KUSEL RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmfest zur Einweihung im Jahr 1933

Freibad-Ansicht aus den 1930er Jahren.
Freibad-Ansicht aus den 1930er Jahren.

Es fließt viel Wasser den Kuselbach hinab, bis die Stadt ein Freibad aufweisen kann. Nachdem erste Pläne schon 1870 reifen, aber dann im Sand verlaufen, gehen nochmals 60 Jahre ins Land, ehe die Badegelegenheit näher rückt.

Treibende Kraft für den Bau einer „Freiluftbadeanlage“ ist der Badeverein Kusel, der sich 1931 konstituiert. Dem Verein gehören neben Kuseler Honoratioren auch Bürger aus Diedelkopf an. Denn unter mehreren möglichen Standorten fällt die Wahl auf ein Gelände am Aalbach in der Gemarkung Diedelkopf.

Vorsitzender des Badevereins ist Ernst Niebergall, Direktor der Höheren Mädchenschule, als weitere Mitglieder gehören dem Verein an: aus Kusel Apotheker Karl Roebel, Brauereibesitzer Fritz Koch und Kaufmann Fritz Hoffmann sowie aus Diedelkopf Hauptlehrer Emil Jörg, Bäcker Helmut Emrich und Landwirt Friedrich Gilcher. Im März 1933 zählt der Verein, der als Baubeauftragter fungiert, bereits 36 Vereinsmitglieder.

Baukosten: 35.000 Euro Reichsmark

Kurz vor dem Start der Bauarbeiten am 22. August 1932 schließt die Stadt einen Vertrag mit Klementine Amalie von Chlingensperg, geborene Benzino, und Regierungspräsident a.D. Friedrich von Chlingensperg aus München über die Pacht von 1,24 Hektar Wiesen. Der jährliche Pachtzins beträgt 220 Reichsmark und ist mit einer Goldklausel versehen. Auf Drängen des Stadtrates wird die ursprünglich vorgesehene Pachtdauer von zehn auf 20 Jahre verlängert und ein Vorkaufsrecht der Stadt vereinbart. Weitere 0,6 Hektar werden von Familie von Hartz gepachtet.

Laut einer Aufstellung des Bezirksbaumeisters sind als Baukosten für das Freibad 35.000 Reichsmark kalkuliert. Für die Erdarbeiten werden im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes 15.000 Tagesschichten mit 22.500 Reichsmark vom bayerischen Landesarbeitsamt gefördert. Über diese gegen Ende der Weimarer Republik geschaffene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sind am Beginn der Bauarbeiten zunächst 40 Arbeitskräfte, später täglich 100 eingesetzt. Weitere 12.500 Reichsmark sind für das nötige Material veranschlagt. Die nicht durch Zuschüsse gedeckte Finanzierungslücke wird durch den Verkauf von Anteilsscheinen geschlossen.

Koksfilter reinigt Wasser

Mitte Juni 1933 können erste Badegäste die Anlage mit einem 50-Meter-Schwimmbecken und einem mit einem Holzsteg davon abgetrennten Becken für Nichtschwimmer mit 23 Meter Länge nutzen. Das über ein Koksfilter gereinigte Badewasser stammt aus dem nahen Aalbach. Zur Einweihung am 16. Juli 1933 gibt es ein Schwimmfest mit Tanzmusik, bei dem eine SA-Kapelle aufspielt. Ergänzt wird das spartanische Freiluftbad, in dem von Beginn an Max Bingert Bademeister ist, in den Folgejahren um ein Kassenhäuschen, Umkleiden, zwei Duschen und ein WC. Der Eintritt ins Freibad kostet 1936 für über 17-Jährige 15 Pfennig, die Tageskarte 25 Pfennig und die Dauerkarte fünf Reichsmark.

Im selben Jahr beruft die Stadt einen Beirat für Verwaltung und Betrieb des Schwimmbades, das sie vom Badeverein gepachtet hat. Das Gremium, dem auch ein Vertreter der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront angehört, soll etwa in Betrieben für mehr Zuspruch werben. „Minderbemittelten Kreisen“ soll bei den Gebühren entgegengekommen werden. Die Kuseler Tuchfabrik reagiert prompt mit einem Betriebsappell, in dem die „Gefolgschaft“ zum Schwimmsport ermuntert wird.

„Ausspucken verboten“

Eine 1939 erlassene Badeordnung hat klare Vorschriften zur Bademode: für männliche Personen sind Badehose mit Beineinsatz, für weibliche Personen farbechter Badeanzug und Bademütze vorgeschrieben. „Das Ausspucken auf den Boden oder in das Schwimmbecken ist verboten“, heißt es streng. Ab 1939 muss der Bürgermeister regelmäßig mit dem Militär und dem Reichsarbeitsdienst am Standort Kusel verhandeln, wann und zu welchen Konditionen das Bad während der Öffnungszeit zwischen 6 und 21 Uhr für Soldaten und „Arbeitsmänner“ offensteht.

Anfang der 1960er Jahre ist die Stadt aus Hygienegründen gezwungen, eine Umwälzanlage einzubauen, zudem entstehen 20 Umkleidekabinen, ein Garderobenraum, neue Toiletten und ein Verkaufskiosk. Kostenpunkt: 400.000 D-Mark.

Gespeist wird das Schwimmbad aus dem Aalbach.
Gespeist wird das Schwimmbad aus dem Aalbach.
50 Meter ist das Schwimmerbecken lang, 23 das Nichtschwimmerbecken.
50 Meter ist das Schwimmerbecken lang, 23 das Nichtschwimmerbecken.
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