Kusel
Rund 120 Teilnehmer bei Kundgebung gegen Rassismus – AfD-Mann muss gehen
Die Kundgebung, eine Reaktion auf den tragischen Tod von George Floyd in den USA, hatte noch nicht begonnen, da musste der Erste den Kochschen Markt schon wieder verlassen. Marco Staudt, bis vor wenigen Monaten Kreisvorsitzender der AfD, war Organisator Bastian Drumm ein Dorn im Auge. Er schickte ihn weg.
„Wenn ich jemanden von dieser Partei hier zugelassen hätte, hätte ich mich als Veranstalter unglaubwürdig gemacht“, sagt Drumm, der weiß, dass nicht jeder diese Entscheidung gut heißen, gar für diskriminierend halten würde. „Ich bin aber der Meinung, dass man den Rassismus an der Wurzel bekämpfen muss – und das heißt auch, sich klar gegen eine Partei wie die AfD zu positionieren.“ Staudt verließ ohne groß Aufhebens zu machen den Kochschen Markt.
Gute Resonanz
Dort hatten sich schon vor Beginn der Veranstaltung rund 100 Teilnehmer versammelt, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Und das unter bestmöglicher Einhaltung der Corona-Regeln. Viele standen zwar in kleineren Grüppchen, doch der Abstand zur nächsten Gruppe blieb so gut es ging gewahrt. Zudem war auch kaum jemand ohne Schutzmaske zu erkennen.
Während die Kundgebung lief, gesellten sich immer wieder Menschen hinzu, so dass es am Ende zwischen 120 und 130 Teilnehmer gewesen sein dürften. Drumm war vollauf zufrieden. „Auch, weil die Menschen, die hier sind, aus fast allen Gesellschaftsschichten kommen und zum Teil auch weitere Anfahrtswege in Kauf nahmen, um dabei zu sein.“
Das traf beispielsweise auf die sechs Männer des Motorradclubs „Kuhle Wampe“ aus der Region Saarbrücken, die sich nach eigenen Angaben häufiger an solchen Veranstaltungen beteiligen und am Sonntag eigens wegen der Kundgebung nach Kusel gekommen waren – und das, wo doch zur gleichen Zeit in der saarländischen Hauptstadt gegen ein Sonntagsfahrverbot für Motorräder demonstriert wurde.
Starke Worte
Als Redner fungierten Drumm selbst, gefolgt von Clara Seyler, Stadtbürgermeister Jochen Hartloff, dem evangelischen Friedenspfarrer Detlev Besier, der Linken-Kreisvorsitzenden Alina Jurk sowie ihrem Parteigenossen, dem Bundestagsmitglied Alexander Ulrich. Die beiden Letztgenannten sprachen vor allem von einem „strukturellen Rassismusproblem und rechten Tendenzen bei Polizei, Bundeswehr und Verfassungsschutz“ – ein Problem, dessen sich die Politik endlich annehmen müsse, forderte Ulrich.
Clara Seyler sprach vom Alltagsrassismus, den sie auch immer wieder erlebe, Friedenspfarrer Besier forderte die Menschen dazu auf „nicht mit dem Finger in Richtung USA zu zeigen“, sondern den Rassismus vor der eigenen Haustür zu bekämpfen.
Stadtbürgermeister Jochen Hartloff lobte die Anti-Rassismus-AGs an den Schulen im Kreis und forderte, „jedem Menschen offen zu begegnen, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. Vielleicht könne es dann gelingen, dass der Traum von Gleichheit, von dem der schwarze US-Bürgerrechtler Martin Luther King schon vor 50 Jahren in seiner berühmtesten Rede sprach, irgendwann endlich in Erfüllung geht.
Kommentar zu Staudts Rauswurf
Man mag ein gewisses Verständnis für Bastian Drumm haben, wenn er AfD-Mann Marco Staudt zum Verlassen der Kundgebung auffordert. Doch zum einen ist es fraglich, ob er bei einer öffentlichen Demo auf einem öffentlichen Platz dazu das Recht hat, solange Staudt sich nicht daneben benimmt. Zum anderen liefert er jenen Wasser auf die Mühlen, die immer wieder zu Unrecht behaupten, in unserem Staat dürfe man gewisse Dinge nicht sagen. Demos für Ausgewählte gibt es nicht. Und schlussendlich hätte Staudt bei den Vorträgen vielleicht auch etwas gelernt.