Kreis Kusel „Sei du selbst ...“
Im vergangenen Jahr fertigten acht Schüler der Klasse 10a des Veldenz-Gymnasiums Lauterecken einen Kurzfilm zu den Themen Mobbing, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Bodyshaming, also dem Schamgefühl gegenüber dem eigenen Körper, an. Für ihren Beitrag beim Wettbewerb „Push“ des Pfalztheaters Kaiserslautern wurden sie gestern mit einer Urkunde ausgezeichnet. Zusätzlich werden sie im Mai Molières Komödie „Der Geizige“ im Pfalztheater sehen.
Musik- und Konzertpädagogin Tanja Hermann vom Pfalztheater berichtete, dass sich beim pfalzweiten Wettbewerb „Push“ 13 Schulen rund um Kaiserslautern beteiligt hatten, darunter das Lauterecker Gymnasium als einzige Schule aus dem Kreis Kusel. Ziel des Wettbewerbs ist es, Jugendlichen einen zeitgemäßen und hautnahen Zugang zum Theater zu bieten. Durch die Klassenzimmeraufführungen, wie es eine auch gestern gab, soll Theater im bekannten Lernraum erlebbar werden. Die Projektleiterin erklärte, dass die Themen des Wettbewerbs Freundschaft, Vertrauen, Respekt und Auseinandersetzung mit den Weltreligionen waren. Die Schüler der zehnten Klasse hatten das weiter gefasst und sich mit Mobbing, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Bodyshaming auseinandergesetzt. Lehrer Ulrich Königstein hatte die Schüler auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht und als Ratgeber fungiert. Von der Idee, über die selbst gedrehten Alltagssituationen, bis hin zum Schnitt, hätten die acht Schüler ihren rund dreiminütigen Film „Sei du selbst, denn die anderen gibt es schon“ komplett in Eigenregie angefertigt, erklärte der sichtlich stolze Lehrer. Die Schüler erhielten gestern eine Urkunde und folgten dann aufmerksam dem vom Pfalztheater-Schauspieler Stefan Herrmann aufgeführten Klassenzimmertheaterstück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ nach Eric-Emmanuel Schmitt. Herrmann erzählte den Schülern eine Art Großstadtmärchen mitten aus Paris. Der jüdische Jugendliche Momo, der eigentlich Moses heißt, berichtet aus seinem Leben mit seinem depressiven Vater, dem er nichts recht machen kann, Prostituierten in der Rue du Paradis, die er bereits mit 13 Jahren aufsuchte, um für 200 Francs zum Mann zu werden. Das Geld ist immer wieder knapp, aber im Laden von Monsieur Ibrahim stiehlt der Junge immer wieder, was er benötigt. Statt dem Jungen eine Standpauke zu halten, muss Momo schwören, nur noch bei ihm zu stehlen, und so nähern sich die beiden nach und nach an. Es bahnt sich eine wunderbare Freundschaft an zwischen dem jugendlichen Juden, der nicht weiß, was es heißt, eine Jude zu sein, und dem immer lächelnden Monsieur, der für jede Herausforderung des Lebens etwas Passendes im Koran findet. Momo lernt von seinem erwachsenen Freund, dass eben nicht nur reiche und glückliche Menschen mit einem Lächeln durchs Leben gehen, sondern dass Lächeln selbst glücklich macht, Türen öffnet (auch mal die von Prostituierten, die bisher nichts von Momo wissen wollten) oder auch, dass die Langsamkeit das Geheimnis des Glücks ist. Die Parabel vom gegenseitigen Verständnis jenseits aller Glaubens- oder Altersunterschiede zeigt, dass Freundschaft nicht von irgendwelchen äußeren Faktoren abhängig ist. Das Stück ist ein Plädoyer für mehr Toleranz und wurde gestern von einer begeisterten Schülerin spontan mit einem „Wow“ gewürdigt, bevor der Applaus einsetzte. Roland Sander von der Kreissparkasse, die den Wettbewerb unterstützt, war im Anschluss angetan vom Stück und auch dem Schauspieler, der mit teils derber Sprache, Mimik und Gestik die Schüler fesselte.