Kusel
Schutz vor Naturereignissen – Landkreis-Bewohner unterversichert
Im ersten Halbjahr 2020 hätten sich von Naturereignissen hervorgerufene Schäden laut Versicherungswirtschaft bundesweit auf 1,5 Milliarden Euro summiert, sagte Miriam Dühnforth, Geologin und Naturgefahren-Expertin der Versicherungskammer. Allein die Gebäudeschäden beliefen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Und dabei sei 2020 keinesfalls ein besonders extremes Jahr.
Vom Klimawandel ausgelöste steigende Temperaturen, wie sie etwa seit zwei Jahrzehnten registriert werden, führten wegen stärkerer Verdunstung zu Dürreperioden und parallel zu stärkeren Niederschlägen mit Hochwasser, erläuterte die Geowissenschaftlerin. Dass es immer mehr heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius gebe, illustrierte sie anhand der Messwerte der Wetterstation Idar-Oberstein: Dort wurden im vergangenen Sommer 13 „heiße Tage“ registriert, während dies in den zurückliegenden Jahrzehnten lediglich acht jährlich waren. Diesen Trend spiegele auch die Trockenheit der Böden in der Region wider.
Starkregen bereitet Probleme
Diesen Trockenperioden folge häufig Starkregen mit einer stündlichen Niederschlagsmenge von 25 Litern pro Quadratmeter oder 35 Litern innerhalb sechs Stunden, sagte Dühnforth weiter. Neben dem Klimawandel seien es vor allem zunehmender Flächenverbrauch durch Bebauung und Siedlung, sowie Versiegelung von Sickerflächen, die diese Sturzfluten verursachten.
Thomas Spiegel, Agrarexperte er Versicherungskammer, hob hervor, dass zu den Hauptleidtragenden des Klimawandels die Landwirte gehörten, denn sie seien doppelt betroffen: durch Gebäudeschäden und Ernteausfälle. Die Dürreschäden infolge großer Trockenheit hätten 2018 drei Milliarden Euro betragen, sagte Spiegel. Mit einer Mehrgefahrenversicherung könnten Landwirte ihre Ernte gegen Extremwetterrisiken versichern. Anders als bei Frost und Hagel liege derzeit die Absicherung gegen Dürreschäden nur im einstelligen Prozentbereich.
Oft nur Sturm und Hagel versichert
Helmut Käfer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Kusel, äußerte, viele private oder gewerbliche Gebäudebesitzer unterschätzten die Gefahren durch Überschwemmung nach Starkregen oder Hochwasser. Zur Vorsorge könnten sich die Immobilienbesitzer mit einer Versicherung gegen Elementarschäden schützen. In der Gebäudeversicherung seien lediglich Schäden durch Sturm und Hagel abgedeckt. Gebäudeeigentümer sollten sich auf jeden Fall beraten lassen, empfahl er.
Wie Käfer erläuterte, sind im Kreis Kusel nur 28 Prozent der Häuser gegen Naturgefahren versichert, bundesweit seien immerhin 45 Prozent aller Gebäude gegen Elementarschäden abgesichert. Den höchsten Wert weist Baden-Württemberg auf, wo 94 Prozent der Häuser gegen Elementarschäden versichert sind. In Rheinland-Pfalz sind es nur ein Drittel.
Neben der Eigenvorsorge sind auch die Kommunen am Zug. In den Verbandsgemeinden des Landkreises werden derzeit Schutzkonzepte gegen Hochwasser und Starkregen vorbereitet. Die Verbandsgemeinderäte haben damit in den vergangenen Monaten Ingenieurbüros mit der Entwicklung derartiger Konzepte für ausgewählte Gemeinden beauftragt.