können und Neukunden nicht mehr angenommen werden. Schon vor einigen Tagen hatte die Geschäftsführung von einer stärkeren Nachfrage berichtet.