Waldmohr
Sinkende Grundwasserspiegel: Trocknet die Westpfalz aus?
Das Grundwasser ist nach Worten Hans Jürgen Hahns ein verbindendes Element im Landschaftswasserhaushalt. Es sei als „Lebenselixier“ für Menschen, Tiere und Pflanzen unerlässlich, sagt der Professor für Grundwasserökologie an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Doch seit den 1970er Jahren sinkt bundesweit der Grundwasserspiegel. Dabei gab es immer wieder Schwankungen: Die 1970er waren eher trocken, die 1980er eher nass. Das ausgesprochen regenarme und heiße Jahr 2003 markiert einen Einschnitt: Seitdem gab es kein wirklich nasses Jahr mehr.
Grundwasser bildet sich hauptsächlich aus Niederschlägen, die in die tieferen Bodenschichten sickern. Dazu kommt Wasser aus Bächen und Flüssen, das in den Untergrund gelangt. Üblicherweise bildet sich das Grundwasser im Winterhalbjahr neu. Dann ruht die Vegetation, und die Verdunstung ist niedrig. In heißen, regenarmen Sommermonaten sieht es anders aus. Dann verbrauchen vor allem die Pflanzen und Tiere Wasser, und wegen der hohen Temperaturen verdunstet zusätzlich ein erheblicher Teil. Sind dann auch die Wintermonate vergleichsweise trocken – ein Phänomen, das in jüngster Zeit schon öfter aufgetreten ist –, kann das Grundwasser kaum auf seinen üblichen Pegel steigen.
Drei Gründe genannt
Verantwortlich für das momentane Sinken des Grundwasserspiegels macht Hahn drei Faktoren: zum einen den Klimawandel. Die zunehmende Erderwärmung verlängert die Vegetationszeit – von 1881 bis 2018 ist die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad Celsius gestiegen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sich die Verdunstung erhöht. Auch ist der Jahresniederschlag in Rheinland-Pfalz in den zurückliegenden 25 Jahren erheblich zurückgegangen: Im Durchschnitt wurden zwischen 2003 und 2020 je 688 Millimeter gemessen, zwischen 1951 und 2002 waren es noch 863 Millimeter. Gleichzeitig haben Starkniederschläge und Überflutungen zugenommen.
Zweitens fördert die Flurbereinigung den Oberflächenabfluss des Wassers. Es werden Drainagen verlegt, um Äcker und Weinberge einfacher zu bearbeiten. Das Wasser aus Äckern und Weinbergen fließt geradewegs ab. Hinzu kommt die Versiegelung der Landschaft durch immer mehr Gebäude und Straßen. Die Folge: Es kann sich weniger neues Grundwasser bilden. Seit 2003 sind es im Durchschnitt 25 Prozent weniger als zuvor; es liegt derzeit bei etwa 74 Millimetern. Als dritten Grund nennt Hahn die „Übernutzung der Wasserressourcen“ durch Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung sowie Gewerbe und Industrie. An dieser Stelle sei dringend ein Umsteuern vonnöten.
Höhere Schadstoffkonzentration
Was sind die Folgen, wenn der Grundwasserspiegel sinkt? Hahn zeichnet ein düsteres Bild: Wenn Quellen und Bäche versiegen, entstehe nicht nur ein Mengen-, sondern auch ein Güteproblem. Im weniger werdenden Wasser nehme die Konzentration der Schadstoffe zu. Obendrein werde das belastete Oberflächenwasser durch die sinkenden Grundwasserspiegel in die Tiefe gezogen. Das Grundwasser verschmutze und erwärme sich. Die Grundwasserökosysteme werden geschädigt, und an der Erdoberfläche schwinde der Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere zusehends.
Hahn hält fest, dass die „Westpfalz einmal sehr wasserreich war“. Gerade im Landstuhler Bruch bildet sich nun aber ebenfalls immer weniger neues Grundwasser. So ist die Grundwasserneubildung zwischen 2003 und 2020 im Vergleich zu den Jahren 1951 bis 2002 um etwa 50 Prozent gesunken. Zahlreiche Feuchtgebiete im Bruch fallen trocken.
Valide Daten fehlen
Positiv für die Westpfalz ist indes der Buntsandstein. Wie ein Schwamm saugt dieser sich mit Wasser voll, kann somit gut als Grundwasser-Speicher dienen. Es ist davon auszugehen, dass sich unter der Westricher Niederung ein großes Grundwasservorkommen im Buntsandstein befindet. Gespeist wird es über Zuströme aus dem Umland, vor allem aus dem Pfälzerwald.
Als Problem bezeichnet der Wissenschaftler das Fehlen von Messstellen und damit von validen Daten aus der jüngsten Zeit. Vor allem aber vermisst er einen ganzheitlichen, gebietsübergreifenden Ansatz bei der Bewertung der Grundwasservorkommen und möglicher Auswirkungen weiterer Grundwasserentnahmen: So arbeiteten die saarländischen Behörden ganz offensichtlich mit alten, längst überholten Daten zur Grundwasserneubildung und würden sich kaum mit den rheinland-pfälzischen Behörden abstimmen. Deshalb warnt Hahn vor weiteren und zunehmenden Wasserentnahmen. Die kritische Marke sei vermutlich bereits erreicht.
Das sagt der Wasserzweckverband
Der Wasserzweckverband Ohmbachtal betreibt in Schönenberg-Kübelberg fünf Brunnen und in Elschbach zwei. Diesen werden laut Werkleiter Titus Müller-Skrypski seit dem Jahr 2003 jährlich 2,1 bis 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Von 1990 bis 2001 wurden an den benachbarten Verband Westpfalz drei Millionen Kubikmeter pro Jahr geliefert. In den Folgejahren sank dieser Wert auf 350.000 bis 500.000 Kubikmeter. In dem neuesten Vertrag sei eine maximale jährliche Menge von 700.000 Kubikmetern vereinbart worden.
Seit dem Jahr 1991 werden laut Müller-Skrypski die Grundwasserstände gemessen. Als „sehr eindrucksvoll“ und auffallend bezeichnet er die höheren Entnahmemengen der Jahre 1990 bis 2001, die später wieder zurückgefahren wurden. Aus diesem Grund sowie dank der langanhaltenden Niederschläge in den Jahren 2000 und 2001 seien „die Pegel auf ein Allzeithoch angestiegen“. Aktuell seien diese Werte nochmals überboten worden.
Punktuell große Unterschiede
Insgesamt bewertet der Werkleiter die Grundwasserneubildung – abhängig von den Niederschlägen – als „sehr gut“ und als „deutlich höher“ als in manchen anderen Regionen. An der Messstation Bruchmühlbach würden seit 1980 im Durchschnitt 823 Liter pro Quadratmeter und Jahr registriert. In „den grundwasserbildenden Wintermonaten“ sei die Menge um etwa 13 Liter höher als in den warmen Monaten.
An der Messstation Kübelberg wurden – zwischen September 2022 und Oktober 2025 – im Jahr durchschnittlich 1200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. Bei der nur rund 5,5 Kilometer entfernten Messstation Dunzweiler-Eulenkopf dagegen liege der Wert um etwa 40 Prozent niedriger.