Wahnwegen
Solarpark bei Wahnwegen? Firme präsentieren Pläne im Rat.
Der Ortsgemeinderat hat im vergangenen Jahr den Grundsatzbeschluss gefasst, ein Nahwärmenetz in dem 670 Einwohner zählenden Dorf aufzubauen, das mit einem Mix aus Wind- und Sonnenstrom betrieben werden soll. Sieben Firmen hatten in den vergangenen Monaten Interesse signalisiert, auf Wahnwegener Gemarkung Solarparks zu errichten und teilweise auch in Eigenregie zu betreiben.
Ein Projektierer hat zwischenzeitlich abgesagt, die restlichen sechs waren zu einer Projektvorstellung im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung eingeladen worden. Vier Unternehmer, die alle deutschland- und zum teil weltweit agieren, hatten ihre Projektentwickler am vergangenen Montag nach Wahnwegen geschickt. Dort stellten sie ihre Vorhaben den Wahnwegenern in jeweils halbstündigen Präsentationen vor.
Welche Firmen wollen in Wahnwegen Solarparks bauen und haben ihre Projekte am Montag im Gemeinderat vorgestellt?
Die Naturstrom AG aus Eggolsheim in Oberfranken, die Anumar GmbH aus Ingolstadt in Oberbayern, die Grünstrom GmbH aus Mühlheim a. d. Ruhr und die Sunera Erneuerbare Energien GmbH aus Sulzbach im Saarland.
Wie groß sind die von den Unternehmen geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlagen und wo sollen sie entstehen?
Naturstrom AG: 19 Hektar nördlich des Dorfes und des Schützenhauses mit einer Leistung von maximal 20 Megawatt. Die Anlage kann pro Jahr bis zu 20 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Das ist ausreichend für 5500 sogenannte Durchschnittshaushalte mit einem Verbrauch von rund 3100 Kilowattstunden Strom im Jahr.
Anumar GmbH: Vier Hektar westlich der Gemeinde nahe beim Friedhof mit einer Leistung von 5,2 Megawatt, also rund ein Viertel der Dimensionen der Anlage der Naturstrom AG.
Grünstrom GmbH: Rund 20 Hektar im Süden der Gemeinde und südlich der L 352. Die Anlage hat eine Leistung von maximal 19 Megawatt und kann Strom für bis zu 6500 Haushalte produzieren.
Sunera GmbH: 15 Hektar nordöstlich der Gemeinde Richtung Hüffler. Die Anlage hat eine Leistung von maximal 15,5 Megawatt und kann pro Jahr Strom für bis zu 4000 Haushalte produzieren.
Wie weit sind die Planungen?
Alle Unternehmen haben feste Zusagen beziehungsweise Interessensbekundungen eines Großteils der Flächenbesitzer, die bereit sind, zu verkaufen oder für 30 Jahre zu verpachten. Die Sunera GmbH hat bereits eine Einspeisezusage der Pfalzwerke, die das lokale Mittelspannungsnetz bei Wahnwegen betreiben. Im günstigsten Fall, wenn die Gemeinde im ersten Quartal 2023 einem Projektierer den Zuschlag für den Bau einer Photovoltaik-Freiflächenanlage gibt, könnte Mitte kommenden Jahres mit dem Bau der Anlage begonnen werden.
Was spricht für Wahnwegen als Standort einer Photovoltaik-Freiflächenanlage?
Die Pfalzwerke AG unterhalten unmittelbar nordwestlich der Gemeinde ein Umspannwerk, das als Einspeisepunkt für den Sonnenstrom genutzt werden kann. Die Projektierer sparen sich dadurch den Neubau langer Leitungstrassen, für die sie unter anderem Pacht bezahlen müssen. Die Gemeinde plant den Bau eines Nahwärmenetzes, das mit Sonnen- und Windstrom betrieben werden soll und will als Partner in das Unternehmen einsteigen, das die Photovoltaik-Freiflächenanlage betreibt.
Welchen Mehrwert haben die Gemeinde und die Wahnwegener von einer Photovoltaik-Freiflächenanlage auf der Gemarkung des Dorfes?
Drei Projektierer garantieren der Gemeinde eine sogenannte Akzeptanzzahlung in Höhe von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom, was Wahnwegen zusätzliche Einnahmen von bis zu 40.000 Euro pro Jahr bescheren könnte. Für die Menschen im Dorf bieten ebenfalls drei Projektierer besondere Stromtarife an, die zwei bis drei Cent unter den Preisen der lokalen Anbieter liegen. Außerdem bieten alle Firmen finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Varianten an, beispielsweise als sogenannte Bürgeraktien oder in der Form fest verzinster Kapitalanlagen mit einer Rendite von bis zu vier Prozent.
Was sagt der Gemeinderat zu den Präsentationen?
Der Rat kritisierte, dass die Projektierer zum Teil schon Vorverträge mit Grundstücksbesitzern aus dem Dorf abgeschlossen haben, obwohl der Rat noch nichts vom Engagement der Firmen im Dorf wusste.
Wie geht’s weiter?
Die Sitzung am Montag diente ausschließlich der Information. Der Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung wieder mit dem Thema Photovoltaik-Freiflächenanlage beschäftigen. Die Entscheidung darüber, wo und in welcher Größe ein Sonnenkraftwerk auf Wahnwegener Gemarkung gebaut wird, liegt beim Gemeinderat.