Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Sebastian Krumbiegel auf dem Koch’schen Markt

Gute Laune, höchst brisantes Thema: Sebastian Krumbiegel rief in Kusel zum Widerstand gegen Rassismus auf.
Gute Laune, höchst brisantes Thema: Sebastian Krumbiegel rief in Kusel zum Widerstand gegen Rassismus auf.

Buntes Treiben am Mittwochabend auf dem Koch’schen Markt in Kusel. „Prinzen“-Frontmann Sebastian Krumbiegel sang bei milden Temperaturen eigene Lieder, aber auch Songs seines großen Vorbilds Udo Lindenberg.

Viele Menschen saßen schon lange vor dem Konzert um Tische und Bänke auf dem Koch’schen Markt oder unterhielten sich an den Ständen von „Demokratie leben“. Vorab trat der Luxemburger „de Pascal vu Wooltz“ auf die Bühne. Mit eigenen Liedern wie „Kein Bock auf Nazis“, „My dearest Friend“ und „The Room“ positionierte er sich gegen Rassismus und Faschismus. Auch Privates war Thema in seinen temperamentvollen Balladen, zu denen er sich auf der Gitarre begleitete.

„Ech wees ek Nik“, sang er mit kehlig-warmer Stimme zu rockig pulsierenden Klängen über eine Beziehungskiste. „Ich hab’ Kusel selten so bunt gesehen wie heute. Und das macht mich sehr glücklich“, wandte Pascal sich an sein Publikum. Auch Sebastian Krumbiegel begrüßte die Zuhörer gut gelaunt. „2017 war ich zum ersten Mal in Kusel, wir sind also jetzt im verflixten siebten Jahr“, meinte er augenzwinkernd. Auch er bezog von Anfang an politisch Stellung.

„Keine Alternative, sondern Schande fürs Land“

„Wir haben keinen Bock auf Nazis, wir haben Bock auf blauen Himmel und schöne Frauen“, rief er. „Mein erstes Lied ist über eine alte Lady, eine sehr attraktive Lady, eine Frau, um die wir uns kümmern sollten. Und wer das ist, erfahrt ihr jetzt“, machte er sein Publikum neugierig.

„Die Demokratie ist weiblich“, stimmte Krumbiegel sodann sein Lob auf eine Staatsform an, die alle Menschen einbezieht. „Ich glaube, dass die Liebe und die Hoffnung ihre Schwestern sind. Barmherzigkeit und Humanität sind genau das, worum es geht.“ − „Wie komm’ ich damit klar, dass der Friede männlich ist, genau wie der Krieg und der Sieg?“, fragte der „Prinzen“-Sänger zu mitreißenden Akkorden am Stage-Piano. „Ich will ein Leben lang für diese Demokratie einstehen.“

„Grätscht rein!“

Weiter plauderte der Musiker in bester Stimmung: „Ich bin grade dabei, eine neue Platte zu machen und schreib dazu neue Songs.“ Eins davon ist „Sei auf Risiko“, in dem es unter anderem heißt: „Was hab’ ich schon zu verlieren außer den Ängsten und den Zweifeln?“ Er spricht sich hier Mut zu und betont, dass man sich nie dazu verbiegen sollte, es allen recht machen zu wollen.

„Wir alle sollten laut sein und unsere Stimme erheben, wenn irgendjemand rassistischen Scheiß erzählt. Grätscht rein gegen Rassismus“, forderte Sebastian Krumbiegel seine Kuseler Zuhörer auf. „Wo sind die Nazis? Was sind das für Leute? Was machen die heute?“, sang er zu schnellen rhythmischen Klavier-Patterns. „Die Alternative für Deutschland ist eine Schande für Deutschland. Am Ende wird die Liebe siegen, der Hass wird nicht gewinnen.“ Mit „Nicht noch mal“ und „Der Führer hätte sich gefreut“ forderte er alle auf, Stellung gegen Neonazis und Ausländerfeindlichkeit zu beziehen.

Respektvoll und miteinander

Auch auf Persönliches ging Krumbiegel in seinen Moderationen ein. „Wir alle fragen uns, warum sind wir so geworden, wie wir sind? Ich versuche demütig auf das zu blicken, was ich erleben durfte.“ Deshalb hat der aus Leipzig stammende Sänger, der Rio Reiser, Queen, Freddy Mercury und Johann Sebastian Bach zu seinen Vorbildern zählt, ein Lied über seine Kindergartentante Dagmar geschrieben - und über die Zuversicht, die sie ihm vermittelt hat.

Mit „Leben“ interpretierte Krumbiegel einen Song seines großen Vorbilds Udo Lindenberg, „Immer auf mich zählen“ von den Prinzen und „Sei mein Freund“ von Rio Reiser standen gleichfalls auf seinem Programm: „Am Ende geht es darum, dass wir mit Respekt miteinander umgehen.“

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