Brücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schneewittchen-Kreisel, Froschkönig-Rutsche und Bücherturm erweitern Märchenwald

Werkeln an der Froschkönig-Rutsche: Paul Schäfer (links) und Johannes Huber, Initiator des Brücker Märchenwalds.
Werkeln an der Froschkönig-Rutsche: Paul Schäfer (links) und Johannes Huber, Initiator des Brücker Märchenwalds.

Ein Wunsch ihrer kleinen Tochter hat Elena und Johannes Huber auf die Idee gebracht. Der Märchenwald an der Fritz-Claus-Quelle bei Brücken nimmt inzwischen immer weiter Gestalt an. Noch in diesem Jahr soll das zauberhafte Areal eröffnet werden.

Nicht selten sind es Zufälle, aus denen Interessantes entsteht. Im Falle des Brückener Märchenhains war der Anstoß, dass sich vor zwei Jahren ein kleines Mädchen zum dritten Geburtstag eine Schneewittchenfigur gewünscht hat.

Der Wunsch von Emilie brachte ihre Eltern, Elena und Johannes Huber, ins Grübeln. Schneewittchen und die sieben Zwerge eignen sich kaum als Geschenk. Man trifft sie dort, wo auch Hänsel und Gretel sich verirrten oder Rotkäppchen die Großmutter besuchte. Also in einem dunklen Wald mit mächtigen Bäumen. Eine solche Kulisse bietet der Wald an der Fritz-Claus-Quelle mit der Pfälzerwaldhütte, die seit einigen Jahren im Besitz der Gemeinde ist, die das Haus an einen Gastronomen verpachtet hat.

Schnell Unterstützer gefunden

Seine Idee trug Huber, der auch Erster Beigeordneter in seiner Heimatgemeinde ist, nicht nur in den Gemeinderat, er fand auch und gerade bei Freunden rasch Unterstützer. Es entstanden konkrete Pläne, Anträge wurden gestellt. Aus dem europäischen Förderprogramm Leader flossen 18.000 Euro, die Gemeinde steuerte 6000 Euro bei.

In ungezählten Arbeitseinsätzen ist auf dem terrassenförmigen Gelände hinter der Quelle eine kleine Märchenwelt entstanden, die nicht nur Geschichten der Brüder Grimm in Erinnerung ruft. Für Kinder wurde eine Spiellandschaft geschaffen, die die Entdeckungslust, Kreativität und Fantasie anregt. Noch in diesem Jahr soll der Märchenwald mit einem großen Familienfest eröffnet werden.

Am Anfang standen steinerne Figuren

Ein Märchenwald wird aber nicht gebaut und irgendwann eröffnet. Er wächst und darf ab dem ersten Tag von Kindern entdeckt werden, so die Philosophie von Johannes Huber. Was vor zwei Jahren mit kleinen steinernen Figuren angefangen hatte, wurde um ein Hexenhaus, um die Bremer Stadtmusikanten, eine Königsdroschke und jede Menge kleine Kostbarkeiten erweitert. Hinzu kam ein Schneewittchen-Kreisel, eine Art Karussell.

Noch nicht ganz fertig ist die Froschkönig-Rutsche. Die Froschfigur soll auf einem Betonklotz sitzen, die überdimensionale Zunge fungiert als Rutsche, auf der Kinder hinabsausen können. Entworfen hat dies Ronja Scherz, auf Sperrholz projiziert hat es Elena Huber. Den Entwurf soll nun Paul Schäfer auf Seekiefernplatten übertragen.

Märchenonkel finden Vorlese-Futter

Am großen Sternentalertisch können Erwachsene auf einem Königsthron residieren, um als Märchenonkel oder -tante Geschichten aus der Welt der Prinzessinnen, Hexen und Zauberer zu erzählen. Geschichten aus Büchern, die in einem kleinen Turm aufbewahrt werden. Der Turm war einst ein verwaister Baumstamm. Wieder war es Paul Schäfer, der mit Motorsäge und Kreativität den Stamm zum Bücherregal umbaute. Für Lesestoff sorgt die katholische Bücherei, die die Patenschaft übernommen hat. Ähnlich einer Tauschbörse können im Leseturm Bücher abgegeben und ausgeliehen werden.

Apropos Baumstamm: Aus einem krummen Stamm, den einst Gemeindearbeiter Peter Sommer irgendwo im „Briggerwald“ entdeckte, zauberte Schäfer zwei Eck-Eichenbänke, die sich um eine runde Tischplatte winden.

Es war einmal ... ein Friseur

Noch nicht ganz fertig sind 18 Schautafeln, die die Märchen, Fabeln und Sagen erzählen sollen, die die Gebrüder Grimm gesammelt haben. Neben den Märchen soll aber auch eine „Heldentat“ von Johannes Hubers Großvater der Nachwelt erhalten bleiben, wie Huber mit verschmitztem Lächeln erzählt: „Es war einmal ein Friseur, den alle im Dorf nur ,Schnussers Gerd’ nannten (,schnussern’ steht für Haare aus dem Gesicht entfernen). Er und seine Freundin wurden bei einem Waldspaziergang von einer Rotte Wildschweine bedroht. Die Freundin rettete sich auf einen Baum. ,Schnussers Gerd’ aber stellte sich der wilden Horde entgegen und schlug sie in die Flucht.

So eroberte er das Herz seiner Angebeteten. Sie heirateten und bekamen drei Söhne und eine Tochter. Man munkelt, dass die Wildschweine jenen Baum später zerstörten, damit die Schmach ihrer Niederlage nicht weiter verbreitet werde.“ Doch ein Wald vergisst nicht.

Ein Baumstamm fungiert als Bücherturm: Paul Schäfer hat ihn gestaltet.
Ein Baumstamm fungiert als Bücherturm: Paul Schäfer hat ihn gestaltet.
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